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Reisebericht Peru
Anden - Amazonas Trekking - Amazonas Bootsfahrt


  Reisebericht einer Reise durch Peru: Von der Anden Landschaft bei Cajamarca durch das mächtige Tal des Rio Marañon, Ruinen von Kuelap, Amazonas Gebiet bei Yurimaguas, Urwald Trekking bei den Chayahuitas und schlussendlich eine Bootsfahrt auf dem Amazonas nach Iquitos.




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Reisebericht Peru
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Durch das Tal des Rio Maranon in den Anden
 

Celendin: Auf der Suche nach einer Busverbindung

Von Cajamarca aus erreichte ich nach einer mehrstündigen Fahrt Celendin. Sofort informierte ich mich im Dorfladen, welcher auch als Busterminal diente, nach Busen ins Amazonas Gebiet. Doch die nette Frau hinter den Zigaretten und Süssigkeiten versteckt, erklärte mir, dass der einte ihrer zwei Busse in Cajamarca in der Werkstatt sei, und der andere in vier Tagen zurück sei, für eine erneute Fahrt in den Dschungel runter.

Etwas konsterniert nahm ich mir mal ein Zimmer in einem Hotel. Mit meinen Gedanken war ich schon damit beschäftigt, was ich vier Tage lang in diesem Dörfchen tun könnte. So beiläufig erwähnte ich meine Situation dem Rezeptionisten. Zu meiner grossen Erleichterung meinte er, es gäbe noch ein anderes Transportunternehmen, welche einmal wöchentlich fahren würde. Tatsächlich fand ich die Señora, die Tickets für nächsten Sonntag verkaufte. Nun konnte ich die einzige Attraktion von Celendin so richtig geniessen: Die herrliche Bergwelt. Gut gelaunt umwanderte ich die Ortschaft in einem riesigen Bogen, freute mich aber schon auf die morgendliche Weiterfahrt.


Das Tal des Rio Marañon

Zwar nicht so pünktlich wie angekündigt, aber doch noch im Verlaufe des Morgens machte sich der kleine Bus mit dem viel versprechenden Namen "Empresa de Transportes Virgen del Carmen" auf den Weg gegen Osten. Die Fahrt war eine wahre Augenweide. Die Landschaft der Inbegriff schlechthin einer wilden Anden Welt. Zuerst ging es in unzähligen Kurven runter in das Tal des Rio Marañon, einer der wichtigsten Zuflüsse des Amazonas. Auf einer allzu baufällig aussehenden Brücke überquerten wir die braune Wassermasse des Marañon. Auf der anderen Talseite angelangt, galt es 3000 Höhenmeter hoch zu klettern. Auf etwa halber Strecke jedoch blieb der Bus im durch den Regen verursachten Schlamm hoffnungslos stecken. Während alle Passagiere raus beordert wurden, versuchten die drei Jungs der Busbelegschaft eifrig die Piste mit Pickel und Schaufel auszubessern. Mit Holzstücken und Steinen versuchten sie den Rädern Halt zu geben, um aus dem Schlamassel raus zu kommen. Nach einiger Anstrengung wurde der Bus wieder frei. Trotzdem wurden wir angewiesen zu Fuss weiterzugehen, während der Bus langsam die Bergstrasse hoch kämpfte. Erst als es anfing einzudunkeln und wir schon fast ganz oben waren, nahmen wir unsere Sitze wieder ein. Glücklicherweise erreichten wir bald mal eine Ansammlung von Häusern, wo wir alle entweder vom Laufen oder Schaufeln angeschlagen, gierig über das gebotene Abendessen herfielen.


Tingo, Tingo

Nach dem mächtigen Tal des Rio Marañon, verbesserte sich der Strassen Zustand merklich und wir kamen viel schneller voran. Gegen 11 Uhr abends weckten mich plötzlich "Tingo, Tingo" Rufe. Als einziger krammte ich meine Sachen zusammen und stieg aus. Nach dem Verschwinden der roten Rücklichter des Busses, blieb alles Dunkel. Ein Uniformierter zog an einem Strick eine Barriere runter, sicherte sie mit einem verrosteten Bügelschloss und wollte sich soeben zurückziehen. Ich schaffte es gerade noch ihn nach einer Unterkunftsmöglichkeit zu fragen. "Dort hinten links", meinte er und war endgültig verschwunden. Ich suchte meine Stirnlampe hervor und machte mich in Richtung "dort hinten links". Tatsächlich gab es dort hinten links noch ein einsames Häuschen und nach mehrmaligem Klopfen wurde mir geöffnet. Eine ältere, hagere Frau mit vorgehaltener Kerze lächelte mich an und wusste genau was ich wollte. Sie wies mir einen mit einem einzigen Bett ausgestatteten Raum zu, drückte mir die Kerze in die Hand und verschwand ebenso schnell, wie es bei den Bewohnern hier üblich zu sein schien.


Kuelap: Ruinen der Chachapoyas Kultur

Der Grund für meinen Zwischenstopp in Tingo war die Ruinenanlage Kuelap. Doch diese lag etwa 4 Stunden Fussmarsch in den Bergen oben. Der Weg war stark verschlammt und wie der Bus gestern, hatte ich heute zu Fuss meine liebe Mühe hoch zu kommen. Zudem fing es auf halber Strecke auch noch an zu regnen. Ich beschloss erneut bei einer Familie um Unterkunft zu bitten und die Besichtigung auf den morgigen Tag zu verschieben.

Der Sohn der Hausherrin höchstpersönlich führte mich am nächsten Tag schlussendlich noch den letzten Abschnitt zu den in dicken Nebel gehüllten Ruinen hoch. Kuelap wurde erst 1843 zufällig von einem Einheimischen (wieder)entdeckt und liegt mitten in ausgiebiger Vegetation mit sehr grossen Bäumen, bedeckt mit Orchideen und Bromelien. Die Anlage wurde von den Chachapoyas, was "Leute der Wolken" bedeutet, sehr geschickt erbaut. Auf der vorderen Seite dominiert eine riesige bis 20m hohe Steinmauer und gegen hinten kläfft ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund. Nur einen Schwachpunkt hatte die dazumal als uneinnehmbar geltende Festung, es gab keine Wasserversorgung. Das nutzten dann auch die Inkas zu ihren Gunsten, als sie nach einer langen Belagerung die Chachapoyas, als eines der letzten widerstehenden Königreiche, in ihrer letzten Zufluchtsstätte unterwarfen.

