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Fahrrad Tour Rocky Mountains Kanada
Hiking Berg Lake Trail Mount Robson Provincial Park Kanada

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Rocky Mountains Fahrrad Tour Fakten
 



Kanada Fahrrad Route:
Fahrrad Tour von Calgary aus in die Rocky Mountains von Kanada, durch die Nationalparks Banff und Jasper in Alberta, Hiking auf dem Berg Lake Trail beim Mount Robson und schlussendlich wieder mit dem Fahrrad über Kamloops und Whistler nach Vancouver in British Columbia.

Fahrrad Distanz:
1'540 km

Zeitraum:  
Juli/ August

Fahrrad:
Umgebautes Wheeler Mountain Bike (empfehlenswert für off-Road Abstecher)

 

Prolog
 

Wieso Kanada ? Wieso die Rocky Mountains ? Alles Schicksal! Nun ich wollte einfach irgendwo auf dem Kontinent eine Fahrrad Tour unternehmen, dazu hatte ich auch das Fahrrad, welches in New York geduldig meine Rückkehr der mehrmonatigen USA Reise abwartete, über den Atlantik gebracht. Aber wann und wo genau überliess ich dem Schicksal. So kam es, dass ich in mitten der Reise, mitten im Lande, in einem Nationalpark, in einem Hostel, in einem Büchertausch-Korb, eine Karte der kanadischen Rocky Mountains Staaten Alberta und British Columbia fand! Die Sache war geritzt, die Entscheidung des "wo" wurde mir abgenommen, das "wann" ergab sich als ich einige Tage später den Flug von New York. nach Calgary (am äussersten rechten Kartenrand) buchte! Das Ziel sollte Vancouver am Pazifischen Ozean (am äussersten linken Kartenrand) werden und die grosse Herausforderung der Rocky Mountains lag dazwischen. So einfach war das!



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Banff National Park

Bereit für das Fahrrad-Abenteuer Rocky Mountains. Zuerst durch den wunderschönen Banff Nationalpark.

 
  Von New York nach Calgary 

Wo alles seinen Anfang nahm

Heute Morgen früh hatte ich noch nervös hin und her gehend auf den vorbestellten Taxi-Service gewartet, der mich zum New York La Guardia Flughafen bringen sollte. Die Sohle meiner Schuhe hatte sich schon merklich abgetragen und immer noch nichts zu sehen von einem Fahrer. Trotz des leichten Regens war ich schon drauf und dran mit dem Fahrrad den langen Weg auf mich zu nehmen. Doch als ich an meine sonntägliche Spritztour durch den Häuser-Dschungel Manhattans dachte, wurde mir die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens schnell bewusst. Schon gestern war ich froh gewesen, lebendig durch das Strassen-Ghetto gekommen zu sein, wie würde das erst mit all dem Gepäck beladen zur morgendlichen Hauptverkehrszeit auskommen?

In diesem Moment kreuzte endlich ein Minibus auf. Natürlich wusste der Fahrer nichts von einem Rad und rümpfte zur Begrüssung zünftig die Nase. Scheinbar hatte ich meine Karten verspielt bei ihm, statt mich direkt zum Flughafen zu manövrieren, verwies er mich nach kurzer Fahrt auf einen grösseren Bus, welcher mich weiterbringen würde. Dieser Buslenker machte gleichfalls Probleme von wegen Fahrrad Transport, was mich aber kalt liess. Ich öffnete eigenmächtig das untere Gepäckfach, ordnete die Koffer und Taschen Platz gewinnend an und verlud meine Habseligkeiten. Meine Entschlossenheit schien ihn beeindruckt zu haben. Am Flughafen half er mir bereitwillig beim Ausladen und wünschte mir eine erfolgreiche Tour!

