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Celendin: Auf der Suche nach einer Busverbindung
Von Cajamarca aus erreichte ich nach einer mehrstündigen Fahrt Celendin. Sofort informierte ich mich im Dorfladen, welcher auch als Busterminal diente, nach Busen ins Amazonas Gebiet. Doch die nette Frau hinter den Zigaretten und Süssigkeiten versteckt, erklärte mir, dass der einte ihrer zwei Busse in Cajamarca in der Werkstatt sei, und der andere in vier Tagen zurück sei, für eine erneute Fahrt in den Dschungel runter.
Etwas konsterniert nahm ich mir mal ein Zimmer in einem Hotel. Mit meinen Gedanken war ich schon damit beschäftigt, was ich vier Tage lang in diesem Dörfchen tun könnte. So beiläufig erwähnte ich meine Situation dem Rezeptionisten. Zu meiner grossen Erleichterung meinte er, es gäbe noch ein anderes Transportunternehmen, welche einmal wöchentlich fahren würde. Tatsächlich fand ich die Señora, die Tickets für nächsten Sonntag verkaufte. Nun konnte ich die einzige Attraktion von Celendin so richtig geniessen: Die herrliche Bergwelt. Gut gelaunt umwanderte ich die Ortschaft in einem riesigen Bogen, freute mich aber schon auf die morgendliche Weiterfahrt.
Das Tal des Rio Marañon
Zwar nicht so pünktlich wie angekündigt, aber doch noch im Verlaufe des Morgens machte sich der kleine Bus mit dem viel versprechenden Namen "Empresa de Transportes Virgen del Carmen" auf den Weg gegen Osten. Die Fahrt war eine wahre Augenweide. Die Landschaft der Inbegriff schlechthin einer wilden Anden Welt. Zuerst ging es in unzähligen Kurven runter in das Tal des Rio Marañon, einer der wichtigsten Zuflüsse des Amazonas. Auf einer allzu baufällig aussehenden Brücke überquerten wir die braune Wassermasse des Marañon. Auf der anderen Talseite angelangt, galt es 3000 Höhenmeter hoch zu klettern. Auf etwa halber Strecke jedoch blieb der Bus im durch den Regen verursachten Schlamm hoffnungslos stecken. Während alle Passagiere raus beordert wurden, versuchten die drei Jungs der Busbelegschaft eifrig die Piste mit Pickel und Schaufel auszubessern. Mit Holzstücken und Steinen versuchten sie den Rädern Halt zu geben, um aus dem Schlamassel raus zu kommen. Nach einiger Anstrengung wurde der Bus wieder frei. Trotzdem wurden wir angewiesen zu Fuss weiterzugehen, während der Bus langsam die Bergstrasse hoch kämpfte. Erst als es anfing einzudunkeln und wir schon fast ganz oben waren, nahmen wir unsere Sitze wieder ein. Glücklicherweise erreichten wir bald mal eine Ansammlung von Häusern, wo wir alle entweder vom Laufen oder Schaufeln angeschlagen, gierig über das gebotene Abendessen herfielen.
Tingo, Tingo
Nach dem mächtigen Tal des Rio Marañon, verbesserte sich der Strassen Zustand merklich und wir kamen viel schneller voran. Gegen 11 Uhr abends weckten mich plötzlich "Tingo, Tingo" Rufe. Als einziger krammte ich meine Sachen zusammen und stieg aus. Nach dem Verschwinden der roten Rücklichter des Busses, blieb alles Dunkel. Ein Uniformierter zog an einem Strick eine Barriere runter, sicherte sie mit einem verrosteten Bügelschloss und wollte sich soeben zurückziehen. Ich schaffte es gerade noch ihn nach einer Unterkunftsmöglichkeit zu fragen. "Dort hinten links", meinte er und war endgültig verschwunden. Ich suchte meine Stirnlampe hervor und machte mich in Richtung "dort hinten links". Tatsächlich gab es dort hinten links noch ein einsames Häuschen und nach mehrmaligem Klopfen wurde mir geöffnet. Eine ältere, hagere Frau mit vorgehaltener Kerze lächelte mich an und wusste genau was ich wollte. Sie wies mir einen mit einem einzigen Bett ausgestatteten Raum zu, drückte mir die Kerze in die Hand und verschwand ebenso schnell, wie es bei den Bewohnern hier üblich zu sein schien.
