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Südamerika: Reisebericht Bolivien




La Paz die Stadt in den Wolken, Jeep Tour durch die weltgrösste Salzwüstenlandschaft Salar de Uyuni, Mienenabenteuer in Potosi, Inka Götter anhimmeln auf der Isla del Sol beim Titicaca See und Hiking auf dem Choro Trek.

 

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La Paz

La Paz: Friedhof

La Paz

Wenn man vom auf der flachen Hochebene liegenden Flughafen gegen La Paz fährt, tut sich plötzlich wie ein grosses Loch auf, eine riesige von Backsteinbauten eingenommene Schüssel. Ausser einigen von weitem modern erscheinenden Hochhäusern auf dem Tal Boden, welche das Sonnenlicht an den vielen Fenstern aufglänzen lassen, dominiert der rötlichbraune, dreckige Farbton der Mauern. Grünflächen sind praktisch nicht auszumachen. Die grosse Mehrheit der Häuser scheint wie in einer letzten Bauetappe stecken geblieben zu sein, vielleicht hat's ein ordentliches Dach, vielleicht tropft es in der Regenzeit rein; vielleicht hat's Fensterscheiben, oft fehlt dieser Industriestaaten Luxus. Von der sicherlich spärlichen Innenausstattung gar nicht zu sprechen. Stille Zeugen der Armut, der über 1 ½ Millionen Bewohner von La Paz, der auf etwa 3700m liegenden Stadt in den Wolken.

Was hierbei auch gleich erwähnt werden muss, weil es oft zu Verwechslungen führt, La Paz ist der Regierungssitz von Bolivien, die eigentliche Hauptstadt aber heisst Sucre.

La Paz: Das Coca Museum

Das kleine Coca Museum ist sicherlich ein Besuch wert. Hier wird einem klar aufgezeigt, dass zwischen den natürlichen Coca Blättern, welche von der Andenbevölkerung seit Jahrhunderten gekaut und anderweitig verwendet werden und der harten Droge Kokain eben himmelhohe Unterschiede herrschen. Und wie der Name vermuten lässt, hatte zumindest früher das Getränk der Superlative, Coca Cola, auch seinen Anteil an Coca Blättern.

La Paz: San Pedro Gefängnis

Das San Pedro Gefängnis ist sicherlich eine einmalige Haftanstalt, welche eigentlich eher einem Hotel gleicht. Wie viele Sterne das Zimmer hat, hängt wie auch in der freien Welt vom Geldbeutel ab. So kann man als reicher Drogendealer oder korrupter Politiker seine Haft in einer Gefängnissuite mit eigenem Badezimmer, Kabelfernseher und Panoramafenster absitzen. Der Zellenschlüssel ist selbstverständlich inklusive, man möchte ja vielleicht einmal in den Billardraum, ins Gym oder sogar in die Kirche (wahrscheinlich mit 24 Stunden Beichte Service) Für die weniger Betuchten gibt's höchstens eine Koje im Jugendherbergestil, wobei auch sie einen Zellenschlüssel erhalten und sich frei bewegen können. Am Donnerstag und Sonntag sind Besuchstage, wenn sich die Innenhöfe mit Familienangehörigen und Kindern füllen, man vergnügt sich auf dem Fussballplatz oder speist im Gefängnisrestaurant. Es scheint wie eine separate Gesellschaft, eine Stadt in der Stadt und obwohl es im Innern keine Wächter gibt, ist Gewalt angeblich sehr selten. Aber es gibt auch sonst noch annehmliche Hotels, man muss also nicht gleich ein Verbrechen begehen um eine Unterkunft zu finden!

La Paz: Beim Fussballspiel

Als angefressener Fussball Fan, konnte ich natürlich einem Stadion Besuch nicht widerstehen. Die heimische Mannschaft mit dem irgendwie verfehlten englischen Namen "The Strongest" spielte im letzten Playoff Spiel gegen den favorisierten Titelanwärter aus Santa Cruz, mit dem ebenfalls ungewöhnlichen Namen "Blooming". Da ich von Mexiko gewohnt bin, dass die Fans bei wichtigen Spielen bis zu zwei Nächte vor dem Stadion schlafend verbringen, wollte ich wenigstens 2 Stunden vor Anpfiff dort sein. Doch 2 Minuten hätten auch gereicht, das letzte Spiel der Saison lockte mal knapp 5000 Zuschauer ins Estadio Olimpico Hernando Siles. Da es leicht regnete, drängte sich das ganze Publikum auf die letzten paar Sitzreihen unter das kleine Vordach. Und zwischen die sich schon drängenden Fans drängten sich noch Heerscharen von drängenden Verkäufern. Auf jeden zweiten Zuschauer gab es einen Kaffee Verkäufer und auf je drei Leute kam ein Schweinefuss Sandwich Verkäufer.

