Amazonas Flussfahrt - Peru :: Mit dem Schiff durch den Amazonas Regenwald :: Reisebericht


Vorbereitung für die Amazonas Schifffahrt in Yurimaguas

 

Amazonas Flussfahrt Projekt
Nach einem abenteuerlichen Amazonas Urwald Trekking, wollte ich nun von Yurimaguas aus mit einem Flussschiff in die grösste Stadt des peruanischen Amazonas gelangen, nach Iquitos. Eine eigentliche Abfahrtszeit oder Hafen gab es nicht. Vielmehr ankerten die Boote einfach am Ufer und sobald sich eines mit genügend profitablen Handelswaren und Passagieren gefüllt hat, fährt es los. Angeblich könnte es heute Abend so weit sein und ein Schiff würde auslaufen.

Reisevorbereitungen für die Schifffahrt
Somit hatte ich den ganzen Tag Zeit, die bevorstehende Reise vorzubereiten. Zuerst wollt ich meinen arg mitgenommenen Kleidern wieder ihre ursprüngliche Farbe und einen waschmittelkonformen Duft schenken. Da ich von der Schiffsküche keine allzu grossen Erwartungen hatte, deckte ich mich auch mit genügend Notfall Rationen von Keksen und Wasserflaschen ein. Im gleichen Tante-Emma-Laden erstattete ich eine neue Tube Mückenmittel, eine Kassette mit Rockmusik und das allerwichtigste, eine Hängematte. In der einzigen Bank in Yurimaguas wurde mir anfänglich verweigert ein Reisecheck gegen peruanische "Soles" einzutauschen. Erst als die Frau des Hotelbesitzers intervenierte, konnte die Transaktion getätigt werden. Nun war ich bereit!

Das Amazonas Flussschiff Pachacamilla
Am Abend liess ich mich durch ein Mototaxi zur Anlegestelle bringen. Tatsächlich schaukelte da ein Schiff, die Pachacamilla, halb auf dem Wasser, halb auf dem Ufer. Auf einem Holzbalken rüber balancierend verschaffte ich mir Zugang. Von der Belegschaft war niemand auszumachen. Einige Reisewillige hatten ihre Hängematten auf dem oberen Deck angeknüpft und schauten mich gelangweilt an. Das Schiff sei eigentlich für gestern geplant gewesen, meinte der Redefreundlichste, aber bis am nächsten Morgen werde es bestimmt nicht klappen. Da es auch überhaupt nicht danach aussah, beschloss ich lieber noch eine Nacht im Hotelbett zu verbringen.

Amazonas Flussschiff Pachacamilla
Die Pachacamilla ist ein typisches, in die Jahre gekommenes peruanisches Flussschiff, welches zwischen Yurimaguas und Iquitos Güter sowie Passagiere transportiert

Der erste Tag mit der Pachacamilla auf dem Rio Marañon

 

Gleich geht's los
Am Sonntag Morgen früh stand ich wieder vor der Pachacamilla. Immerhin standen jetzt einige Kisten voller Gemüse da und dem "Muhen" an, wurden gestern noch einige Rinder verladen. Einige herrumstehende, rauchende Typen wiesen mich an einzusteigen und bestätigten, es würde um 10 Uhr losgehen. Auf dem Deck schaukelten deutlich mehr Leute in ihren Hängematten. Ich setzte mich an den einzigen Tisch und las die gestrige Zeitung. Immer wieder schaute ich auf, in der Hoffnung unbemerkt abgelegt zu haben. Doch es tat sich nichts.

Der Countdown läuft
12 Uhr. Einige Señores liessen sich neben mir nieder und zusammen versuchten wir das Kreuzworträtsel zu lösen und die neue Abfahrtszeit einzuschätzen.

14 Uhr. Der Hunger trieb mich wieder an Land. Gleich nebenan, in einem düsteren Raum wurde Reis mit einer Fleischbrühe offeriert. Und siehe da, hier schien sich auch die Pachacamilla Crew zu vergnügen, bei Reis mit Fleischbrühe und Bier!

Um 17 Uhr sei die Abfahrt, ganz bestimmt, meinten sie. Bestimmt nicht, meinte ich und sollte Recht behalten. Immerhin wurde es am Nachmittag etwas geschäftiger. Mehr und mehr Güter wurden im unteren Deck verlanden und auch das Passagierdeck füllte sich langsam.

