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Zugfahrt durch die Kupferschlucht / Barranca del Cobre

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Die Zugfahrt durch die Kupferschlucht wird als eine der attraktivsten Bahnstrecken der Welt bezeichnet. Von der Provinzhauptstadt Chihuahua fährt der Zug zuerst durch das Hochland der abgeschiedenen Sierra Tarahumara, dringt danach in die faszinierende Schluchten Landschaft des Kupfer Canyon ein und endet schlussendlich nach 650 km, 86 Tunnels und 37 Brücken an der pazifischen Küste. Die Bahnfahrt duch die Kupferschlucht gehört zu den Highlights im nördlichen Mexiko.


   

 

Eigentlich klar, dass ein Koffer für eine derartige Reise unangebracht ist. Also muss ein Rucksack her, der strapazierfähig ist, sich auf Wanderungen gut tragen lässt und in der Stadt auch passt. Da fallen mir sofort Kurierrucksäcke als Werbemittel ein. Die sind praktisch und stylish zugleich und mit einem individuellen Aufdruck hat man sein ganz persönliches Gepäckstück. Ob man für die eigene Firma, sich selbst oder ein anderes Unternehmen wirbt, das womöglich dafür sogar etwas bezahlt und damit die Reisekasse aufstockt, muss jeder selbst entscheiden. In jedem Fall ist so ein Kurierrucksack nicht nur für Backpacker ein idealer Begleiter.


 

Nogales: Grenze USA / Mexiko

 

 

Kupferschlucht / Barranca del Cobre
Kupferschlucht
/ Barranca del Cobre

 

 

Der Zollbeamte und seine Zollampel

Die grüne Lampe der Ampel blieb blass, die rote Lampe leuchtete grell auf, als wäre das die logische Konsequenz wenn man auf einen roten Knopf drückt. Der Zufallsgenerator hatte mich als Opfer auserkoren. Ein uniformierter, schnauzbärtiger Beamter winkte mich zu sich, mit einer eher mitleidigen als grimmigen Miene, wie ich mir das von einem Zöllner eigentlich vorgestellt hätte.

"Woher kommen Sie Señor?"
"Vom Norden."
"Wohin wollen Sie?"
"Nach Süden", antwortete ich altklug, einerseits weil es den Tatsachen entsprach, andererseits weil ich dazumal nicht viel besser Spanisch konnte. Nach meiner Reise durch Nordamerika wollte ich nun die Sehenswürdigkeiten in Mexiko entdecken.

Mein gegenüber blieb gelassen, hatte er sich doch täglich mit roten Ampeldrückern wie mir abzugeben und war nur schon froh einigermassen verstanden zu werden. "Rucksack auf!" beorderte er. Nicht wirklich interessiert wühlte er ein wenig in meinen Sachen rum, während ich bibbernd hoffte, er würde nicht finden, was er nicht finden sollte, obwohl es nichts zu finden gab. Mit einer kaum merklichen Kopfbewegung gab er mir zu verstehen ich könne nun passieren. Somit war ich dem Reiseziel Kupferschlucht schon einen Schritt näher.

Doch das wäre der grösste Fehler gewesen. Dank meinem erst gestern in auf der anderen Seite der Grenze erstatteten und auf der morgendlichen Anreise überflogenen schlauen Reiseführer, wusste ich von dem unscheinbaren, weissen Immigrations-Gebäude und der bürokratischen Notwendigkeit dessen Besuches. Hier schienen etliche Brüder des Gepäckwühlers angestellt zu sein, alle sahen sich ähnlich mit ihren zu gross geratenen olivenfarbenen Uniformen, dem runden Gesicht mit konformem Schnauzer und der möglichst tief runter gezogenen Kopfbedeckung. Ich fragte mich zum zuständigen Büro durch. Der Stempel besitzende Beamte stellte die gleichen beiden Fragen wie sein Kollege an der Ampel, verglich das Passfoto mit der vor ihm stehenden Person und anscheinend befriedigt besiegelte er den Grenzübertritt mit einem auf dem Kaktus sitzenden, Schlangen verzehrenden Adler Motiv in meinem Ausweis. "Bienvenido a Mexico!"