Da wahrscheinlich viele der Anwesenden ihr Lieblingsteam gar nicht richtig aussprechen konnten, geschweige denn in Fanlieder eindichten, wurden die Spieler mit einem lautstarken "Tigre, Tigre" begrüsst. Als nächstes wurde dem Gasttorhüter gleich mal einen Leuchtrakete an den Kopf gefeuert. Doch zum Glück geschah nichts Schlimmeres und nach einigen Pflegeminuten konnte das Spiel angepfiffen werden.

Nach einem intensiven Spiel fiel die Entscheidung schlussendlich zu Gunsten von "Blooming". Als Gastmannschaft war die Meisterfeier dementsprechend bescheiden und binnen Minuten tanzten und jubelten die Spieler vor praktisch leeren Tribünen.

Neben dem von Baseball dominierten Venezuela ist Bolivien somit ein weiteres Beispiel dass Fussball in Südamerika auch nicht überall den gleichen Stellenwert hat.

 

Tiahuanaco

Tiahunaco (Tiwanaku)

Tiahuanaco war eine wichtige Zeremoniestätte des gleichnamigen Volkes, welche vor über 1000 Jahren in der Gegend lebte. Ursprünglich wurde sie ans Südufer des Titicaca Sees erbaut, doch wegen dem Rückgang des Sees liegt Tiahunaco nun einige Kilometer vom See entfernt. Einige für den Bau der Pyramiden verwendete Steinbrocken wiegen bis zu 25 Tonnen und wurden über eine Distanz von 40 km hergeschleppt. Kein Wunder glaubten die Nachfahren, die Aymaras, die Stätte wäre von der Gottheit Viracocha höchstpersönlich erstellt worden.

Wenn man die im Nachbarland Peru liegenden Ruinenanlagen der Inkas und anderer Kulturen schon besucht hat, sollte man keine allzu grosse Erwartungen hegen. Heutzutage ist von der früheren Grösse und Wichtigkeit der Tiahunaco Kultur leider nicht mehr viel zu sehen. Jedenfalls ist es nur 1 ½ Stunden von La Paz und mit Busen sehr einfach zu erreichen.

 

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Uyuni Zugsfriedhof

Uyuni

Die Busfahrt von La Paz in die nächst grössere Stadt Oruro dauerte 3 Stunden. Obwohl es hier sicher ein Duzend verschiedene Busunternehmen gab, hatten alle die gleichen abendlichen Abfahrtszeiten und wir mussten bis 9 Uhr ausharren, bis sich ein Nachtbus auf den Weg nach Uyuni, in den Süden des Landes machte.

Eigentlich sollten wir dort im Verlaufe des Morgens eintreffen, wobei vielleicht schon eine mögliche Reifenpanne einkalkuliert wurde. Da wir aber unfallfrei durchfuhren, erreichten wir die Zielstadt schon um 3 Uhr nachts. Somit gab's noch einige Stündchen Schlaf in einem Hotelzimmer, bevor wir uns von einigen der angeblich über 50 Agenturen ihre Vorschläge zu Salzsee und Südwest-Touren anhörten. Tatsächlich sollte es noch heute losgehen. Besser gesagt liess man uns genau eine Stunde zum Frühstücken und Packen. Mit von der Partie waren zwei Engländerinnen, zwei Italiener, ein Neuseeländer und der wichtigste Mann an Bord: Eddy der Reiseführer, Fahrer und Koch.

Cemeterio de Trenes

Als erstes besuchten wir den "Cemeterio de Trenes" (Zugsfriedhof), wo früher für den Silbertransport gebrauchte Dampfloks und Wagons vor sich hinrosten. Einige Spassvögel haben sich darauf mit Sprüchen verewigt: "Asi es la vida. Se necesita un mecanico con experiencia... urgente!" (So ist das Leben. Mechaniker mit Erfahrung gesucht... dringend!)