Gegen Mittag machte ich mich an den Abstieg, wobei es mehr ein Rutschen statt ein Gehen war. Bei Tingo im Tal unten wartete ich geduldig auf einen Kombi, der mich ins Städtchen Chachapoyas bringen sollte.


Freundliche Verhaftung

Chachapoyas ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Das heisst zwar nicht es würde viel Verkehr geben, ganz im Gegenteil, aber hier treffen sich drei Hauptverbindungswege. Zum einen natürlich die drei Tagesroute durch die Anden nach Cajamarca, die ich soeben hinter mich gebracht hatte, dann eine Strasse welche in 24 Stunden an die pazifische Küste nach Chiclayo führt und schlussendlich die Piste in den Amazonas hinein.

Da es keinen Busterminal hatte, stellte ich mich abends einfach mal an die Kreuzung. Plötzlich näherten sich fünf Polizisten. Sie deuteten mir an mitzugehen. Gleich um die Ecke diente ein schäbiges Haus als Polizeiposten. Hier wollten sie den Pass sehen und fingen an mich auszufragen. Doch als sie bemerkten, dass ich ihre Sprache ohne Probleme beherrschte, wurde aus dem ungemütlichen Verhör schnell mal ein angenehmes Gespräch. Ich erzählter ihnen von meiner Reise und sie erklärten mir die Problematik dieser Region wegen den vielen Drogen Anbaugebieten. Manchmal gebe es Überfälle auf vorbeifahrende Autobusse. Deshalb werden hier oft alle Busse abgefangen, um dann in einem Buskonvoi unter Polizeischutz durch die heikle Zone gebracht zu werden! Und wie steht es heute? Darauf wussten sie noch keine Antwort, mal sehen, meinten sie. Einer hielt mir noch so eine Art Gästebuch zum Registrieren hin. Damit wussten sie wenigstens wer allenfalls überfallen wurde. Meine Reiseeuphorie war merklich geschrumpft, als ich mich wie alte Freunde von den Polizisten verabschiedete und mich wieder am Strassenrand auf den Rucksack setzte.


Auf jeden Fall kein Überfall

Und trotzdem bestieg ich wenig später den genau vor mir skandalös hupend und Staub aufwirbelnd zu stehen gekommene Bus. Bevor ich überhaupt fragen konnte, wohin genau er fahren würde, wurde mir der Rucksack aus der Hand gerissen und unten verstaut. Ich wurde in den stickigen Bus gestossen und bekam zu hinterst den allerletzten Platz zugewiesen. Und bevor sich der Staub des Abbremsens überhaupt gelegt hatte, wirbelte schon der Staub der ebenso skandalösen Abfahrt.

Im scheidenden Tageslicht konnte ich noch Erkennen, wie wir die letzten Ausläufer der Anden hinter uns liessen, bevor mich das Rütteln in einen tiefen Schlaf wiegte. Es musste ungefähr gegen Mitternacht gewesen sein, als der Bus zu einem abrupten Stopp kam. Die Lichter gingen an und jemand befahl uns sofort auszusteigen. Mir fiel echt das Herz in die Hose. Jetzt hatte es uns also erwischt! Instinktiv schob ich den Geldgürtel noch tiefer in die Hose runter und hoffte er würde nicht entdeckt. Zitternd aber hellwach stieg ich aus. Mein Rucksack hatte anscheinend schon einen neuen Besitzer gefunden, ein junger Typ hatte ihn geschultert und verschwand aus meinem Blickwinkel. Alle Passagiere standen vor dem Bus im Scheinwerferlicht rum. Doch genau in diesem Augenblick heulte der Motor wieder auf, der Bus setzte zurück und verschwand in der Dunkelheit. Wir schienen auf einer kleinen Lichtung zu sein, umgeben von einer noch dunkleren Silhouette von Bäumen. Erst jetzt entdeckte ich noch einen anderen Bus neben uns. Wurden gleich zwei Busse überfallen? Doch dort stand auch der Junge mit meinem Rucksack und winkte mich zu sich. "Vamonos! Gehen wir!" rief er mir zu. "Dieser Bus fährt weiter nach Tarapoto!" Ay, ich hätte schreien können vor Erleichterung. Etwa die Hälfte der Leute stieg ein, auch wenig begeistert von diesem Schlaf- und Nervenraubenden Buswechsel. Und weiter ging's. Nun mit schön viel Platz und frischer Waldluft, nickte ich bald wieder ein, die paar Stunden bis zum Morgengrauen ausnutzend, während der Bus immer tiefer in den Amazonas eindrang.


In der Dschungel Stadt Yurimaguas

Trotz sehr holpriger Fahrt erreichte ich am nächsten Morgen Tarapoto, die grösste Stadt der Provinz San Martin, doch noch einigermassen ausgeruht. Der Aufenthalt hier reichte gerade mal für ein 5 Minuten Frühstück, bevor ich schon wieder in einem Bus sass. Die Strecke führte durch eine flache Urwald Landschaft und wurde mit der Zeit ziemlich einödig, Urwald, Urwald und noch mehr Urwald. Nur ab und zu sah man ein einsames Hüttchen und halbnackte Kinder näherten sich neugierig der Strasse, um den vorbeirasenden Bus zu beobachten.

Gegen Nachmittag war dann endgültig Endstation. Die Dschungel Stadt Yurimaguas ist der letzte mit dem Auto erreichbare Ort, von hier geht es nur noch auf dem Wasserweg weiter. Sobald der Bus zu einem Halt kam, umkreisten uns schon etliche Mototaxis. Hugo versprach mich schnell und sicher in ein gutes Hotel zu fahren... was für ein unwiderstehliches Angebot. Tatsächlich übertraf das Hostal "Luis Antonio" alle Erwartungen und ich würde hier einige Nächte mehr als ursprünglich angenommen verbringen.