Hotel Freuden und Leiden

Mit etlichen "no gracias" bahnte ich mir einen Weg durch die äusserst aufdringlichen Taxifahrer und fliegenden Händler und mache mich auf die Suche nach einer Hotel-Unterkunft. Das 3-Stern Hotel San Carlos schreckte mich durch seine horrenden Preise ab. Gleich gegenüber wurde ich durch eine Gruppe von übel nach Alkohol stinkenden "Hotelmanagern" rausgeekelt. Dann scheiterte ich an einem nicht bedienten Empfang. Ein unübersehbares Schild wies auf das Hotel America hin, welches aber auch unübersehbar heruntergekommen aussah.

Vielleicht war eine Posada oder Pension eine bessere Alternative. Eine ältere Frau humpelte mit Hilfe eines Stockes die Treppe vor mir hoch. Nachdem sie sicher zehn verschiedene Schlüssel probiert hatte, präsentierte sie mir endlich ihr bestes Zimmer. Schien ganz okay. Plötzlich drängte sich die Grossmutter erstaunlich flink an mir vorbei und hechtete auf das Bett. "Ahhh, las cobijas! Die Decken!" brummelte sie vor sich hin und fing an die Falten des Deckenüberzugs zu straffen. Doch sogleich wurde mir die Absicht des Rettungssprunges klar: Etwa vier bis fünf daumengrosse Kakerlaken krabbelten fluchtartig unter das Kopfkissen. "Las cobijas", sagte ich stolz auf die Erweiterung meines Vokabulars, und wendete mich schon wieder der Tür zu. Geschäftstüchtig wie sie war, versuchte die gute Frau mir ihr Zimmer inklusive Zoo für den halben Preis anzudrehen. "Las cobijas", erwiderte ich kopfschüttelnd und schritt von dannen. Schlussendlich musste ich doch noch meine Kreditkarte im Hotel San Carlos zücken, aber es war jeden Peso wert.

 


 

Chihuahua

 

 

Kupferschlucht / Barranca del Cobre
Divisadero - Barranca del Cobre/ Kupfer Canyon

 

 

Bar oder Bahnhof?

7:00 Uhr abends. Ich tröpfelte Zitrone auf den Büchsenrand bis es rund ums Trinkloch floss, aber nicht rein fliessen konnte, streute das Salz eher auf den Tisch als in den Zitronensaft und hob das ganze vorsichtig über die Tischmitte, um mit Pedro anzustossen.

7:00 Uhr morgens! Sollte nicht mein Zug um diese Zeit abfahren?

7:05 Uhr abends. "Salud cabrón, auf die Zeremonie!", raunte mir mein Kollege Pedro zu. Dabei hob er zwei Finger in die Luft und krümmte sie ein wenig, um sie kleiner zu machen. Zwei Tequila Shots wurden auf den feuchten, salzigen Tisch gestellt. Ungekrümmte Finger hätten Bier herbeordert.

7:05 Uhr morgens. Irgendwie meinte ich von weitem das Pfeifen einer Lokomotive zu hören.

7:10 Uhr abends. Eine dickliche, wild frisierte oder nicht frisierte Antifrau streckte uns keck ihre schlecht rasierten Beine entgegen und strahlte uns mit einem fast zahnlosen Lächeln an. Pedro signalisierte abwehrend, dass mir ausser dem Getränketransport keinen weiteren Service beanspruchten.

7:10 Uhr morgens. Scheiss Zug! Haben hier nicht grundsätzlich alle und alles Verspätung? Sollte ich es noch versuchen?

7:15 Uhr abends. Eigentlich war es eine erbärmliche, trostlose Spelunke. Ein abbröckelnder, ursprünglich mal weiss gestrichener fensterloser Raum, wo es ausser der Theke, nicht einen einzigen nicht von einer Brauerei gesponserten Gegenstand gab. Von den Plastiktischen und Plastikstühlen über die Aschenbecher, zu den Spiegeln, Werbepostern, und sogar die Lampen zierten allzu bekannte Logos. Der ganze Abschaum der Stadt schien sich hier versammelt zu haben und amüsierte sich. Riesige Hüte, Cowboystiefel, Schnäuze und Mundgeruch dominierten. Ein dreckiger Witz nach dem andern wurde lautstark von sich gegeben, und zwar nicht nur für die Tischnachbarn, sondern gleich für das ganze Lokal. Die Witz Erzähler waren wie in einem Konkurrenzkampf mit den eher gesanglich veranlagten Gästen, welche die Texte der aus der Jukebox trällernden Schnulzen zwar einwandfrei beherrschten, aber die Melodien liessen stark zu wünschen übrig.