 

Salar de Uyuni

Colchani

Der Salar de Uyuni ist der weltgrösste Salzsee, der sich auf einer Fläche von über 12'000 km2 ausdehnt. Die jährliche Salzproduktion beläuft sich auf etwa 20'000 Tonnen, das meiste davon wird in mühsamer Handarbeit gewonnen. Mit Pickeln wird das Salz herausgelöst, in konische Hügelchen zum Trocknen aufgeschichtet und später in Säcke geschaufelt. Colchani ist so ein Salzverarbeitungsdörfchen. In einem kleinen, natürlich aus Salzblöcken hergestellten Museum kann man ein lebensgrosses Salzlama und Miniatur Salzfiguren und -häuschen bestaunen. Früher befanden sich ganz in der Nähe auch noch zwei Salzhotels, welche aber im 2005 nicht in Betrieb waren.

 

Salar de Uyuni

Salar de Uyuni

Nun ging es so richtig los. Mit einem salzweissen Toyota Land Cruiser flitzten wir über das stark blendende, grösste sich vorstellbare Nichts. Nur Salz und Himmel, es schien als ob sich die Welt in die weisse und die dunkelblaue Hälfte geteilt hätte.

 

Salar de Uyuni: Isla de los Pescadores

Isla de los Pescadores

Plötzlich tauchte am Horizont die "Isla de los Pescadores" (Fischerinsel) auf. Eddy raste auf die Insel zu , als ob wir uns auf einer gut geteerten Autobahn befinden würden. Etwa eine halbe Stunde später ankerte unser Autoboot in einer Salzbucht und wir machten uns auf Entdeckungstour. Ein lustigerweise alle 5m mit einem Holzpfeil markierter Pfad führte über einen von Kaktussen dominierten Hügel praktisch um die ganze Insel. Als wir von der gediegenen Rundwanderung an den Salzstrand zurückkehrten, hatte Eddy uns schon ein feines Lama Filet zubereitet... natürlich gut gesalzen!

Nach etwa 50km gegen Süden erreichten wir den Rand des Salar de Uyuni. Eine Sandpiste führte uns einem Hügelzug entlang bis ins Wüstendörfchen San Juan, wo wir die erste Nacht in einer bescheidenen Herberge verbrachten.

 

Salar de Uyuni: Arbol de Piedra

Arbol de Piedra

Der erste Höhepunkt des nächsten Tages war der Blick auf den die Grenze zwischen Chile und Bolivien markierenden Vulkan Ollagüe. Etwas weiter, mitten in der Sandwüste, stehen einige kuriose Steinformationen, unter anderem der bekannte "Arbol de Piedra" (Steinbaum), der in der Zwischenzeit eher vom vielen Abknipsen erodiert als von natürlichen Kräften.

 

Laguna Colorada - Flamingos

Laguna Colorada

Einige Stunden holpriger Fahrt später erreichten wir einige bezaubernde Lagunen, Habitat von Tausenden von Flamingos. Der bekannteste See ist die Laguna Colorada, deren eindrückliche rötliche Farbe von Algen und Plankton stammt. Die weisse Küstenlinie ist reich an weiteren Mineralien wie Sodium, Magnesium, Gips und Borax. Fasziniert streiften wir den Küsten entlang und beobachteten diese stolzen Vögel wie sie daher spazierten und bei jedem Schritt meint man die nach hinten gekrümmten Beine müssten jeden Augenblick einknicken.

 

Laguna Colorada

Laguna Colorada

Ganz in der Nähe der Laguna Colorada bot eine lang gezogene Albergue Unterkunft in einem 8er Zimmer. Eddy hatte vor, Spaghetti als Nachtessen zu offerieren. Doch die Italiener ergriffen kurzerhand und voller Nationalstolz die Initiative und anerboten sich ihre Kochkünste zu beweisen. Tatsächlich wurde es ein feines, gemütliches Mahl. Zuerst sassen wir noch in T-Shirts und bei Tageslicht um den grossen Holztisch. Als aber die Dunkelheit einbrach, waren bald mal mehrere Kleiderschichten notwendig und nach einer Weile Generator erhellten schlussendlich nur noch Kerzen den Raum. Bei einer Flasche Singani (Traubenschnaps) liessen wir einen ereignisvollen Tag gemütlich ausklingen.