 

Trekking / Fernwandern
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Urwald Blitz?
 

Warten aufs Unbekannte

Die nächsten paar Tage verbrachte ich also in Yurimaguas. Wie ein Ritual verbrachte ich den ganzen Morgen beim Frühstücken und Zeitung lesen (jeweils die Ausgabe des Vortages), am Nachmittag spazierte ich normalerweise ein wenig durch die Gegend und gegen Abend setzte ich mich auf die einte Plaza und trank bei der R.A.P Bar das eint oder andere Bierchen und unterhielt mich mit unterhaltungsfreudigen Einheimischen. Irgendwie schien es als ob ich auf irgendetwas wartete, aber selber noch nicht genau wusste auf was.

Eines Abends, als ich gerade im Schwimmbecken im Innenhof des Hotels auf Abkühlungsmission war, kamen einige neue Gäste an. Schlussendlich setzte ich mich zu ihnen und ein etwas festerer Typ mit einer schwarzen Beatles Pilzfrisur, fing an von seinen Abenteuern mit gigantischen Tieren, Guerilla Kämpfern und geheimen Höhlen, wo sich angeblich das berüchtigte El Dorado befinde, zu erzählen. Ich glaubte ihm nicht mal die Hälfte, aber trotzdem war er die geborene Märchentante und sah sich selbst so ein bisschen als peruanischen Idiana Jones. Er stellte sich als Luis vor und erwähnte auch, dass er morgen eine Gruppe Amerikaner in den Urwald führe und er lud mich spontan ein, an dieser Expedition teil zu nehmen. Darauf hatte ich also gewartet! Na klar wollte ich da mit!


1. Trekking Tag. Auf dem Rio Paranapura

Am nächsten Morgen früh herrschte geschäftiges Treiben im Innenhof des Hotels. Die amerikanischen Mitstreiter waren eingetroffen. Ich schüttelte mal allen schnell die Hand, sonst aber war jeder mit seinen letzten Reisevorbereitungen beschäftigt. So auf die anderen schielend bemerkte ich bald mal, wie gut ausgerüstet meine neuen Kollegen waren: Zelte, Moskitonetze, Macheten, spezielle Tarnhosen etc. Luis erklärte mir, die seien alle nur für diese Dschungel Tour nach Peru geflogen und ich solle mir keine Sorgen machen. Na ja, wird schon schief gehen.

Als schlussendlich alle bereit waren marschierten wir zum Fluss runter und beluden das Boot mit unseren Rucksäcken und dem Proviant den Luis und seine drei Neffen Jairo, Pepe und Jimmy besorgt hatten. Nun waren wir selbst an der Reihe und machten es uns zwischen all dem Gepäck so gut es ging bequem. Der Kapitän liess den Motor an und folgte ein Stückchen dem Rio Huallaga, bevor wir in einen Seitenfluss, den Paranapura, einbogen und gegen die Strömung hoch tuckerten. Die träg fliessende, braune Wassermasse machte dauernd grosse Bogen, nie ging es geradeaus. Am Ufer dominierte auf beiden Seiten dichter Dschungel, welcher nur selten von einer Lichtung mit Bauernhütte und Weide unterbrochen wurde. Der erste Matrose, Mishaya, hatte sich auf dem Bug nieder gelassen und warnte den Kapitän vor Sandbänken, Baumstämmen und entgegenkommenden Gefährten. Eigentliche Boote sah ich fast keine, vielmehr bedürftig zusammen gezimmerte Flosse, welche oft Bananen und Hühner, aber auch Kühe und Leute transportierten. Ganz gemütlich liessen sie sich stromabwärts treiben und nur hie und da wurde mit einer Holzstange die Richtung angepasst.

Bei einer grossen Sandbank beendeten wir schlussendlich die Tagesetappe. Die Amis machten sich sofort an den Aufbau ihrer Zelte, während ich mit den Neffen ein verlassenes Haus suchen ging, welches gemäss dem Kapitän hier in der Gegend sein sollte und den zeltlosen als Unterschlupf dienen konnte. Pepe sah es zuerst und rief uns freudig zu sich. Das auf Pfählen erstellte Gebäude war von stattlicher Grösse. Es hatte zwei Stockwerke. Im unteren Teil war eine mit Maiskolben gefüllte Vorratskammer, der obere Stock bestand aus einer Plattform aus Bambus Stangen.

Nachdem ich noch ein wenig weiter in den Urwald eingedrungen war und von einer kurzen Erkundungsrunde zurückkam, hatten die Peruaner schon ein Abendessen hergezaubert: Hühnchen mit Kartoffeln und Karotten. Kaum hatten wir uns aus der Pfanne geschöpft, fiel der erste Regen und erstickte das Lagerfeuer in einer zischenden Rauchwolke. So wurde halt die Maiskammer bei Kerzenschein als Ess- und Wohnzimmer missbraucht. Während es draussen in Strömen weiter regnete, gab Luis eine Abenteuer Geschichte nach der andere zum besten. Als mich aber die Müdigkeit überkam, zog ich mich auf die obere Plattform zurück, spannte mein kleines Moskitonetz zurecht und räkelte mich auf den Bambusstangen zum Schlafen.

 
Urwald Wasserfall
 

2. Trekking Tag. Im Chayahuita Dorf Balsapuerto

Mit dem ersten Tageslicht waren schon alle auf den Beinen und bald mal sassen wir wieder dicht zusammen gedrängt auf dem Bötchen. Je höher wir flussaufwärts tuckerten, desto weniger Wasser führte der Rio Paranapura. Somit passierte es nun immer öfter, dass wir auf eine Sandbank auffuhren und praktisch nie mehr die volle Kapazität des Motors ausnutzen konnten. Manchmal mussten wir alle ins Wasser springen, um das Boot durch eine besonders seichte Zone zu schieben oder wir verfolgten unser Boot dem Strand entlang spazierend.