Auch der Angestellte von Air Canada schaute eher skeptisch, als er mit meinem Sportobjekt konfrontiert wurde. Einige klärende Telefonate und er war wie ein anderer Mensch. Er kletterte über den Schalter und half mir mit Plastik und Klebstreifen das Fahrrad transporttauglich zu machen. Die Schlange hinter mir wurde immer länger und länger und wenig freundliche Kommentare drangen bis zu mir vor. Ich schmunzelte überlegen zurück und wickelte genüsslich noch eine extra Schicht Plastik rum!

Der Flug verging wie im Fluge und endlich erreichte ich Calgary, den Ausgangspunkt meiner Fahrrad-Reise durch die Rocky Mountains.
 

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  Calgary - Banff Nationalpark

Einzug in die Rocky Mountains

Die Rocky Mountains waren natürlich nicht gerade um die Ecke von Calgary. Rund 150 Kilometer galt es an meinem ersten Radtouren-Tag zurückzulegen. Es war mehr ein Pflichtprogramm auf einer doch stark befahrenen Landstrasse. Es war topfeben, noch weit und breit keine Berglandschaft in Sicht. Die Strasse zog sich in gerader Linie gegen den Horizont. Endlich erste Erhebungen, dann schon kleinere Berge und langsam aber sicher drang ich am späteren Nachmittag definitiv in die Rocky Mountains und den Banff Nationalpark. Mein erstes Zeltcamp wollte ich der Ortschaft Banff errichten.

Obwohl mich unzählige Stechmücken davon abbringen wollten, schlug ich mein Zelt gut getarnt hinter einigen Tannenbäumen gleich neben der Jugendherberge auf, damit ich deren Infrastruktur gebrauchen konnte. Mit einem Pack Spaghetti und einer Dose Tomatensauce in der Hand, schlich ich mich in die Küche des Hostels... Ich war schon wieder beim Abwaschen, als ich spürte, wie mich jemand von der Seite her anstarrte. "Bist du das?" Ich brachte zuerst kein Wort heraus, als müsste ich über meinen eigenen Namen nachdenken. Stephy stand vor mir und lächelte mit den ihr typischen tiefen Grübchen in den Backen übers ganze Gesicht. Zuerst hatte ich ein wenig ein schlechtes Gewissen, war es doch damals in Toronto nicht ganz so einfach, ihr meine eigenwilligen solo Pläne mit dem Fahrrad klarzumachen. Wir waren beide als Backpacker unterwegs und ich glaube sie wäre gerne mit mir nach New York gefahren. Und jetzt? Sie wusste über meine Route in den Rocky Mountains genau Bescheid! Ein rein zufälliges Wiedersehen oder kalkulierte Absicht? Ich wusste es nicht und wollte es auch nicht wissen. Es war nur eine Woche verstrichen seither, und doch gab's so einiges zu erzählen. Eine Woche auf Reisen ist wie ein Jahr routiniertes Normalbürgerdasein.

Fahrrad oder Frau? Ich schätzte ich wäre noch lange genug alleine mit dem Rad unterwegs, aber wie oft würde sich mir die Gesellschaft einer charmanten Frau anerbieten? (Und schlussendlich würde ich Recht behalten, hatte mehr Kontakt mit Bären als mit Frauen!) Also schlug ich ihr einen gemeinsamen Rafting Trip auf dem vier-plus-klassigen Kicking Horse River vor. Wir verbrachten einen adrenalinintensiven, spritzigen Tag zusammen, bis es erneut hiess, Abschied nehmen.
 
 
Banff National Park Johnston Canyon

Der Johnston Canyon mit seinen Wasserfällen ist unweit von Banff, am Bow Valley Parkway gelegen.

 
 

Banff - Lake Louise  

Die Route von Banff nach Lake Louise war ein wahres Vergnügen für Mountainbike Touren, Kanada pur, mit weiten Tälern, üppig grünen Wälder, klaren Seen und tosenden Wasserfällen. Ich radelte gemütlich und doch zielstrebig vorwärts in Richtung Norden.