 

Sol de Mañana Schlammsprudel

Sol de Mañana

Schon um 5 Uhr früh brachen wir auf. Der Jeep kletterte im Dunkeln auf fast 5000m hoch, zum "Sol de Mañana" (Morgensonne) Geysir Becken, einem geothermischen Gebiet. Ein Geysir ist eine heisse Quelle, die ihr Wasser in regelmässigen oder unregelmässigen Abständen als Fontäne ausstösst. Zudem hat es hier auch die so genannten Schlammtöpfe oder Schlammsprudel, kochender und blubbernder Schlamm, der immer wieder einige Meter in die Luft geschleudert wird. Nach einem wohltuenden Bad in den heissen Quellen und einem ebenso heissen Kaffee mit Rührei zum Frühstück, ging die Fahrt weiter in die südlichste Ecke des Landes.

 

Viscacha

Viscacha

Die im südlichen Südamerika verbreiteten Viscachas aus der Familie der Chinchillas sind verhältnismäßig große Nagetiere und erreichen ein Gewicht von bis zu 8 Kilogramm. Ihre Nahrung ist rein pflanzlich und besteht vorwiegend aus Samen und Gräsern.

 

Laguna Verde

Laguna Verde

Die Laguna Verde liegt spektakulär am Fusse des Vulkans Licancabur (fast 6000 m.ü.M). Die grünliche Farbe kommt wiederum vom Mineralien Mix von Blei, Sulfur und Calciumcarbonat.

 

 

Villa de Mar

Rückweg nach Uyuni

Einige unserer Gruppe verabschiedeten sich hier, da sie nach Chile weiter wollten. Der Weg zurück nach Uyuni führte vorbei an den Dörfchen Villa de Mar (warum hat ein Dörfchen mitten in der Wüste das Wort "Meer" in seinem Namen?) und San Cristóbal. Obwohl die Strecke immer noch sehr attraktiv war, wurde man doch ein wenig "wüstenmüde" und die meisten Augen schlossen sich auf der 10 Stunden Rückfahrt.

 

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Potosí mit Cerro Rico

Potosí

Die Geschichte von Potosi wird geprägt durch die Silber Ausbeutung des hinter der Stadt liegenden "Cerro Rico" (der reiche Hügel), welche die Spanier im Jahre 1545 gross aufzogen. Vier Monate lang mussten indianische und afrikanische Sklaven in den Minen krampfen, ohne je das Tageslicht zu sehen zu bekommen. Angeblich starben etwa 8 Millionen Arbeiter bei diesen unmenschlichen Bedingungen. Dank dem Silberboom wuchs Potosí zu einer der grössten und reichsten Städte des 17. Jahrhunderts.

Heutzutage sind die Minen in den Händen von vielen Kooperativen, aber die Arbeitsbedingungen haben sich seit der Kolonialzeit kaum verbessert. Die gefährliche Kombination von hohen Temperaturen (bis 45°) und giftigen Gasen kann schon nach einigen Jahren im Untergrund tödliche Krankheiten mit sich bringen.

 

El Tío

El Tío

Obwohl sich wie in jedem südamerikanischen Land die Leute zum katholischen Glauben bekennen, herrscht in der Abgeschiedenheit des Cerro Rico eine andere Gottheit: El Tío, eine teuflisch aussehende Figur, welche in keiner Mine fehlen darf. Eigentlich bedeutet das Wort "Onkel", aber die rötliche Farbe und die Hörner lassen keine Zweifel aufkommen. Um den Tío auf seine Seite zu gewinnen, wird mit ihm alles geteilt, was einem normalen Minenarbeiter wichtig ist. Zuerst wird ein wenig Alkohol auf den Boden vor seinen Füssen getröpfelt, um dann selbst einen Schluck zu nehmen. Anschliessend werden Coca Blätter über die Figur gestreut und eine gute Handvoll in den Mund genommen zum Kauen. Schlussendlich wird zuerst dem Tío eine Zigarette angezündet und zwischen die Lippen gesteckt und dann genehmigt sich der Arbeiter selbst eine.

Touren durch die Minen

Etliche Kooperativen bieten Touren und Führer an. Dafür wird erwartet, dass die Besucher den Minenarbeitern etwas offerieren, normalerweise eben das magische Trio von Alkohol, Coca Blättern und Zigaretten oder wenn man noch nie in seinem Leben Dynamit gekauft hat, kann man auch das auf dem Markt beschaffen und verschenken. Die Tunnels und Stollen sind oft äusserst eng und zudem sollte man versuchen den Arbeitsbetrieb nicht zu stören und den mit Schubkarren hin und her rennenden (es wird nie nur "gegangen"!) Arbeitern aus dem Weg zu gehen. Immer wieder erschütterte der ganze Berg, wenn irgendwo mit Dynamit ein Stück Fels weg gesprengt wurde um immer tiefer in den Hügel einzudringen. Nach nur einer Stunde in Staub und Dunkelheit waren wir froh wieder ans Tageslicht zu gelangen.