Im Dörfchen Balsapuerto wurden wir vom Bürgermeister höchst persönlich empfangen. Er schien äusserst erfreut ab unserem Besuch und stellte uns sein Regierungsgebäude als Herberge zur Verfügung. Er führte uns durchs ganze Dorf, grösstenteils von Leuten der Chayahuitas bewohnt. Die Chayahuitas gehören mit etwa 14000 Personen zu einer der wichtigsten Volksgruppen in dieser Region und widmen sich hauptsächlich der Produktion von Mais, Bananen, Bohnen, Erdnüsse, Reis, Ananas und Tabak. In den letzten Jahren hat auch die Haltung von Tieren an Wichtigkeit gewonnen.

Stolz erklärte er uns, er wolle den Tourismus vermehrt fördern, um der Gemeinde eine neue Einnahmequelle zu bieten. Zudem plante er eine nahe gelegene Salzmine wieder auf Vordermann zu bringen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Mit einem frisch zubereiteten alkoholischen Getränk anstossen, forderte er uns auf, die Schönheit dieser Gegend bei anderen Reisenden zu preisen. Wie das halt so ist bei den Amis, verstand die ganze Gruppe kein Wort Spanisch und vielleicht ist es auch besser für die Region, wenn nicht zu viele Besucher hier eindringen.

 
Amazonas Affen Liebe
 

3. Trekking Tag. Zum Zwillingsfall

Mit dem Boot konnten wir nun definitiv nicht mehr weiter. Also schulterten wir unsere Rucksäcke. Freundlicherweise hatte uns das Ortsoberhaupt einige kräftige Jungs als Führer und Träger zur Verfügung gestellt. Es war echt faszinierend wie die barfuss los marschierten, über Steine, spitzige Dornen und geschickt den äusserst giftigen Paraponera Ameisen ausweichend. Der Stich der auch 24-Stunden Ameise genannten Insektes, wird als schmerzhaftester überhaupt bezeichnet, also ob man bei lebendigem Leib verbrennen würde! Es galt einige hüfttiefe Flüsse zu überqueren, wobei ich so das Gefühl hatte, es würde sich immer um den gleichen handeln. Nur einmal gelangten wir zu einem zu Fuss unpassierbarem Fluss, welcher nur noch in einem wackligen Einbaum gemeistert werden konnte. Immer zu zweit wurden wir von einem der Chayahuitas rüber gepaddelt.

Der Weg war anfänglich noch ziemlich ausgetrampelt und ausser dem tiefen, schlammigen Boden war das Vorwärtskommen kein allzu grosses Problem. Je weiter wir uns von Balsapuerto entfernten, desto überwachsener wurde der Pfad. Aber nur selten hörte man etwas weiter vorne Machetenschläge, um den Weg frei zu machen. Da wir nur noch in Einerkolonne gehen konnten, hielt sich die Kommunikation sehr in Grenzen und jeder konzentrierte sich auf seine Schritte und die von seinem Vordermann zurück schnellenden Stauden.

Schon nach kurzer Zeit war ich komplett durchnässt, von der Hüfte abwärts durch die vielen Flussquerungen und gegen oben durch die feuchte Pflanzenwelt und das starke Schwitzen. Die Hitze war drückend, obwohl die Sonnenstrahlen nur vereinzelt den Weg durch das dicke Blätterdach fanden.

Ich verlor jegliches Zeitgefühl und hatte keine Ahnung wie lange wir schon unterwegs waren. Jedenfalls kamen wir zu einer idealen Lagerstätte beim "Zwillingsfall", zwei etwa 5m hohe Wasserfälle, welche in eine kleine Lagune plätscherten. Sofort entledigten wir uns der Rucksäcke und Kleider und tauchten in das erfrischende Nass.

Ganz in der Nähe des Camps befand sich ein mächtiger Steinbrocken mit eingeritzten Hieroglyphen. Die Chayahuitas behaupteten, die Zeichnungen würden schon seit Hunderten von Jahren bestehen. Der bärtige Mike meinte, es wäre nur das Werk des Bürgermeisters von Balsapuerto, als zusätzliche Attraktion für sein Urwald Tourismus Projekt.

Zum Schlafen musste heute Abend ein mit Palmenblättern überdeckter, improvisierter Unterstand reichen. Ziemlich bald verzogen wir uns auch dorthin, hinter den Schutz der Moskitonetze, weil die lästigen Viecher bei einfallender Dunkelheit zu einer unaushaltbaren Plage wurden und die Palmenblätter den einsetzenden Regen wenigstens einigermassen abhielten.

 
Amazonas Jungle Camp
 

4. Trekking Tag. Masato Trinkerlebnis an einem verregneten Tag

Ein Teller Milchreis und das Trekking konnte weitergehen. Zuerst durch dichten Urwald, dann dem Ufer eines grösseren Flusses entlang. Heute passierten wir auch das Haus der Familie eines Trägers. Schon von weitem rief er seiner Frau etwas zu, damit sie uns mit einer Schüssel Masato empfangen konnte. Masato ist ein sehr nutritives, dickflüssiges Getränk aus fermentierter Yuca, mit einem äusserst bitteren Geschmack. Doch mit etwas Zucker schmeckte es ausgezeichnet. Was wir anfänglich nicht wussten, war der Nebeneffekt. So liessen wir die Schüssel fröhlich zirkulieren und labten immer wieder an diesem Zaubertrank. Und noch eine Runde, und noch eine Runde. Erst als wir uns von der Señora dankend verabschiedeten und zum Weitermarsch ansetzten, merkten wir die leicht alkoholische Substanz des Getränks und amüsierten uns ab der plötzlichen unsicheren, leicht torkelnden Gehensweise, welche wir nun inne hatten. Anfänglich war das Vorwärtskommen gar nicht so einfach, auf der anderen Seite wurde der Masato bald wieder heraus geschwitzt.