19 Uhr. Ein neues Gerücht ging bei den Passagieren um: Ohne Cargo Inspektion könne das Boot nicht abfahren, und da heute Sonntag sei, würde das erst am Montag geschehen. Aber da trotzdem alle stur an Bord blieben, beschloss auch ich endlich meine Hängematte aufzuhängen und hier zu schlafen. Man konnte ja nie wissen.

20 Uhr. Vielleicht weil ein neues Abfahrtsgerücht umging, strömten jetzt immer mehr Leute auf das Boot und mehr und mehr Hängematten zwängten sich dazwischen. Und als ich dachte jetzt ging wirklich nichts mehr, erhielt ich gleich noch zwei neue Nachbarn, welche nun so nahe waren, so dass ich nun fast nicht mehr schaukeln konnte ohne anzustossen. Sogar die undankbaren Plätze bei den schon vor Abfahrt fürchterlich stinkenden Toiletten wurden ausgenutzt.

21 Uhr. Der Motor heulte auf. Endlich. Die Stricke wurden eingenommen, der Balken aufs Ufer geworfen und das Boot bewegte sich gegen die Flussmitte. Innert weniger Minuten verschwanden die letzten Lichter von Yurimaguas und das Amazonas Schiff Pachacamilla tuckerte dem Nichts der Dunkelheit entgegen!

Passagierdeck auf dem Amazonas Flussschiff
Das Passagierdeck auf dem Amazonas Schiff Pachacamilla bietet sovielen Hängematten Platz, bis man nicht mehr schaukeln kann

Der zweite Tag auf dem Rio Marañon durch den Amazonas Regenwald

 

Morgengruss auf dem Rio Amazonas
Früh wachte ich am nächsten Morgen auf, erstens weil alle schon auf waren, zweitens weil es sehr kalt war. Ja genau, im Dschungel kann es so richtig kalt sein und deswegen habe ich auch nicht sonderlich gut geschlafen. Ich hatte mich unendliche male gedreht und zudem Angst um meine Sachen. Mit einer geheimen Schnur hatte ich den Rucksack an meine Hose gebunden und tastete bei jedem Aufwachen danach.

Kaltes Erwachen
Schlotternd vor Kälte stand ich jetzt auf und stellte mich an das Geländer wo die ersten Sonnenstrahlen auftauchten. Genau dort waren auch die 3 einzigen Kabinen für die 1. Klasse Passagiere, welche sich während der ganzen Reise als äusserst gesprächig herausstellten und des öfters kam es zu interessanten Unterhaltungen.

Schüssel und Löffel
Plötzlich hörte ich den dumpfen Ton, wie jemand mit einem Löffel auf eine Pfanne schlagen würde. "Desayuno! Frühstück!" tönte es aus etlichen Kehlen und einige rannten sofort mit einer Schüssel und Löffel zur Küche runter. Schüssel und Löffel? Daran hatte ich jetzt wirklich nicht gedacht. Die Frau des Gemüsehändlers schien meine Gedanken und Unschlüssigkeit erraten zu haben. Sie streckte mir die beiden Wunschobjekte aus der Kabine und meinte sie frühstücke eigentlich nie. Somit stellte ich mich auch mal in die Schlange bei der Treppe. Als ich an der Reihe war, platsche mir die dickliche Köchin mit einem grossen Schöpflöffel einen weissen Brei in die Schüssel und verabschiedete mich mit einem freundlichen "Provecho!" Der weisse Brei stellte sich als Milchreis heraus und war sogar sehr fein.

Die Amazonas Philosophie
Wieder in meiner Hängematte wiegend ging ich der Hauptbeschäftigung der meisten Passagiere nach, das vorbeiziehende Flussufer zu beobachten. Da sich das Schiff immer mitten im Fluss hielt und der Rio Marañon schon eine stattliche Grösse hatte, war das Ufer nur als grüner Strich zu erkennen, mit Wald, Wald und noch mehr Wald. Die einten Bäume etwas höher, andere etwas kleiner. Details waren nicht auszumachen. Trotzdem gab es nichts Schöneres als zu gaffen und den philosophischen Gedanken über das Leben freien Lauf zu lassen.

Das Unterhaltungsprogramm auf einer Amazonas Schifffahrt
Andere lustige Aktivitäten waren das Abschätzen ob der Fluss wirklich grösser und breiter wurde, zählen wie oft die Hängematte hin und her schwenken konnte bei einem grösseren Wellengang, die Zeit des Gongs für die nächste Mahlzeit erraten, beobachten wer wie lange auf der Toilette ausharrte, praktisch non stop die gleiche Rock Kassette hören, "La ciudad y los perros" vom peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa lesen, erraten wie viele Hühner täglich an Sonnenstich erlagen und ins Wasser geworfen wurden und viele mehr...