Kuelap: Ruinen der Chachapoyas Kultur
Der Grund für meinen Zwischenstopp in Tingo war die Ruinenanlage Kuelap. Doch diese lag etwa 4 Stunden Fussmarsch in den Bergen oben. Der Weg war stark verschlammt und wie der Bus gestern, hatte ich heute zu Fuss meine liebe Mühe hoch zu kommen. Zudem fing es auf halber Strecke auch noch an zu regnen. Ich beschloss erneut bei einer Familie um Unterkunft zu bitten und die Besichtigung auf den morgigen Tag zu verschieben.
Der Sohn der Hausherrin höchstpersönlich führte mich am nächsten Tag schlussendlich noch den letzten Abschnitt zu den in dicken Nebel gehüllten Ruinen hoch. Kuelap wurde erst 1843 zufällig von einem Einheimischen (wieder)entdeckt und liegt mitten in ausgiebiger Vegetation mit sehr grossen Bäumen, bedeckt mit Orchideen und Bromelien. Die Anlage wurde von den Chachapoyas, was "Leute der Wolken" bedeutet, sehr geschickt erbaut. Auf der vorderen Seite dominiert eine riesige bis 20m hohe Steinmauer und gegen hinten kläfft ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund. Nur einen Schwachpunkt hatte die dazumal als uneinnehmbar geltende Festung, es gab keine Wasserversorgung. Das nutzten dann auch die Inkas zu ihren Gunsten, als sie nach einer langen Belagerung die Chachapoyas, als eines der letzten widerstehenden Königreiche, in ihrer letzten Zufluchtsstätte unterwarfen.
Gegen Mittag machte ich mich an den Abstieg, wobei es mehr ein Rutschen statt ein Gehen war. Bei Tingo im Tal unten wartete ich geduldig auf einen Kombi, der mich ins Städtchen Chachapoyas bringen sollte.
Freundliche Verhaftung
Chachapoyas ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Das heisst zwar nicht es würde viel Verkehr geben, ganz im Gegenteil, aber hier treffen sich drei Hauptverbindungswege. Zum einen natürlich die drei Tagesroute durch die Anden nach Cajamarca, die ich soeben hinter mich gebracht hatte, dann eine Strasse welche in 24 Stunden an die pazifische Küste nach Chiclayo führt und schlussendlich die Piste in den Amazonas hinein.
Da es keinen Busterminal hatte, stellte ich mich abends einfach mal an die Kreuzung. Plötzlich näherten sich fünf Polizisten. Sie deuteten mir an mitzugehen. Gleich um die Ecke diente ein schäbiges Haus als Polizeiposten. Hier wollten sie den Pass sehen und fingen an mich auszufragen. Doch als sie bemerkten, dass ich ihre Sprache ohne Probleme beherrschte, wurde aus dem ungemütlichen Verhör schnell mal ein angenehmes Gespräch. Ich erzählter ihnen von meiner Reise und sie erklärten mir die Problematik dieser Region wegen den vielen Drogen Anbaugebieten. Manchmal gebe es Überfälle auf vorbeifahrende Autobusse. Deshalb werden hier oft alle Busse abgefangen, um dann in einem Buskonvoi unter Polizeischutz durch die heikle Zone gebracht zu werden! Und wie steht es heute? Darauf wussten sie noch keine Antwort, mal sehen, meinten sie. Einer hielt mir noch so eine Art Gästebuch zum Registrieren hin. Damit wussten sie wenigstens wer allenfalls überfallen wurde. Meine Reiseeuphorie war merklich geschrumpft, als ich mich wie alte Freunde von den Polizisten verabschiedete und mich wieder am Strassenrand auf den Rucksack setzte.