Plötzlich schüttete es los was das Zeug hielt. Es schien als wäre ich erneut unter der Wasserfall Dusche des Zwillingsfalls. Nur gut hatte ich all meine Habe in Plastiksäcke abgepackt und so konnte eigentlich nicht viel passieren. Trotzdem beschleunigten wir unser Marschtempo und beschlossen einstimmig ein sich in der Nähe befindendes Dorf anzusteuern. Natürlich hatte einer unserer Begleiter irgendwelche Familienangehörige hier und somit fanden wir schnell Unterschlupf. Lustigerweise wurde uns gleich wieder Masato offeriert, warum auch nicht?

Der Regen tobte immer noch unvermindert weiter, konnte aber das Knurren des Magens nicht übertönen. Die Gastgeber boten ein im Vorhof rumstolzierende Henne vor. Alles klar, wir tauschten Brot und Schokolade gegen das Hühnchen und Jairo hatte in einer peruanischen Art von "Scheren, Stein, Papier" die Ehre gewonnen, dem Tier den Hals umzudrehen und die anderen mussten die undankbare Aufgabe des Rupfens auf sich nehmen. Guten Appetit!

Der Regen wollte und wollte nicht nachlassen. Teils deswegen und teils weil unsere Führer lieber mit den Verwandten und Bekannten Masato tranken, als mit uns irgendwo im Regen zu campieren, beschlossen wir die Nacht hier zu verbringen. Der Häuptling anerbot uns das Schulgebäude als Schlafstätte. Unter scharfer Beobachtung des halben Dorfes fingen wir an uns einzurichten. Immer zwei Tische zusammen geschoben ergaben eine Liegestätte, was sicher angenehmer als der steinige und nasse Boden war. Ironischerweise hörte der Regen genau jetzt auf und sofort drückte die Abendsonne zwischen den rasch abziehenden Wolken durch.

Als wir alle so gemütlich vor der Schule sassen und uns und unseren Kleidern eine Trocknungs-Chance gaben, kam plötzlich das Dorfoberhaupt wieder vorbei. Er forderte uns im Namen des Dorfes zu einem Fussball Spiel auf! Zuerst dachte ich es sei ein Scherz, zudem war die Lichtung gerade mal gross genug für ein Duzend Hütten, die Schule und eine kleine Weide. Weide? Na klar, einige Chayahuitas waren schon daran eine Handvoll Rinder und einige Hühner weg zu scheuchen. Darauf wurden auf beiden Seiten je zwei Pfosten als Tore eingeschlagen und nur die zahlreichen Exkrementenfladen waren noch stinkende Zeugen des anderen Verwendungszweckes dieses Stückchens Multifunktionsrasens. Also nichts mit Ausruhen und Trocknen, nässer konnte ja nichts mehr werden. Also stieg ich wieder in die platschenden Wanderschuhe und nahm mit den drei fussballbegeisterten Neffen und den Gringos J.J. und John die Herausforderung an. Die gegnerische Mannschaft wollte noch unbedingt um Geld wetten. Aber zum Glück konnten wir ihnen das ausreden. Wer weiss, ob wir bei einem allfälligen Sieg immer noch ihre Gastfreundschaft und die Privilegien der Schule gehabt hätten. Aber soweit kam es gar nicht, da es nach der ersten Hälfte des Spiels Unentschieden stand und die Dunkelheit eine zweite Halbzeit verhinderte. Zufrieden übernahm die Tierwelt den Rasen wieder, während ich an der einzigen Dorfquelle den Dreck und die Kuhsünden wegwusch.

Obwohl wir heute nicht unbedingt eine grosse Distanz zurückgelegt hatten, hatte mich der Marsch im Regen und das Fussball Spiel ziemlich geschaffen. Ein Himmelbett im Hilton oder zwei Holztische in der Dschungel Schule kamen genau aufs Gleiche!

 
Cahuita Kinder bei ihrer Schule
 

5. Trekking Tag. Urwald Olympiade

Die Bewohner des Gastgeber Dorfes schlugen vor, uns zu einem für sie magischen Wasserfall zu führen. Doch es stellte sich heraus, dass meine amerikanischen Kollegen keine grosse Lust auf dieses Abenteuer hatten. Sie bevorzugten auf direktem Weg zu unserem Boot am Paranapura zu gelangen. Nur Mishaya, der Matrosen Junge, blieb mir ein treuer Begleiter. Also zogen wir zusammen mit einem älteren Chayahuita los. Dies sollte der härteste und abenteuerlichste Tag der Tour werden. Nicht mal einen richtigen Pfad gab es mehr, meist ging es querfeldein. Die Strecke konnte wie in verschiedene Disziplinen aufgeteilt werden und ich stellte mir so was wie eine Urwald Olympiade vor. Die erste Disziplin war ein Kanu über einen Fluss paddeln, dann galt es auf der anderen Seite einen fast vertikalen Hügel zu erklettern. Bei der nächsten Disziplin galt es auf glitschigen Steinen vorwärts zu balancieren. Die folgende Fluss Überquerung stellte eine spezielle Herausforderung dar. Mit der einten Hand mussten wir die Rucksacke auf dem Kopf stützen, mit der anderen Hand hielten wir uns fest um mehr Stabilität zu erhalten und nicht von der starken Strömung weggeschwemmt zu werden. Die schlimmste Etappe war ein fieser Dornengestrüpp Wald, welcher einem auch bei grösster Sorgfalt blutige Wunden riss. Und schlussendlich die letzte Disziplin, am Ziel der Expedition, durch eine Lagune bis zum Wasserfall zu schwimmen. Bei dieser Olympiade konnte ich gleich zwei Goldmedaillen vergeben, erstens für den Chayahuita Führer und zweitens für Mishaya. Das war wirklich eine Augenweide zu beobachten, wie die beiden barfuss all die Disziplinen scheinbar spielend bewältigten, während ich hinten dran doch einige male den Boden geküsst hatte und einige blutige Schrammen abbekam.

