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Hiking / Fernwandern
Fernwandern in Mexiko
Sierra Tapalpa / Sierra Madre
Mexiko Reiseberichte
Mexico

  Zeitpunkt
Dauer      
Wanderzeit
Distanz   

Winter 2003
11 Tage
70 Stunden
360 km

When
Duration
Hiking time
Distance

Winter 2003
11 days
70 hours
360 km


 

Trekking Land Mexiko?
Mexiko ist abgesehen von Touren in der Kupferschlucht und Vulkan Besteigungen nicht unbedingt als Trekking Land bekannt. Doch gibt es im Westen des Landes, in den Bundesstaaten, Zacatecas, Nayarit, Jalisco, Colima und Michoacan einige sehr attraktive Abschnitt der riesigen Sierra Madre Gebirgskette, wo man tolle Wandertouren machen kann. Nur muss man sich die Route selbst erfinden, da es nirgends irgendwelche Wanderwege oder Markierungen gibt.

Trekking Mission
Meine Idee war nun vom Stadtrand der Millionen Metropole Guadalajara durch die Gebirge der Sierra Tapalpa und Sierra Manantlan bis an die pazifische Küste bei Manzanillo zu wandern. Die Landkarten hatte ich mir beim staatlichen Amt für Geografie (INEGI) besorgt, obwohl sie mit einem viel zu grossen Massstab von 1:250’000 eigentlich völlig ungenügend waren. Und trotzdem leisteten sie mir gute Dienste. Ergänzt mit dem Kompass und unzähligem Nachfragen bei den Einheimischen verirrte ich mich weniger als es Finger an beiden Händen gibt. Die zu gehende Route bestimmte ich fortlaufend, manchmal einer Strasse oder Staubpiste folgend, manchmal den Trampelpfaden von Tieren und manchmal einfach der Nase nach. Die einzige Zeitvorgabe war, das Neujahr am Strand von Manzanillo feiern zu können.

 


Hiking Route

  1. Day:   Bosque La Primavera From the metropolis of Guadalajara through the Forest La Primavera  
  2. Day:   San Isidro Mazatepec – Villa Corona Hiking along several small lakes with plenty of wildlife  
  3. Day:   Atotonilco See Surrounded Lake Atotonilco to the foot of the Sierra Tapalpa
 
  4. Day:   General Andrés Figueroa – Atemajac 1'000 m up to the plain of the Sierra Tapalpa  
  5. Day:   Atemajac – Tapalpa Extensive forests and meadows with grassing cattle  
  6. Day:   Sierra Tapalpa Dirt track through a fascinating landscape of mountains and canyons
 
  7. Day:   San Gabriel – El Paso Real Many typical Mexican villages with charming plazas
 
  8. Day:   Sierra Manantlán ("El Puerto") Exhausting day under a burning sun over El Puerto mountain saddle  
  9. Day:   Sierra Manantlán Crossing of several lovely valleys where time seemed to have stood still
 
  10. Day:  Minatitlán – Camotlán Trekking in the hilly valley of the river Minatitlán  
  11. Day:  Camotlán – Manzanillo Over the last few hills to the Pacific Ocean at Manzanillo  

Reisebericht Fernwandern in der Sierra Tapalpa und Sierra Madre in Mexiko

 

Guadalajara: Teatro Degollado

Guadalajara is the lovely capital city of Jalisco state

 

 

1. Wandertag:  Guadalajara - Bosque Primavera

Durch den Frühlingswald

Der als Naturreservat geschützte Frühlingswald, am Stadtrand von Guadalajara, bildete die erste Etappe. Trotz der Stadtnähe nutzen erstaunlich wenige Leute die Möglichkeiten dieses Erholungsgebietes, um dem Lärm, der Hektik, der dicken Luft und den Alltagsproblemen der Metropole zu entfliehen. So etwas wie markierte Wanderwege gibt es sowieso nicht, und trotz den speziell beim staatlichen Amt für Geografie erstandenen Landkarten, ist man immer wieder auf seine Nase angewiesen, um den richtigen Weg zu erwischen. Zudem sind die Karten nie auf dem neuesten Stand, lückenhaft und die Genauigkeit lässt auch sehr zu wünschen übrig. So würde es nicht nur zur physischen Herausforderung kommen, sondern auch in Sachen Orientierung.

Schluchtenklettern
Kaum hatte ich die letzten Siedlungen hinter mir gelassen, war ich schon mitten im Niemandsland. Eine staubige Piste zwängte sich zwischen den Pinienbäumen durch, abwechselnd über die zahlreichen Hügel oder drum herum. Ganz in der Nähe entspringen heisse Quellen, doch in den trockenen Wintermonaten versickert das Wasser und nur das Bachbett und eine kleine Schlucht zeugen davon. Genau hier verlor sich auch das erste Mal der Weg und nur durch eine Kletterpartie in die Schlucht runter und viel Zufall geriet ich wieder auf einen Trampelpfad, der mich weiter gegen Süden führte. Am späteren Nachmittag verdrängten Kornfelder und Kuhweiden den Wald und die Hügel, ein sicheres Indiz bald das Etappenziel San Isidro erreicht zu haben.