Von streikenden Busfahrern

Eigentlich wollten wir noch am gleichen Abend die Fahrt nach La Paz angehen. Doch genau kurz vor Weihnachten beschlossen die Busunternehmen in Streik zu treten und vereitelten unsere Pläne. Somit hängten wir halt noch einen Tag an und besuchten das "Museo de la Moneda", eine ehemalige Münzpräganstalt. Neben unzähligen Münzen sind aber auch noch Prägmaschinen, die erste bolivianische Lokomotive und etliche Bilder von namhaften nationalen Künstlern ausgestellt. Wobei nur schon das schön restaurierte Kolonialgebäude ein Besuch wert ist. Heute Abend klappte dann die Weiterfahrt doch noch. Zuerst über Nacht nach La Paz und dann nach Copacabana, an den Titicaca See.

 

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Titicaca See / Copacabana

Titicaca See

Der Titicaca See ist der zweitgrösste See Südamerikas, nur der Maracaibo See in Venezuela ist grösser. Er liegt auf einer Höhe von 3800 m und gibt mit seinem intensivblauen Wasser und den schneebedeckten Gipfeln der mächtigen Cordillera Real im Hintergrund ein magisches Bild ab. Dazu kommt noch seine geschichtliche und mythische Bedeutung. Die Incas glaubten, dass ihr erster Stammesführer Manco Capac, ihre erste Gottheit Viracocha und sogar die Sonne selbst aus den tiefen des Sees entsprungen waren. Noch heute gilt die "Isla del Sol" (Sonneninsel) als wichtige Pilgerstätte, speziell der "Stein des Pumas", Titi Khar'ka in der Aymará Sprache, woher auch der Name des Sees stammt. Die Bolivianer pflegen zu sagen, dass sie die "Titi" (Brüste) Seite, also die schönere, angenehmere Seite des Sees besitzen und die Peruaner die "Caca" (Scheisse) Seite.

 

Titicaca See

Copacabana

Das niedliche Städtchen Copacabana ist auf der bolivianischen Seite des Sees die wichtigste Siedlung mit einer guten touristischen Infrastruktur. Es gibt viele gemütliche Hotels, welche sich gegenseitig den Ruf des besten Seeblicks streitig machen. Der Strand ist zwar nicht vergleichbar mit dem brasilianischen Namensvetter und das Wasser für die meisten wahrscheinlich zu kalt zum Schwimmen. 150m über der Ortschaft thront der Cerro Calvario und bietet nach einem schweisstreibenden Aufstieg eine sicher lohnenswerte Aussicht, speziell bei Sonnenuntergang...

 

Titicaca See: Mini Hurracan

Isla del Sol

Frühmorgens tobte zwar noch ein kleiner Sturm, aber ziemlich bald legte er sich und wir begaben uns zum kleinen Hafen. Ein kleines Boot tuckerte in etwa 2 Stunden zur Isla del Sol. Als es auf der oberen, nördlichen Hälfte anlegte, empfing uns ironischerweise ein leichter Regen, doch im Verlauf des Vormittags zeigte die Sonne, warum das ihre Geburtsinsel ist. Ein kleines Museum zeigt etliche Fundstücke früherer Kulturen, etliche davon von Tiefseetauchern aus dem See gerettet.

 

Titicaca See: Isla del Sol

Attraktionen auf der Insel

Juan anerbot sich den frisch eingetroffenen Touris als freiwilliger Führer an. Er führte die Gruppe auf einem stetig ansteigenden Pfad zu diversen historischen Stätten wie "Piedra Sagrada" (heiliger Stein und wenn Juan nicht erwähnt hätte, dass er heilig ist, wäre es einfach ein unscheinbarer Stein), "Templo del Inca" (heutzutage ein Gemüsegarten und von einem Tempel ist nichts auszumachen), "Mesa Ceremónica" (der Zeremonie-Tisch, welcher mich irgendwie an die letzte Seite jedes Asterix & Obelix Bandes erinnerte, wo die Gallier bei Wildschwein und Wein einen weiteren Sieg gegen die Römer feiern) , "Titi Khar'ka" (Stein des Pumas) und die "Chincana" Ruinen, einem Labyrinth von Steinmauern. Obwohl nur eine bescheidene Anzahl der 20-köpfigen Truppe einigermassen Spanisch verstand, verwandelte sich Juan aus dem freiwilligen Führer bald mal in einen tüchtigen Geschäftsmann und trieb bei allen hartnäckig sein Honorar ein.