Der Ort beim Wasserfall selbst war sehr hübsch und friedlich. Eine wild sprühende, weisse Wassermasse zischte zwischen dem grünen Dickicht heraus und fiel runter, in eine glasklare Lagune, wo das Wasser langsam weiter floss und sich wiederum in einen Bach verwandelte. Bin mir sicher das Wasser wird sich traurig an diesen einten Sprung über diese Felswand und seine Durchsichtigkeit erinnern, wenn es mal einen minimalen Bruchteil der braunen, trägen, verschmutzten Wassermenge des Amazonas sein wird.

Die Route zurück nach Balsapuerto, an den Paranapura Fluss, war sehr Kräfte raubend und zog sich unheimlich in die Länge. Zudem hatten wir den ganzen Tag nichts gegessen, ausser einigen feuchten Keksen und einem Schluck Energie Drink aus der Flasche des alten Chayahuitas. Umso grössere Erleichterung fühlte ich, als wir endlich Balsapuerto erreichten. Ich wusste gar nicht ob der Hunger oder die Müdigkeit stärker war...

 
Peru Urwald Trekking
 

6. Trekking Tag. Rückfahrt auf dem Rio Paranapura

Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, war es die Müdigkeit. Wie mir erzählt wurde, sei ich gestern Abend völlig erschöpft samt Kleider und Schuhen eingeschlafen! Dafür langte ich nun kräftig beim Frühstücken zu und genoss frisch gebackenes Brot, Eier und heisse Schokolade. Bald waren wir bereit mit dem Boot die Rückfahrt in Angriff zu nehmen. Aber es stellte sich heraus, der zurückgebliebene Kapitän hatte seine Zeit nicht sinnvoll genutzt und fing genau jetzt mit Unterhaltsarbeiten an. Somit mussten wir noch eine gute Weile geduldig warten. Schlussendlich heulte der Motor doch noch auf und die Fahrt auf dem durch die heftigen Regenfälle der letzten Tage stark angestiegenen Paranapura ging mit vollen Pferdestärken los. Wozu wir flussaufwärts vor einer Woche noch zwei Tagen brauchten, meisterten wir jetzt in einem, wenn auch sehr langen Tag.

In Yurimaguas verabschiedete ich mich von meinen Reisegefährten, welche noch heute Abend per Bus aus dem Amazonas wollten. Ich richtete mich erneut im gleichen Hotel im gleichen Zimmer ein und genoss endlich wieder mal eine richtige Dusche. Abends musste ich halt alleine die all meine Erwartungen übertreffende Expedition feiern... in meiner geliebten R.A.P. Bar.

 

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Amazonas Boot Pachacamilla
 

Vorbereitung auf die Bootsfahrt in Yurimaguas

Von Yurimaguas aus wollte ich nun mit einem Cargo Schiff in die grösste Stadt des peruanischen Amazonas gelangen: Iquitos. Eine eigentliche Abfahrtszeit oder Hafen gab es nicht Vielmehr ankerten die Boote einfach am Ufer und sobald sich eines mit genügend profitablen Handelswaren und Passagieren gefüllt hat, fährt es los. Angeblich könnte es heute Abend so weit sein und ein Boot würde auslaufen.

Somit hatte ich den ganzen Tag Zeit, die bevorstehende Reise vorzubereiten. Zuerst wollt ich meinen arg mitgenommenen Kleidern wieder ihre ursprüngliche Farbe und einen waschmittelkonformen Duft schenken. Da ich von der Bootsküche keine allzu grosse Erwartungen hatte, deckte ich mich auch mit genügend Notfall Rationen von Keksen und Wasserflaschen ein. Im gleichen Tante-Emma-Laden erstattete ich eine neue Tube Mückenmittel und eine Kassette mit Rockmusik und das allerwichtigste, eine Hängematte. In der einzigen Bank in Yurimaguas wurde mir anfänglich verweigert ein Reisecheck gegen “Soles” einzutauschen. Erst als die Frau des Hotelbesitzers intervenierte, konnte die Transaktion getätigt werden. Nun war ich bereit!

Am Abend liess ich mich durch ein Mototaxi zur Anlegestelle bringen. Tatsächlich schaukelte da ein Boot, die Pachacamilla, halb auf dem Wasser, halb auf dem Ufer. Auf einem Holzbalken rüber balancierend verschaffte ich mir Zugang. Von der Belegschaft war niemand auszumachen. Einige Reisewillige hatten ihre Hängematten auf dem oberen Deck angeknüpft und schauten mich gelangweilt an. Das Boot sei eigentlich für gestern geplant gewesen, meinte der Redefreundlichste, aber bis am nächsten Morgen werde es bestimmt nicht klappen. Da es auch überhaupt nicht danach aussah, beschloss ich lieber noch eine Nacht im Hotelbett zu verbringen.


Der erste Tag auf der Pachacamilla

Am Sonntag Morgen früh stand ich wieder vor der Pachacamilla. Immerhin standen jetzt einige Kisten voller Gemüse da und dem “Muhen” an, wurden gestern noch einige Rinder verladen. Einige rum stehende, rauchende Typen wiesen mich an einzusteigen und bestätigten, es würde um 10 Uhr losgehen. Auf dem Deck schaukelten deutlich mehr Leute in ihren Hängematten. Ich setzte mich an den einzigen Tisch und las die gestrige Zeitung. Immer wieder schaute ich auf, in der Hoffnung unbemerkt abgelegt zu haben. Doch es tat sich nichts.

12 Uhr. Einige Señores liessen sich neben mir nieder und zusammen versuchten wir das Kreuzworträtsel zu lösen und die neue Abfahrtszeit einzuschätzen.

14 Uhr. Der Hunger trieb mich wieder an Land. Gleich nebenan, in einem düsteren Raum wurde Reis mit einer Fleischbrühe offeriert. Und siehe da, hier schien sich auch die Pachacamilla Crew zu vergnügen, bei Reis mit Fleischbrühe und Bier!

Um 17 Uhr sei die Abfahrt, ganz bestimmt, meinten sie. Bestimmt nicht, meinte ich und sollte Recht behalten. Immerhin wurde es am Nachmittag etwas geschäftiger. Mehr und mehr Güter wurden im unteren Deck verlanden und auch das Passagierdeck füllte sich langsam.