Richard und das Feuerwasser
Erst gegen Abend bemerkte ich, dass ich eigentlich jemanden an Bord kannte, einen alten Bekannten der R.A.P. Bar von Yurimaguas, Richard. Er wolle Verwandte besuchen, meinte er und zog gleichzeitig eine kleine Flasche Feuerwasser aus der Hosentasche. Sofort bemerkte ich, was mir auch noch fehlte: Ein Trinkbecher. Somit labten wir halt abwechselnd an der Flasche, während wir gemütlich in die Nacht hinein plauderten, über das Leben und sterben am Amazonas.

Erster Flusshafen
Gegen Mitternacht legte das Schiff am linken Ufer an. Einige Glühbirnen warfen ein schwaches Licht auf einige Personen die auf das Boot gewartet zu haben schienen. Einige winkten Richard freudig zu, andere machten sich daran an Bord zu kommen. Ich verabschiedete mich von ihm und zog mich in die Hängematte zurück, für eine hoffentlich ruhigere Nacht!

Abendstimmung im Amazonas Regenwald
Einmaliges Abendrot über dem Amazonas Dschungel, während das Schiff sanft weiter flussabwärts gleitet

Der dritte Tag auf dem Rio Amazonas durch den Dschungel bis Iquitos

 

Man muss sich zu helfen wissen
Heute hatte ich viel besser geschlafen und nur das Knurren des Magens liessen mich aufstehen. Vielleicht hat man den Magen sogar bis in die Küche gehört, denn genau jetzt ertönte der heiss geliebte Gong zum Essen fassen. Erwartungsvoll starrte ich zur Kabinentür des Gemüsehändlers, aber heute blieb sie verschlossen. Ich stellte mich trotzdem mal in die Warteschlange, als mir die rettende Idee kam: Ich schnitt eine Wasserflasche quer durch und benutzte den unteren Teil als Gefäss. Jetzt nur noch ein freundliches Zuzwinkern für die Köchin und sie lieh mir einen Löffel, unter der ebenso freundlichen Drohung, sie würde mich über Bord werfen lassen, wenn ich ihn nicht gewaschen zurückbringen würde.

Der Zusammenfluss des Amazonas
Über Nacht hatte sich der Rio Marañon mit dem Rio Ucayali vereinigt und von nun an hiess der Fluss offiziell Amazonas. Unglaublich was für eine riesige Wassermenge uns jetzt umgab, unser Schiff, die Pachacamilla schien nur noch eine winzige Nussschale. Oft teilte sich der Fluss in verschiedene Arme auf, um dann irgendwann wieder zusammen zu fliessen.

Das Leben in einer Hängematte
In der Hängematte schaukelnd ging ich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung der Flussfahrt nach, der Beobachtung der Wasseroberfläche und des nun noch weiter entfernten Ufers. So tuckerten wir friedlich in grosszügigen Bogen durch die unendliche Weite des Amazonas Regenwaldes. Hie und da legten wir am Ufer an und Waren wurden umgeladen und Passagiere stiegen aus oder zu.

Hygiene auf einer Flussfahrt
Das Gackern und skandalöse umherrennen der auf dem Dach mitreisenden Hühnern wurde immer weniger, lebten wir doch schon seit 3 Tagen ausschliesslich von Hähnchenfleisch. Was mich etwas beunruhigte, war die Tatsache, dass die Küche genau unter der Toilette lag. Das all die menschlichen Geschäfte direkt in den Fluss platschten war ja anzunehmen, aber warum musste die Köchin mit einem an einer Schnur angebundenen Eimer genau dort Wasser schöpfen? Wie durch ein Wunder wurde ich jedoch von einer Magenerkrankung verschont.

Tierwelt am Amazonas Fluss
Das Problem von Mückenstichen mit den gefürchteten Folgen hielt sich glücklicherweise in Grenzen, weil sich das Schiff meist in der Flussmitte aufhielt, auch nachts unterwegs war und somit immer Fahrtwind herrschte. Die Tierwelt schien sich fast nach dem Motto, alles oder nichts, zu verhalten. Keine Mücken aber auch keine andere exotischen Sichtigungen der exotischen Fauna. Nur wenn von der Köchin Essensreste ins Wasser geworfen wurden, erspähte man für kurze Zeit die gierigen Amazonas Piranhas auftauchen.