7:15 morgens. Der Versuch scheiterte, die Augen schlossen sich trotz aller Anstrengung und der Zug fuhr ohne mich ab. Der Kater einer mexikanischen Fiesta siegte, die gestern gekauften Tickets waren für die Katze.

Erst gegen Mittag schaffte ich es schlussendlich aufzustehen. Ich drehte vergebens an den Hahnen in der Dusche, wäre wahrscheinlich zuviel des guten gewesen für den tiefen Zimmerpreis. Als ich mir das Gesicht im Lavabo mit eiskaltem Wasser wusch, wurden dafür dank dem fehlenden Abflussrohr die Füsse auch gleich mit gewaschen. Ein schäbiger Rest Büchsen Thon auf einem harten Stück Brot ergab das Frühstück, passte aber bestens zum heruntergekommenen Hotel und meiner üblen Laune.

So besuchte ich halt meinen gestrigen Gastgeber und Leidensgenossen Pedro, der es auch nicht früher aus den Federn geschafft hatte. Er hätte zwar an diesem Morgen in einer öffentlichen Schule unterrichten sollen, aber da er letzten Monat sowieso noch keinen einzigen Peso ausbezahlt bekommen habe, spiele es auch keine Rolle, wenn er erst nachmittags starte. Dafür schaffte ich es mit seinen Beziehungen, und vieles geht in Mexiko nur mit Beziehungen, das Ticket auf den morgigen Tag umzuschreiben. Etwas Schmiergeld hilft fürs grosse Business in der Hauptstadt Mexiko City, wie auch für kleinere Gefallen hier in der Provinz. Reisebericht der Bahnreise durch den Kupfer Canyon

 


 

Kupferschlucht: Sierra Tarahumara

 

 

Creel - Sierra Tarahumara
Creel in der Sierra Tarahumara in der Kupferschlucht

 

 

Mit Chepe auf dem Weg in die Kupferschlucht

Am nächsten Morgen schaffte ich die Weiterreise. Sobald der Wecker anscheinend weit entfernt piepste, richtete ich mich sofort auf und erst dann versuchte ich die Augen aufzukriegen. Im Halbschlaf nahm ich mir ein Taxi zum Bahnhof, wo ich mir im Zuge auf der linken Fensterseite ein gutes Plätzchen ergattern konnte. Der Wagen füllte sich nach und nach mit weiteren Frühaufstehern und die Diesellok kündigte pfeifend (was gestern noch als Wecker diente) die Abfahrt an.

Ausflüge in Creel

Nach rund 8 Stunden Bahnfahrt erreichte der Chepe genannte Zug (offizielle Webseite) mein Reisziel Creel, unweit den ersten Ausläufern der Kupferschlucht. Hier wollte ich die in den Reiseführern viel gelobte Umgebung ansehen. Man kann das problemlos auf eigene Faust zu Fuss tun. Zudem kann man Mountain Bikes oder Pferde mieten. Nach meinen ersten Versuchen im Reiten bei meiner Reise durch Michoacan, wollte ich es nun hier in der Sierra Madre erneut wissen.

Hoch zu Pferd

"Links, links", schrie ich verzweifelt, während das Pferd natürlich demonstrativ nach rechts einschwenkte. "Vamonos, schneller" war gleichzusetzen mit einer Friss-die-Blumen-Pause. Das gut gemeinte Zurufen seines Namens "Payaso" bedeutete für diesen Rantanplan in Pferdegestalt, der Reiter möchte gerne von einem tief liegenden Ast abgestreift werden. Beim Anziehen der Zügel, was jeden Esel zum Stillstand gebracht hätte, galoppierte diese Fehlzucht wie wild davon, ohne auch nur einen Gedanken an meine arg leidende Männlichkeit zu verschwenden. Wollte ich jedoch meinerseits etwas rascher vorankommen, musste ich angeblich mit den Steigeisen leicht gegen seinen Unterleib schlagen. Er aber schien das als Massage zu interpretieren und genoss es lieber stehend. Immerhin war er sehr sozial veranlagt und schloss immer wieder zu meinen Kollegen, respektive deren Reittieren auf. Dabei scheute er auch nicht vor Abkürzungen durch Gartenbeete und auf dem Bahngeleise! Ohne Zweifel verdiente es seinen Namen "Clown"!