19 Uhr. Ein neues Gerücht ging bei den Passagieren um: Ohne Cargo Inspektion könne das Boot nicht abfahren, und da heute Sonntag sei, würde das erst am Montag geschehen. Aber da trotzdem alle stur an Bord blieben, beschloss auch ich endlich meine Hängematte aufzuhängen und hier zu schlafen. Man konnte ja nie wissen.

20 Uhr. Vielleicht weil ein neues Abfahrtsgerücht umging, strömten jetzt immer mehr Leute auf das Boot und mehr und mehr Hängematten zwängten sich dazwischen. Und als ich dachte jetzt ging wirklich nichts mehr, erhielt ich gleich noch zwei neue Nachbarn, welche nun so nahe waren, so dass ich nun fast nicht mehr schaukeln konnte ohne anzustossen. Sogar die undankbaren Plätze bei den schon vor Abfahrt fürchterlich stinkenden Toiletten vorne wurden ausgenutzt.

21 Uhr. Der Motor heulte auf. Endlich. Die Stricke wurden eingenommen, der Balken aufs Ufer geworfen und das Boot bewegte sich gegen die Flussmitte. Innert weniger Minuten verschwanden die letzten Lichter von Yurimaguas und die Pachacamilla tuckerte dem Nichts der Dunkelheit entgegen!

 
Amazonas Boot Hängematten Deck
 

Der zweite Tag auf dem Rio Marañon

Früh wachte ich am nächsten Morgen auf, erstens weil alle schon auf waren, zweitens weil es sehr kalt war. Ja genau, im Dschungel kann's so richtig kalt sein und deswegen habe ich auch nicht sonderlich gut geschlafen. Ich hatte mich unendliche male gedreht und zudem Angst um meine Sachen. Mit einer geheimen Schnur hatte ich den Rucksack an meine Hose gebunden und tastete bei jedem Aufwachen danach.

Schlotternd vor Kälte stand ich jetzt auf und stellte mich an das Geländer wo die ersten Sonnenstrahlen auftauchten. Genau dort waren auch die 3 einzigen Kabinen für die 1. Klasse Passagiere, welche sich während der ganzen Reise als äusserst gesprächig herausstellten und des öfters kam es zu interessanten Unterhaltungen.

Plötzlich hörte ich den dumpfen Ton, wie jemand mit einem Löffel auf eine Pfanne schlagen würde. "Desayuno! Frühstück!" tönte es aus etlichen Kehlen und einige rannten sofort mit einer Schüssel und Löffel zur Küche runter. Schüssel und Löffel? Daran hatte ich jetzt wirklich nicht gedacht. Die Frau des Gemüsehändlers schien meine Gedanken und Unschlüssigkeit erraten zu haben. Sie streckte mir die beiden Wunschobjekte aus der Kabine und meinte sie frühstücke eigentlich nie. Somit stellte ich mich auch mal in die Schlange bei der Treppe. Als ich an der Reihe war, platsche mir die dickliche Köchin mit einem grossen Schöpflöffel einen weissen Brei in die Schüssel und verabschiedete mich mit einem freundlichen "Provecho!" Der weisse Brei stellte sich als Milchreis heraus und war sogar sehr fein.

Wieder in meiner Hängematte wiegend ging ich der Hauptbeschäftigung der meisten Passagiere nach, das vorbeiziehende Ufer zu beobachten. Da sich das Boot immer mitten im Fluss hielt und der Rio Marañon schon eine stattliche Grösse hatte, war das Ufer nur als grüner Strich zu erkennen, mit Wald, Wald und noch mehr Wald. Die einten Bäume etwas höher, andere etwas kleiner. Details waren nicht auszumachen. Trotzdem gab es nichts Schöneres als zu gaffen und den philosophischen Gedanken über das Leben freien Lauf zu lassen.

Andere lustige Aktivitäten waren das Abschätzen ob der Fluss wirklich grösser und breiter wurde, zählen wie oft die Hängematte hin und her schwenken konnte bei einem grösseren Wellengang, die Zeit des Gongs für die nächste Mahlzeit erraten, beobachten wer wie lange auf der Toilette ausharrte, praktisch non stop die gleiche Rock Kassette hören, "La ciudad y los perros" von Mario Vargas Llosa lesen, erraten wie viele Hühner täglich an Sonnenstich erlagen und ins Wasser geworfen wurden und viele mehr...

Erst gegen Abend bemerkte ich, dass ich eigentlich jemand kannte, einen alten Bekannten der R.A.P. Bar von Yurimaguas, Richard. Er wollte Verwandte besuchen, meinte er und zog gleichzeitig eine kleine Flasche Feuerwasser aus der Hosentasche. Sofort bemerket ich was mir auch noch fehlte: Ein Trinkbecher. Somit labten wir halt abwechselnd an der Flasche, während wir gemütlich in die Nacht hinein plauderten, über das Leben und sterben am Amazonas.

Gegen Mitternacht legte das Boot am linken Ufer an. Einige Glühbirnen warfen ein schwaches Licht auf einige Personen die auf das Boot gewartet zu haben schienen. Einige winkten Richard freudig zu, andere machten sich daran an Bord zu kommen. Ich verabschiedete mich von ihm und zog mich in die Hängematte zurück, für eine hoffentlich ruhigere Nacht!

 
Amazonas Sonnenuntergang
 

Der dritte Tag auf dem Amazonas

Heute hatte ich viel besser geschlafen und nur das Knurren des Magens liessen mich aufstehen. Vielleicht hat man den Magen sogar bis in die Küche gehört, denn genau jetzt ertönte der heiss geliebte Gong zum Essen fassen. Erwartungsvoll starrte ich zur Kabinentür des Gemüsehändlers, aber heute blieb sie verschlossen. Ich stellte mich trotzdem mal in die Warteschlange, als mir die rettende Idee kam: Ich schnitt eine Wasserflasche quer durch und benutzte den unteren Teil als Gefäss. Jetzt nur noch ein freundliches Zuzwinkern für die Köchin und sie lieh mir einen Löffel, unter der ebenso freundlichen Drohung, sie würde mich über Bord werfen lassen, wenn ich ihn nicht gewaschen zurückbringen würde.