Anfahrt nach Iquitos
Am späteren Nachmittag wurden alle bisher nur träge rumhängenden Passagiere plötzlich aktiv. Wir seien bald in Iquitos, meinte mein Nachbar und rollte schon seine Hängematte zusammen. Vorerst war aber immer noch nur Wasser und Regenwald auszumachen. Zudem fing es an leicht zu regnen. Also schaukelte ich gemütlich in meiner Hängematte weiter.

Flusspiraten?
Plötzlich tauchten an der Steuerbordseite zwei kleinere Motorboote auf. Es schien als ob sie uns aufgelauert hätten. Schnell näherten sie sich und ein wenig Vertrauen erregender Typ stand schon zuvorderst, bereit zum Kentern. Flusspiraten? Geschickt kletterte er an der Aussenseite hoch und schwenkte sich übers Geländer auf das Passagierdeck. Sofort folgten ihm andere Kollegen. Ein Überfall? Erst jetzt bemerkte ich auf der anderen Seite die gleiche Situation. Dort hatten sich 3 Boote herangemacht und allesamt junge Burschen kletterten auf die Pachacamilla. Immer mehr Leute drängten sich auf dem so schon überfüllten Deck. Das heimelnde Hängematten Dasein war völlig zerstört. Schnell war alles nass und alle schubsten, fluchten und drängten irgendwohin. Immerhin überhörte ich die Absicht unserer Eroberer, vielmehr als Meuterer waren sie Händler aus Iquitos, welche schon hier die eintreffenden Waren inspizierten und abkauften. Andere wiederum waren Träger und offerierten ihre Dienste. Also konnten wir wirklich nicht sehr weite von Iquitos sein.

Das Ende der Amazonas Flussfahrt im Hafen von Iquitos
Das Chaos dauerte aber noch über eine Stunde, bis wir mit der in der Zwischenzeit auf sicher ein Duzend Begleitboote angewachsene Flotte im Hafen von Iquitos einfuhren. Eine Planke wurde hergezogen und sofort strömten noch mehr Leute an Bord. Panik oder Platzangst sind zwar etwas weit hergeholt, trotzdem war ich noch nie ein Freund von Menschenmengen. Ich gebrauchte nun auch kräftig meine Ellbogen und mogelte mich so schnell es eben ging zur rettenden Vorderseite. Mit dem Gedränge auf der glitschigen Planke, wäre ich noch um ein Haar baden gegangen! Endlich geschafft! Ich stieg auf eines der vielen auf uns wartenden Mototaxis und liess mich in das erstbeste Hotel von Iquitos bringen.

Amazonas Urwald bei Iquitos
Eine Urwald Lagune etwas neben dem Rio Amazonas, in der Nähe der peruanischen Dschungelstadt Iquitos

Iquitos - die Dschungel-Metropole von Peru

 

Was Iquitos und Paris gemeinsam haben
Iquitos war dank dem Kautschukboom zu einer der grössten Dschungelstädte in Peru und im ganzen Amazonasgebiet herangewachsen und liegt nur etwa eine Stunde Bootsfahrt von der brasilianischen Grenze entfernt. Die Stadt ist nur auf dem Wasser- oder Luftweg zu erreichen. Lustigerweise hat auch Gustave Eiffel, der bekannte Erbauer eines bestimmten Turmes in Paris, hier seine Spuren hinterlassen. Ein für die Weltausstellung in Paris nur aus Eisen erbautes Haus wurde von einem Kautschukmillionär aufgekauft und liess es in Einzelteile zerlegt mitten in den Urwald transportieren. Heute steht die "Casa de Hierro" auf dem zentralen Platz in Iquitos und beherbergt eine Bar.

Aufenthalt in Iquitos
Wie schon in Yurimaguas fühlte ich mich von der Stadt völlig in den Bann gezogen und verbrachte eine ganze Woche hier. Tagsüber unternahm ich verschiedene Ausflüge in den Dschungel, abends zog es mich mit neu gewonnen Gefährten in die lebhaften Bars an der Fluss Promenade.

Reise-Jubiläum
Immerhin gab es auch etwas zu feiern, seit genau 5 Jahren war ich nun schon auf dem amerikanischen Kontinenten unterwegs und die Reise sollte noch weitergehen! Nach Iquitos setzte ich die Reise an der nördlichen Pazifik Küste von Peru fort, gelangte nach Ecuador und schlussendlich erkundete ich als nächsten Höhepunkt ebenfalls per Schiff die Galapagos Inseln.

Dschungel Stadt Iquitos in Peru
Die Dschungel-Metropole Iquitos wird durch den Rio Amazonas und dessen Wasserwegen geprägt und tritt auch öfter über die Ufer

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