Beim Château Lake Louise wollte ich eigentlich nur schnell einen Eindruck von diesem bekannten Fünf-Stern Hotel gewinnen, doch der nun heftig wütende Regen und die warmen, gemütlichen Räumlichkeiten überzeugten mich ein Päuschen einzuschalten. Ich setzte mich mitten unter die japanischen Massenluxustourismusbetreibenden auf ein mittelalterliches Sofa und beobachtete wie die Tropfen draussen auf Lake Louise niederfielen... Ich musste da ein gutes Weilchen eingedöst sein, als ich aufwachte, war es ganz ruhig um mich und der Regen hatte auch nachgelassen.

Noch immer schlaftrunken suchte ich mein Fahrrad zwischen all den Reisebusen und sonstigen teuer anmutenden Limousinen und nahm noch das letzte Stückchen bis Lake Louise Village auf mich. Durch meine ungewollte Siesta hatte ich meine Pläne durcheinander gebracht, nun war es schon zu spät um die Route in Richtung Norden fortzusetzen. Wie gewohnt war die Jugi auch heute Abend wieder ausgebucht. Spasseshalber erwog ich ins "Château" zurück zu pedalen, als soeben bekannt gegeben wurde, eine angemeldete Gruppe werde nicht kommen. Wir waren  gleich vier Unangemeldete, welche glücklich von diesem frei werdenden Zimmer Beschlag nahmen. Ich schlief aber nur halb so gut wie am Nachmittag, die fünf zusätzlichen Sterne machten genau den Unterschied!

Jedenfalls ergatterte ich mir einen der letzten Liegeplätze im sehr populären Hotel in Lake Louise und entdeckte einmal mehr wie fein Reis-o-Roni Schnellgerichte schmecken. Zum Ausklingen des Abends setzte ich mich mit dem in der linken Gepäckträgertasche aufbewahrten Spanischkursbuch auf einen bequem gepolsterten Polsterstuhl in der Lounge. Abgesehen von einem kurzen Effort vor einem Monat auf der 24-Stunden-Busfahrt nach Chicago, brauchte ich das Buch zum ersten Mal. Irgendwie schien ich überaus motiviert beim Studium von Wörtern wie "Bushaltestelle", "Strandtuch" etc., noch nicht ahnend, dass ich nach dieser Reise in Kanada dann etliche Monate reisend in Mexiko verbringen würde.

Lake Louise - Bow Pass - Rampart Creek

Bären Bunker

Ich hatte vor, unten im Tal Boden am Ufer des Saskatchewan Rivers mein Nachtlager aufzuschlagen, wollte mir aber zuerst noch in der nicht weit entfernten Jugendherberge etwas Proviant besorgen. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt und so beeilte ich mich, um noch rechtzeitig mein Nachtlager aufschlagen zu können. Glücklicherweise hatte ich mir vor Beginn meiner Tour Gedanken über das Fahren bei Nacht gemacht und deshalb gute LED Leuchten am Rad installiert. Das Hüttendorf wirkte schon von Weitem gemütlich und die kleinen Bauten fügten sich ideal in die Landschaft ein.

Als ich da ankam, war eine Familie in der Küche dieses Hüttendorfes mit dem Kochen beschäftigt. Ich weiss nicht ob sie mir meinen Hunger angesehen hatten, jedenfalls luden sie mich ein, mit ihnen zu Abend zu essen. Kurz darauf traf auch der Verwalter der von der Welt verlassenen Rampart Creek Herberge (Webseite Hostel ) ein. Auf die demolierte Tür einer der Hütten angesprochen, erzählte er uns von seinem Abenteuer mit einem rumstreunenden Bären. Ooops, sofort gab ich meine Pläne fürs Zelten auf und liess mir hier ein einigermassen sicheres Bett zuweisen.