Über Nacht hatte sich der Rio Marañon mit dem Rio Ucayali vereinigt und von nun an hiess der Fluss offiziell Amazonas. Unglaublich was für eine riesige Wassermenge uns jetzt umgab, die Pachacamilla schien nur noch eine winzige Nussschale. Oft teilte sich der Fluss in verschiedene Arme auf, um dann irgendwann wieder zusammen zu fliessen.

In der Hängematte schaukelnd ging ich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung nach, der Beobachtung der Wasseroberfläche und des nun noch weiter entfernten Ufers. So tuckerten wir friedlich in grosszügigen Bogen durch die unendliche Weite des Amazonas Regenwaldes. Hie und da legten wir am Ufer an und Waren wurden umgeladen und Passagiere stiegen aus oder zu.

Das Gackern und skandalöse umher rennen der auf dem Dach mitreisenden Hühnern wurde immer weniger, lebten wir doch schon seit 3 Tagen ausschliesslich von Hähnchenfleisch. Was mich etwas beunruhigte, war die Tatsache, dass die Küche genau unter der Toilette lag. Das all die menschlichen Geschäfte direkt in den Fluss platschten war ja anzunehmen, aber warum musste die Köchin mit einem an einer Schnur angebundenen Eimer genau dort Wasser schöpfen? Wie durch ein Wunder wurde ich jedoch von einer Magenerkrankung verschont.

Das Mückenstich Problem mit dessen gefürchteten Folgen hielt sich glücklicherweise in Grenzen, weil sich das Boot meist in der Flussmitte aufhielt, auch nachts unterwegs war und somit immer Fahrtwind herrschte. Die Tierwelt schien fast nach dem Motto, alles oder nichts, zu verhalten. Keine Mücken aber auch keine andere exotischen Sichtigungen der exotischen Fauna. Nur wenn von der Köchin Essensreste ins Wasser geworfen wurden, erspähte man für kurze Zeit die gierigen Piranhas auftauchen.

Am späteren Nachmittag wurden alle bisher nur träge rumhängenden Passagiere plötzlich aktiv. Wir seien bald in Iquitos, meinte mein Nachbar und rollte schon seine Hängematte zusammen. Vorerst war aber immer noch nur Wasser und Wald auszumachen. Zudem fing es an leicht zu regnen.

Plötzlich tauchten an der Steuerbordseite zwei kleinere Motorboote auf. Es schien als ob sie uns aufgelauert hätten. Schnell näherten sie sich und ein wenig Vertrauen erregender Typ stand schon zuvorderst, bereit zum Kentern. Flusspiraten? Geschickt kletterte er an der Aussenseite hoch und schwenkte sich übers Geländer auf das Passagierdeck. Sofort folgten ihm andere Kollegen. Ein Überfall? Erst jetzt bemerkte ich auf der anderen Seite die gleiche Situation. Dort hatten sich 3 Boote herangemacht und allesamt junge Burschen kletterten auf die Pachacamilla. Immer mehr Leute drängten sich auf dem so schon überfüllten Deck. Das heimelnde Hängematten Dasein war völlig zerstört. Schnell war alles nass und alle schubsten, fluchten und drängten irgendwohin. Immerhin überhörte ich die Absicht unserer Eroberer, vielmehr als Meuterer waren sie Händler aus Iquitos, welche schon hier die eintreffenden Waren inspizierten und abkauften. Andere wiederum waren Träger und offerierten ihre Dienste. Also konnten wir wirklich nicht sehr weite von Iquitos sein.

Das Chaos dauerte aber noch über eine Stunde, bis wir mit der in der Zwischenzeit auf sicher ein Duzend Begleitboote angewachsene Flotte im Hafen einfuhren. Eine Planke wurde hergezogen und sofort strömten noch mehr Leute an Bord. Panik oder Platzangst sind zwar etwas weit hergeholt, trotzdem war ich noch nie ein Freund von Menschenmengen. Ich gebrauchte nun auch kräftig meine Ellbogen und mogelte mich so schnell es eben ging zur rettenden Vorderseite. Mit dem Gedränge auf der glitschigen Planke, wäre ich noch um ein Haar baden gegangen! Endlich geschafft! Ich stieg auf eines der vielen auf uns wartenden Mototaxis und liess mich in das erst beste Hotel von Iquitos bringen.


Iquitos

Iquitos war dank dem Kautschukboom zu einer der grössten Dschungelstädte des Amazonas herangewachsen und liegt nur etwa eine Stunde Bootsfahrt von der brasilianischen Grenze entfernt. Die Stadt ist nur auf dem Wasser- oder Luftweg zu erreichen. Lustigerweise hat auch Gustave Eiffel, der bekannte Erbauer eines bestimmten Turmes in Paris, hier seine Spuren hinterlassen. Ein für die Weltausstellung in Paris nur aus Eisen erbautes Haus wurde von einem Kautschukmillionär aufgekauft und liess es in Einzelteile zerlegt mitten in den Urwald transportieren. Heute steht die "Casa de Hierro" auf dem zentralen Platz und beherbergt eine Bar.

Wie schon in Yurimaguas fühlte ich mich von der Stadt völlig in den Bann gezogen und verbrachte eine ganze Woche hier. Tagsüber unternahm ich verschiedene Ausflüge in den Dschungel, abends zog es mich mit neu gewonnen Gefährten in die lebhaften Bars an der Fluss Promenade.

Immerhin gab es auch etwas zu feiern, seit genau 5 Jahren war ich nun schon auf dem amerikanischen Kontinenten unterwegs.

Nach Iquitos setzte ich meine Reise an der Pazifik Küste von Peru fort > Reisefotografie Peru

 
Amazonas Urwald bei Iquitos

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