 

Titicaca See: Isla del Sol

Wanderung auf der Isla del Sol

In etwa 4 Stunden kann man die äusserst attraktive Wanderung bis in den Süden der Insel bewältigen. Der immer gut zu erkennende Weg führt normalerweise dem Hügelgrat entlang und bietet herrliche Blicke auf kleine Buchten mit weissen Sandstränden und dem intensiven Dunkelblau des Wassers. Einsame Inselbewohner verkaufen Getränke auf der Strecke, wieder andere ziehen auch ohne etwas zu verkaufen Geld ein und verlangen einen Wegzoll von einigen Bolivianos. Dafür darf man sich in das dorfeigene Gästebuch eintragen. In Yumani gibt es eine relativ grosse Auswahl an Unterkünften, die meisten mit wunderbaren Aussichten auf das Seeleben, also ein sicher würdiger Ort um die diesjährige Weihnachten zu feiern.

 

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Choro Trek: Abra Chucura Pass

El Choro Trek: 1. Tag

Der Choro Trek ist sicher eine der beliebtesten Wanderungen in Bolivien und da der Ausgangspunkt nur etwa 10 km von La Paz entfernt liegt, ist er auch äusserst einfach zugänglich. Die Busse fahren bis La Cumbre, der Passhöhe auf 4725m, wo auch die berüchtigte "Gefährlichste Strasse der Welt" beginnt. Nachdem man sich bei den Nationalpark Behörden registriert hat, steigt der Weg auf den Abra Chucura Pass hoch, auf fast 5000m. Jetzt im Dezember gab es eine stattliche Schneemenge und auch die Kälte sollte sicher nicht unterschätzt werden. Dichter Nebel raubte uns jegliche Aussicht. Somit wurde man wenigstens nicht abgelenkt und konnte sich aufs Vorwärtskommen und auf das bei der Sauerstoff-Knappheit auch nicht ganz einfache Atmen konzentrieren. Nach der Passhöhe galt es über 3000 Höhenmeter in den tropischen Bergwald der Yungas hinab zu wandern.

 

Lamas hoch in den Anden

Zuerst stapften wir noch durch den Schnee und ein Nebelmeer, mit der Zeit aber drang die Sonne durch und liess uns die mächtigen Bergmassive der Anden erkennen. Ein steiniger Weg führte immer tiefer ins Tal hinunter und nach etwa 2 Stunden hatten wir die Schneefelder hinter uns. Hie und da liessen sich einsame Bauern sehen, welche ihre Lama Herden hüteten, meist aber dominierte die Einsamkeit und Stille der Natur. Ein anfänglich noch kleiner Bach war unser treuer Begleiter und ein Garant für frisches Trinkwasser. Gegen 5 Uhr erreichten wir bereits Cha'llapampa, eine kleine Ansammlung von Hütten, wo wir unser erstes Nachtlager aufschlugen.

 

 

Choro Trek: Río Chucura

El Choro Trek: 2. Tag

Da doch einige Wanderer unterwegs waren über die Weihnachtsferien, war auch dementsprechend früh morgens schon viel Betrieb im Camp. Ausserdem hatte es Nachts über geregnet und der steil abwärts führende Weg war sehr schlammig und glitschig, was auch zu einigen Ausrutschern führte. In einigen Reiseführern wird sogar davon abgeraten, den Trek in der sommerlichen Regensaison anzugehen. Aber schlussendlich war alles halb so schlimm, nass und schmutzig wird man auch anderswo. Je tiefer runter der Pfad führte, desto dichter wurde die Vegetation und desto mehr Tiergeräusche waren zu vernehmen. Gegen Mittag wurde Choro erreicht, sprich einige Hüttchen mit Grossvater und Enkel die Getränke verkauften und eine in dieser Abgeschiedenheit zu modern erscheinende Hängebrücke. Die Lichtung ist ein idealer Rastplatz und die Füsse erfreuten sich einem erfrischenden und pflegenden Bad im Rio Chucura. Viele Bunte Schmetterlinge genossen diesen idyllischen Ort ebenso wie wir Wanderer.