Mehr Infos zum Banff-Nationalpark

 
 
Banff Natioal Park river scenery

Flusslandschaft im Banff Nationalpark

 

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Jasper N.P. Columbia Icefield

Der Athabasca Gletscher ist ein Teil des mächtigen Columbia Icefield, zwischen den Ortschaften Banff und Jasper.

 
  Jasper Nationalpark

Der Jasper Nationalpark wurde bereits anfang des 20. Jahrhunderts gegründet, zum Schutz der Natur und Tierwelt wie Bären, Wölfe, Elche und Karibus. Er ist der grösste Nationalpark in den kanadischen Rocky Mountains mit fast 11'000 Quadratkilometer wilder Bergwelt.

Eines der Highlights im Nationalpark ist das Columbia Icefield, welches ganz einfach auf der Strasse und somit auch mit dem Tourenrad erreichbar ist. Zum Wandern gibt es ein ausgedehntes Netzwerk von Trails und jede Menge Campingplätze.

Meine Route führte mich vom Banff Nationalpark auf dem Icefield Parkway und entlang dem Athabasca River nordwärts bis in den Mount Robson Provincial Park.

 
 
Bear warning

Kanada ist auch die Heimat von Schwarzbären und Grizzly Bären. Und tatsächlich gab es eine nicht ungefährliche Begegnung mit einer Familie von Schwarzbären im Jasper Nationalpark.

 

Hiking / Fernwandern
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  Berg Lake Trail

Hiking ins Tal der Tausend Wasserfälle

Für die nächsten beiden Tagen entschied ich mich auf eine Fahrrad-Pause und unternahm dafür ein Trekking auf dem Berg Lake Trail im Mount Robson Provincial Park. Der erste Höhepunkt ist der Kinney Lake, mit der sich eindrücklich in der Wasseroberfläche spiegelnden Bergwelt. Durch das Tal der Tausend Wasserfälle windet sich der Pfad hoch zum Berg Lake und seinen drei in das Wasser eintauchenden Gletschern.

 
 
Kinney Lake on Berg Lake Trail

Eindrückliches Spiegelbild im Kinney Lake.

 
 
Emperor Fall on Berg Lake Trail

Der Emperor Wasserfall ist einer von vielen im Tal der 1000 Wasserfälle auf dem Berg Lake Trail.

 
 
Berg Lake and Berg Glacier

Berg Lake und der Berg Gletscher am Fusse des Mount Robson.

 

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Camping in the Rocky Mountains

Obwohl es etliche Zeltplätze entlang der Route gibt, sind diese halt auch nicht immer genau dort verfügbar wo der müde Tourenfahrer nächtigen möchte. Somit blieb nur noch das wilde Campen als Alternative.

 

Valemount Camp - Blue River

Nun führte die Radreise durch die Weiten Kanadas, dem Yellowhead South Highway entlang, begleitet vom zum mächtigen Fluss angewachsenen Thompson River.

Durch die andauernden Regenfälle wurde das Vorwärtskommen beträchtlich erschwert. Die Radtour durch die Rocky Mountains wurde teilweise zur Tortur. In Blue River stellte ich abends das Zelt auf auf dem empfehlenswerten www.bluerivercampground.ca. Danach setzte ich mich in eine Beiz und gaffte so lange die Abschlussfeier der Olympiade in Atlanta, bis sie mich durch drohende Blicke und halblaute Bemerkungen rausekelten.

Blue River - Clearwater

Und schon wieder Regen, auf auf dem Streckenabschnitt bis Clearwater regnete es grösstenteils. Besonders angenehm war dieser Teil der Fahrradtour also wirklich nicht, und um mehr Motivation für die Weiterfahrt zu erhalten, schaltete ich das Radio ein. Die Suche nach einem Radiosender erwies sich als endlose Geduldsprobe. Normalerweise gab es nur in einem bestimmten Umkreis einer Ortschaft einen einigermaßen rauschfreien Empfang. Doch statt Musik herrschen dann lokale Neuigkeiten vor, wie das so-und-so-viele Jubiläum der Dorffeuerwehr oder wie es kanadischen Auswanderern in Irland erging. Vielleicht noch ein Kochrezept verbunden mit den Resultaten eines Pferderennens und der dazu passenden Diskussion über Tierkrankheiten. So musste ich halt oft selbst musisch aktiv werden... zum Glück konnte mich niemand hören!