Auf jeden Fall kein Überfall
Und trotzdem bestieg ich wenig später den genau vor mir skandalös hupend und Staub aufwirbelnd zu stehen gekommene Bus. Bevor ich überhaupt fragen konnte, wohin genau er fahren würde, wurde mir der Rucksack aus der Hand gerissen und unten verstaut. Ich wurde in den stickigen Bus gestossen und bekam zu hinterst den allerletzten Platz zugewiesen. Und bevor sich der Staub des Abbremsens überhaupt gelegt hatte, wirbelte schon der Staub der ebenso skandalösen Abfahrt.
Im scheidenden Tageslicht konnte ich noch Erkennen, wie wir die letzten Ausläufer der Anden hinter uns liessen, bevor mich das Rütteln in einen tiefen Schlaf wiegte. Es musste ungefähr gegen Mitternacht gewesen sein, als der Bus zu einem abrupten Stopp kam. Die Lichter gingen an und jemand befahl uns sofort auszusteigen. Mir fiel echt das Herz in die Hose. Jetzt hatte es uns also erwischt! Instinktiv schob ich den Geldgürtel noch tiefer in die Hose runter und hoffte er würde nicht entdeckt. Zitternd aber hellwach stieg ich aus. Mein Rucksack hatte anscheinend schon einen neuen Besitzer gefunden, ein junger Typ hatte ihn geschultert und verschwand aus meinem Blickwinkel. Alle Passagiere standen vor dem Bus im Scheinwerferlicht rum. Doch genau in diesem Augenblick heulte der Motor wieder auf, der Bus setzte zurück und verschwand in der Dunkelheit. Wir schienen auf einer kleinen Lichtung zu sein, umgeben von einer noch dunkleren Silhouette von Bäumen. Erst jetzt entdeckte ich noch einen anderen Bus neben uns. Wurden gleich zwei Busse überfallen? Doch dort stand auch der Junge mit meinem Rucksack und winkte mich zu sich. "Vamonos! Gehen wir!" rief er mir zu. "Dieser Bus fährt weiter nach Tarapoto!" Ay, ich hätte schreien können vor Erleichterung. Etwa die Hälfte der Leute stieg ein, auch wenig begeistert von diesem Schlaf- und Nervenraubenden Buswechsel. Und weiter ging's. Nun mit schön viel Platz und frischer Waldluft, nickte ich bald wieder ein, die paar Stunden bis zum Morgengrauen ausnutzend, während der Bus immer tiefer in den Amazonas eindrang.
In der Dschungel Stadt Yurimaguas
Trotz sehr holpriger Fahrt erreichte ich am nächsten Morgen Tarapoto, die grösste Stadt der Provinz San Martin, doch noch einigermassen ausgeruht. Der Aufenthalt hier reichte gerade mal für ein 5 Minuten Frühstück, bevor ich schon wieder in einem Bus sass. Die Strecke führte durch eine flache Urwald Landschaft und wurde mit der Zeit ziemlich einödig, Urwald, Urwald und noch mehr Urwald. Nur ab und zu sah man ein einsames Hüttchen und halbnackte Kinder näherten sich neugierig der Strasse, um den vorbeirasenden Bus zu beobachten.
Gegen Nachmittag war dann endgültig Endstation. Die Dschungel Stadt Yurimaguas ist der letzte mit dem Auto erreichbare Ort, von hier geht es nur noch auf dem Wasserweg weiter. Sobald der Bus zu einem Halt kam, umkreisten uns schon etliche Mototaxis. Hugo versprach mich schnell und sicher in ein gutes Hotel zu fahren... was für ein unwiderstehliches Angebot. Tatsächlich übertraf das Hostal "Luis Antonio" alle Erwartungen und ich würde hier einige Nächte mehr als ursprünglich angenommen verbringen.
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