Auf der anderen Seite des Flusses ging es das erste Mal auf dem Trek so richtig aufwärts. Der Pfad führte in dichtem Wald der Bergflanke entlang. Nur ab und zu erhaschte man einen Blick in die Umgebung, die grünen Berghänge und den nur als weissen Strich erkennbaren Chucura Fluss.

 

2. Camp San Francisco

Die nächste Herausforderung war das tief eingeschnittene Coscapa Tal. Was per Luftlinie 5 Minuten gedauert hätte, beanspruchte nun etwa 2 Stunden. Die Landschaft sah auch hier sehr ähnlich aus, dichter grüner Wald an den steilen Hängen und der Fluss zuunterst im V-Tal. Wieder vorne im Haupttal angelangt, fehlte nicht mehr viel bis San Francisco, dem heutigen Lagerplatz. Glücklicherweise waren wir unter den ersten und konnten somit einen der besseren und zudem gedeckten Zeltplatz ergattern. Sogar eine auf einer Plattform über dem Schluchtenrand errichtete Dusche bot das Camp. Den Abend verbrachten wir mit einigen einheimischen Führern, welche uns geduldig versuchten ihre Muttersprache Aymará beizubringen und später beim Karten spielen, bis sich die Augen automatische schlossen...

 

Choro Trek: Hängebrücke

El Choro Trek: 3. Tag

Nachts über hatte es wiederum zünftig geregnet und das Strohdach erwies uns einen guten Dienst, man weiss ja nie wie wasserdicht das gemietete Zelt gewesen wäre und zudem ist ein nasses Zelt einiges schwerer zu tragen. Noch im Dunkeln des Morgens machten wir uns auf den Weg. Unser erstes Ziel war Casa Sandillani, wo ein aus irgendwelchen Gründen hier verhangener 80-jähriger Japaner allen Trekkern sein Gästebuch zum Eintragen vorlegt.

In der letzten Etappe zigzagten wir runter an den nun stattlichen Fluss Rio Huarinilla und nach etwa 2 Stunden erreichten wir Chairo, den Endpunkt der Wanderung. Wenn man die richtige Anzahl Bolivianos offeriert, gibt es von hier Transportmittel bis nach Coroico.

Coroico

Im niedlichen Städtchen Coroico gibt es einige empfehlenswerte Hotels, wo man so richtig schön ausspannen kann nach 3 Tagen auf dem Choro Trek in der Wildnis. Das Hotel Esmeralda brillierte zwar nicht unbedingt durch Freundlichkeit oder guten Service, dafür ist aber die Lage sehr schön und bietet viele Annehmlichkeiten.

 

Coroico: Gefährlichste Strasse der Welt

Die gefährlichste Strasse der Welt

Die Strasse von Coroico nach La Paz wird wegen der beunruhigenden Statistik von tödlichen Unfällen als die gefährlichste Strasse der Welt bezeichnet. Die staubige Piste ist meist nur breit genug für ein Fahrzeug und das Kreuzen am Rande der bis zu 1000m tiefen Abgründe, bei engen unübersichtlichen Kurven kostete schon mal angespannte Nerven. An kritischen Stellen sind lebendige Lichtsignale postiert, welche mit grünen und roten Flaggen versuchen den Verkehr zu bändigen. Doch nicht alle Fahrer nehmen diese Hilfe gleich ernst, sowie auch die Fahnenträger oft mit den Gedanken ganz woanders zu sein scheinen. Auf der ganzen Strecke gilt der Linksverkehr, sprich die aufwärts kommenden Vehikel fahren auf der Berghangseite, die runter fahrenden Autos auf der Aussenseite, damit die Fahrer den Abgrund besser einschätzen können. Doch sind dieser Regelung nicht alle bewusst und das führt wiederum zu etlichen beinahe Zusammenstössen, weil natürlich die Bremse nicht unbedingt das Lieblingspedal ist. Aber sonst sei nicht zu vergessen, dass die Strasse durch eine sehr attraktive Andenlandschaft führt und wenn man mal einigermassen Vertrauen in seinen Bus Chauffeur erlangt hat, kann man die Todesstrasse so richtig geniessen!

 

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