 
Rocky Mountains road

Lang, sehr lang können sich die Strassen um die Bergzüge winden.

 
  Clearwater - Kamloops

Der ominöse Kilometer 1'000

Am späteren Nachmittag fing der Körper an zu rebellieren. Alle möglichen Körperteile gaben Krampfgelüste und Schmerzsignale von sich und drohten in den Streik zu treten. Die Häufigkeit der Erholungspausen erhöhte sich und ich kam nur noch langsam voran. Die Stadt wollte und wollte nicht näher rücken. Alles Umrechnen von Meilen in Kilometer änderte nichts an der Tatsache und auch das halbe Duzend Bananen und Power-Riegel blieben praktisch wirkungslos. Endlich erreichte ich wenigstens die Agglomeration. Ich dachte ich könne den Rest noch durchhalten, als es wieder anfing im ganzen Körper zu rumoren. Erschöpft sackte ich zur Erde, schleppte mich zu einem Elektrizitätspfosten und lag wie benommen da. Auf dem Walkman wurde äusserst laut gerockt und trotzdem nickte ich ein. 

Die spätere Kalkulation ergab, dass ich genau bei Kilometer 1'000 diesen Erschöpfungskollaps hatte! Erst das Klicken bei Kassetten Ende holte mich wieder in die Realität zurück. Ich raffte mich auf und zwang mich zum letzten Mal auf den Sattel. Es war nicht mehr weit bis ins Zentrum und zum Glück fand ich das Hostel auf Anhieb. Eine wohltuende Dusche und ein selbst gekochtes Reis-o-Roni mit frischem Gemüse peppten mich wieder etwas auf. Der Schlaf würde den Rest besorgen!
 
 
Refreshing mountain lake

Ein Bad in einem kühlen Bergsee erfrischt Körper und Seele.

 
  Kamloops

Bei Reifenpanne im Gericht

"Schuldig!" zischte der Richter, rückte seine weiss gekrauste Perücke zurecht und liess seinen Blick über alle Anwesenden schweifen, bis er schlussendlich auf dem Angeklagten haften blieb. Der Hammer krachte mit solcher Wucht auf den Holztisch, dass der ganze Raum erschütterte. Das Urteil war besiegelt, der Rechtsspruch konnte nicht mehr widerlegt werden. Über wie viele Schicksale wurde hier schon entschieden?

Doch das war nur nebensächlich, mein jetziges Schicksal wollte nur ein dringliches morgendliches Geschäft erledigt haben. Noch schlaftrunken wandelte ich durch den grossen Gerichtssaal zur Toilette. Was für eine ausgefallene Idee, ein ehemaliges Gerichtsgebäude in eine Jugendherberge umzufunktionieren. Dort wo früher vielleicht die Geschworenen debattiert hatten oder die noch zu Verurteilenden auf die Verhandlung gewartet hatten, stehen heute Kajütenbetten und bieten Durchreisenden eine Bleibe. Alle Räume sind mit reich verziertem Holz eingekleidet und geben ein echt heimeliges Gefühl ab. Dementsprechend gut und lange habe ich geschlafen.

