
|
Man muss sich zu helfen wissen
Heute hatte ich viel besser geschlafen und nur das Knurren des Magens liessen mich aufstehen. Vielleicht hat man den Magen sogar bis in die Küche gehört, denn genau jetzt ertönte der heiss geliebte Gong zum Essen fassen. Erwartungsvoll starrte ich zur Kabinentür des Gemüsehändlers, aber heute blieb sie verschlossen. Ich stellte mich trotzdem mal in die Warteschlange, als mir die rettende Idee kam: Ich schnitt eine Wasserflasche quer durch und benutzte den unteren Teil als Gefäss. Jetzt nur noch ein freundliches Zuzwinkern für die Köchin und sie lieh mir einen Löffel, unter der ebenso freundlichen Drohung, sie würde mich über Bord werfen lassen, wenn ich ihn nicht gewaschen zurückbringen würde.
Der Zusammenfluss des Amazonas
Über Nacht hatte sich der Rio Marañon mit dem Rio Ucayali vereinigt und von nun an hiess der Fluss offiziell Amazonas. Unglaublich was für eine riesige Wassermenge uns jetzt umgab, unser Schiff, die Pachacamilla schien nur noch eine winzige Nussschale. Oft teilte sich der Fluss in verschiedene Arme auf, um dann irgendwann wieder zusammen zu fliessen.
Das Leben in einer Hängematte
In der Hängematte schaukelnd ging ich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung der Flussfahrt nach, der Beobachtung der Wasseroberfläche und des nun noch weiter entfernten Ufers. So tuckerten wir friedlich in grosszügigen Bogen durch die unendliche Weite des Amazonas Regenwaldes. Hie und da legten wir am Ufer an und Waren wurden umgeladen und Passagiere stiegen aus oder zu.
Hygiene auf einer Flussfahrt
Das Gackern und skandalöse umherrennen der auf dem Dach mitreisenden Hühnern wurde immer weniger, lebten wir doch schon seit 3 Tagen ausschliesslich von Hähnchenfleisch. Was mich etwas beunruhigte, war die Tatsache, dass die Küche genau unter der Toilette lag. Das all die menschlichen Geschäfte direkt in den Fluss platschten war ja anzunehmen, aber warum musste die Köchin mit einem an einer Schnur angebundenen Eimer genau dort Wasser schöpfen? Wie durch ein Wunder wurde ich jedoch von einer Magenerkrankung verschont.
Tierwelt am Amazonas Fluss
Das Problem von Mückenstichen mit den gefürchteten Folgen hielt sich glücklicherweise in Grenzen, weil sich das Schiff meist in der Flussmitte aufhielt, auch nachts unterwegs war und somit immer Fahrtwind herrschte. Die Tierwelt schien sich fast nach dem Motto, alles oder nichts, zu verhalten. Keine Mücken aber auch keine andere exotischen Sichtigungen der exotischen Fauna. Nur wenn von der Köchin Essensreste ins Wasser geworfen wurden, erspähte man für kurze Zeit die gierigen Amazonas Piranhas auftauchen.
Anfahrt nach Iquitos
Am späteren Nachmittag wurden alle bisher nur träge rumhängenden Passagiere plötzlich aktiv. Wir seien bald in Iquitos, meinte mein Nachbar und rollte schon seine Hängematte zusammen. Vorerst war aber immer noch nur Wasser und Regenwald auszumachen. Zudem fing es an leicht zu regnen. Also schaukelte ich gemütlich in meiner Hängematte weiter.
Flusspiraten?
Plötzlich tauchten an der Steuerbordseite zwei kleinere Motorboote auf. Es schien als ob sie uns aufgelauert hätten. Schnell näherten sie sich und ein wenig Vertrauen erregender Typ stand schon zuvorderst, bereit zum Kentern. Flusspiraten? Geschickt kletterte er an der Aussenseite hoch und schwenkte sich übers Geländer auf das Passagierdeck. Sofort folgten ihm andere Kollegen. Ein Überfall? Erst jetzt bemerkte ich auf der anderen Seite die gleiche Situation. Dort hatten sich 3 Boote herangemacht und allesamt junge Burschen kletterten auf die Pachacamilla. Immer mehr Leute drängten sich auf dem so schon überfüllten Deck. Das heimelnde Hängematten Dasein war völlig zerstört. Schnell war alles nass und alle schubsten, fluchten und drängten irgendwohin. Immerhin überhörte ich die Absicht unserer Eroberer, vielmehr als Meuterer waren sie Händler aus Iquitos, welche schon hier die eintreffenden Waren inspizierten und abkauften. Andere wiederum waren Träger und offerierten ihre Dienste. Also konnten wir wirklich nicht sehr weite von Iquitos sein.
Das Ende der Amazonas Flussfahrt im Hafen von Iquitos
Das Chaos dauerte aber noch über eine Stunde, bis wir mit der in der Zwischenzeit auf sicher ein Duzend Begleitboote angewachsene Flotte im Hafen von Iquitos einfuhren. Eine Planke wurde hergezogen und sofort strömten noch mehr Leute an Bord. Panik oder Platzangst sind zwar etwas weit hergeholt, trotzdem war ich noch nie ein Freund von Menschenmengen. Ich gebrauchte nun auch kräftig meine Ellbogen und mogelte mich so schnell es eben ging zur rettenden Vorderseite. Mit dem Gedränge auf der glitschigen Planke, wäre ich noch um ein Haar baden gegangen! Endlich geschafft! Ich stieg auf eines der vielen auf uns wartenden Mototaxis und liess mich in das erstbeste Hotel von Iquitos bringen. |
|

Eine Urwald Lagune etwas neben dem Rio Amazonas, in der Nähe der peruanischen Dschungelstadt Iquitos
|
|
 |