Weitere Aktivitäten und Highlights in der Barranca del Cobre findet man hier: www.visitmexico.com/de/okotourismus-in-barrancas-del-cobre-chihuahua

 


 

Kupferschlucht: Barranca Urique / Urique Schlucht

 

 

Barranca de Urique
Die Kirche von Bahuichivo in der Barranca de Urique

 

 

Weiter hinein in die Kupferschlucht

Nach zwei wunderbaren Tagen in Creel, setzte ich meine Reise durch die Kupferschlucht fort. Mein nächstes Ziel war der Bahnhof von Bahuichivo. Dort wechselte ich das Transportmittel und fuhr mit einem Bus in die Schlucht von Urique hinunter. Diesen Abstecher kann ich jedem nur empfehlen, die wahre Grösse des Kupfer Canyons kommt hier so richtig zum Tragen.

 

 

An die pazifische Küste

 

 

Strand - Mexikanischer Pazifik
Strand am pazifischen Ozean in Mexikos Westen

 

 

Von der Sierra Madre an die Pazifikküste

Wieder zurück an der Bahnlinie, am Bahnhof von Bahuichivo, nahm ich die Kupferschluchtbahn und fuhr weiter in Richtung mexikanischer Westküste, bis nach Los Mochis, im Bundesstaat Sinaloa. Hier traf ich auf weitere Backpacker, welche wie ich die Fähre nach Baja California nehmen wollten. Doch die bereits ausgebuchte Morgenfähre zeigte auf, wie wichtig diese Verbindung ist. Wir wurden angewiesen unsere Namen auf eine Warteliste zu setzen und am Abend nochmals unser Glück zu versuchen. Der Vorverkauf beginne erst gegen Nachmittag, verriet eine äusserst demotiviert dreinblickende und den deutlichen Augenringen an, schlafbedürftige Angestellte, durch die drei Sprechlöcher einer Plexiglasscheibe. Natürlich konnte sie die lange Zeitspanne eines ganzen Nachmittags nicht genauer bestimmen und bevor mir eine weitere Frage in den Sinn kam, waren die Vorhänge plötzlich gezogen.

Fähre oder Fischerboot

Wie schlägt man einen ganzen Tag in einem Hafen im Niemandsland tot? Ein dreistündiges Frühstück tat das seine, aber beim zu langen Pokern bestand die erhebliche Gefahr einer von uns würde sein ganzes Fährgeld verspielen. Unbemerkt hatte sich ein alter, gebrechlicher Mann als Zuschauer neben uns gesellt.

"Ich habe ein schnelles Boot, Amigos - mit Motor“, verkündetet er stolz.

"Ich kenne da eine traumhafte Insel, ein idealer Tagesausflug“, meinte der Kapitän in aufkommender geschäftstüchtiger Manier und brachte damit unsere ganze Truppe ins Strahlen. Sofort machten wir uns zum Aufbruch. So schifften wir uns anstelle des grossen Bootes, auf einem kleinen Fischerkahn ein und liessen uns vom Kapitän auf einer lang gestreckten, verlassenen Sandbank absetzen. Durch das Zurückbehalten seiner Gage, machten wir uns nie irgendwelche Sorgen, er würde uns nicht mehr zurückfahren.

González, Hernandez, Robles...

Gegen Abend begaben wir uns wieder zum Ankerplatz der Fähre. Das Ticketfenster war erneut von einem ganzen Schwarm Reisewilliger belagert, aber wir kamen gerade noch rechtzeitig. Zu meinem Erstaunen wurden wirklich die Namen auf der Warteliste fein säuberlich nacheinander verlesen. Zwischen all den González, Hernandez, Robles, Herrera, Gómez und Fernandez ertönte plötzlich mein exotischer Nachname und mit purer Ellbogengewalt bahnte ich mir einen Weg durch die nervös drängelnde Menge, um mir eine der heiss begehrten Fahrkarten zu ergattern.

Die Reise auf die Halbinsel Baja California konnte beginnen...

 


   

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aktualisisert: September 2016