Mit einem Original Quaker Croquant Müsli mit Erdbeeren Joghurt und Milch erfüllte ich mir gleich den ersten Wunsch an meinem freien Tag. Trotz allem wollte ich mal nach dem Fahrrad unten im Keller sehen. Doch das sonst so treue Baby wartete mit einer Überraschung auf: Plattfuss! Na ja, besser heute als irgendwo im verregneten Niemandsland. Sofort machte ich mich an die Reparatur. Zudem inspirierte mich die nebena nstehende Waschmaschine, den Kleidern auch mal wieder ein erfrischendes und wohlriechendes Bad zu gönnen. Im Weiteren nutzte ich die Zeit zum Lesen, Schreiben und Relaxen. Sogar ein Kino gab's in Town, mit dem Film "Multiplicity", mit Billy Cristal in der Hauptrolle. Ansatzweise kam aber doch das schlechte Gewissen über das dolce far niente auf. Die Entscheidung die Pause auf diesen einten Tag zu beschränken war schon gefasst, schliesslich wartete die Radtour an die Pazifik Küste auf mich!
 
 
Rocky Mountains road

Der Verkehr hielt sich in sehr vernünftigem Masse und das Fahrradfahren in Kanada ist ein reines Vergnügen.

 

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Horseshoe Bay before Vancouver

Die Route 99 von Whistler traf bei der Horseshoe Bay auf den Ozean und es war nicht mehr weit nach Vancouver.

 
 

Whistler - Vancouver

Seit gestern Abend plagten mich Hustenanfälle, welche ich mir sicherlich auf der Passfahrt eingefangen hatte. Verschwitzt in dieser luftig kühlen Höhe, schlecht ausgerüstet mit einer als Secondhand-Geschenk erhaltenen, schon lange in die Jahre gekommenen, alles andere als dichten Windjacke; Baumwolle T-Shirts (Multifunktionsshirt wo warst du dazumals?), welche am liebsten möglichst lange feucht bleiben und mit einem Kleidersack, der statt mit einem angenehmen persiligen Duft frische Sachen anzubieten, mit einigen Tagen alten, übel riechenden Sachen auf den dringend nötigen Waschtag aufmerksam machten; kurzum, das so wichtige Kleidermanagement liess sehr zu wünschen übrig, was sich jetzt knallhart rächte.

Teils drangen die Anfälle bis tief in die Lunge vor, so dass ich oft pausieren musste bis das schlimmste vorüber war. Gepeinigt und schlecht gelaunt schleppte ich mich unablässig Halsbonbons lutschend bis zum bekannten Touristenort Whistler, das Mountainbike-Mekka in Kanada. Hier war insbesondere der Ausflug in den Mountainbike Park von Black Comb (www.whistler.com/activities/biking/bike-park) ein Highlight und ich war einmal mehr sehr froh ein umgebautes Mountainbike als Tourenrad dabei zu haben.

Was ich gestern an Höhe gewonnen hatte, kam mir jetzt mit einem stetigen, leichten Gefälle zugute. In Squamish, etwa auf halber Distanz nach Vancouver, wollte ich das Ende der Biketour noch etwas verzögern und checkte in ein neues Hostel ersparte mir das Zelten ein. Angeblich war ich einer der ersten Gäste des Etablissements und für den Tiefstpreis von 10 Dollars willigte ich ein, einige Werbekärtchen unter die Leute zu bringen. Vorerst aber machte ich es mir auf dem sonnigen Balkon mit dem Buch "Casino" bequem. Trauben schlemmend verbrachte ich mit der Belegschaft den Abend vor der Glotze, derweil der Video Player "The Mask" und "Star Wars" abspulte.

 
 

Squamish - Vancouver

Mission erfolgreich vollendet

Ein bisschen nervös war ich schon nun noch die letzten Kilometer auf dem Fahrrad bis nach Vancouver zurückzulegen. Bald würde der Grossstadt-Trubel vorherrschen und die weitläufige Natur Kanadas verdrängt. Jedoch freute ich mich auch auf neue Abenteuer. Ich war nun schon fast ein halbes Jahr in Nordamerika auf Reisen und wollte langsam aber sicher in einen neuen Kulturkreis eintreten... das Reiseziel Mexiko lockte unwiderstehlich!

 


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Letzte Aktualisierung: September 2016.