2. Hiking Tag:  San Isidro Mazatepec - Villa Corona

Durch die Seenlandschaft Mazatepec
Der riesige, konische Hügel von Mazatepec dominierte die Landschaft für längere Zeit, bis der kleine See Hurtado die Aufmerksamkeit auf mich zog. Etliche Fischrestaurante säumten das Ufer und wahrscheinlich herrscht hier ziemlicher Betrieb an den Wochenenden. Das passt schon eher ins Konzept eines Mexikaners, hier kann man mit dem Auto hinfahren, um dann mit Kind und Kegel bei lauter Banda-Musik ausgiebig zu speisen und sicher auch den eint oder anderen Tequila und/ oder Bier zu trinken. Heute jedoch war es ziemlich ruhig, nur einige Wasservögel gingen ihrem Wasservogelleben nach und einige Esel zeigten kräftig lärmend ihre Zähne. Passierte noch zwei weitere Seen, bevor ich das Dorf Bellavista erreichte. Während normalerweise die Kirche der Mittelpunkt eines mexikanischen Dorfes ist, nahm hier ein hässliches Fabrikgebäude diesen Platz ein. Dafür verzierten herrlich blühende Sträucher die Hauptstrasse aus dem Dorf. Der letzte Teil für heute bis Villa Corona, musste ich noch durch die zahlreichen Autos an den Strassenrand verdrängt zurücklegen.

 

 

Wandern entlang der Laguna Hurtado

Along the edge of Laguna Hurtado are several fish restaurants. But not for today, there was still a long way to hike...

 

 

3. Tag wandern:  Atotonilco See

Tacos als Energieschub
Obwohl ich den ganzen Tag brauchte um den See zu umgehen, sah ich herzlich wenig davon. Das Strässchen führte in einem grosszügigen Bogen darum herum. Mal verdeckten Hügel die Sicht, mal Felder oder Wälder, aber nie ging es richtig dem Ufer entlang. Als ich endlich im Dorf Atotonilco eintraf, war ich ziemlich erschöpft und aus einer angeblich kleinen Verschnaufpause wurde ein längeres Nickerchen auf einer Bank. Wenn ein feiner Regen mich nicht aufgeweckt hätte, hätte ich wahrscheinlich noch ein gutes Weilchen weitergedöst. Um wieder zu Kräften zu kommen, brauchte ich dringend etwas zu essen und somit musste ich den einzigen Beizer bei einem Schwatz vor seinem 2-Tisch-Etablissement stören, damit er mir etwas Fleisch um Tacos zu machen aufwärmen konnte. Nun war ich bereit für einen 2-stündigen Endspurt auf einer schnurgeraden Rallye-Piste.


4. Tag auf Tour:  General Andrés Figueroa - Atemajac

In die Berge von Atemajac
Die Ebene rund um den Atotonilco See liegt auf etwa 1'300 m.ü.M. Die heutige Herausforderung bestand darin auf die 1'000 m höher gelegene Sierra Tapalpa zu kommen. Zum Aufwärmen stieg die Strasse zuerst nur leicht an, transformierte sich aber bald in eine sehr kurvige Route, mit anstrengender Steigung. Obwohl ich auf der Hauptstrasse gehen musste, schlängelten sich nur sehr wenige Vehikel aufwärts. Manchmal wurde ich aufgefordert auf die Ladefläche der Pick-ups zu springen. Mit einem lächelnden "no gracias" lehnte ich jeweils ab und erklärte feierlich, dass ich freiwillig zu Fuss unterwegs sei. Meist hatte man nur ein verständnisloses Kopfschütteln für mein hier sehr ungewöhnliches Hobby übrig und im nächsten Augenblick zeugte nur noch eine Staubwolke von der gut gemeinten Geste. Immer wieder ergaben sich herrliche Aussichten ins Tal runter, mit dem Atotonilco See schon in weiter Ferne und auf etliche ausgetrocknete, weiss schimmernde Salzseen. Die Flora wechselte allmählich von meist dornigen Büschen und Kakteen zu Pinienwäldern. Nach etwa 8 Stunden war Atemajac erreicht.

Piedrotas oder Riesensteine bei Tapalpa

These gigantic rocks are just a short hike outside the village of Tapalpa

 

5. Tag unterwegs:  Atemajac - Tapalpa

Sternenhimmel der Nachtetappe
Aus irgendwelchen Gründen hatte ich schon am Vorabend unheimliche Lust eine "Nachtetappe" einzuschalten. Somit war ich nach nur wenigen Stunden Schlaf, in dunkelstem Walde, unter einem prachtvollen Sternenhimmel unterwegs. Nur ab und zu knipste ich die Taschenlampe an, wenn die Schatten allzu sehr irgendwelchen Monstern glichen oder ich den Weg nicht recht erkennen konnte. Der Morgen war eisig kalt, der Frost hatte eine feine, weisse Schicht über die Erde gelegt, und ich war froh neben den Badeshorts auch eine Faserpelz-Jacke und eine Mütze in den Rucksack gepackt zu haben. In den Wintermonaten sind die Temperaturschwankungen sehr extrem, nach einer sibirischen Nacht kann das Thermometer am Nachmittag gut bis auf 30° steigen. Gegen 7 Uhr brach der Tag langsam an und das Morgenrot drückte zwischen den Bäumen durch. Etwa jede Stunde fütterte ich mich mit Bananen, um mich weiter fit zu halten. Die Strecke wurde mit der Zeit etwas eintönig, immer nur durch den Wald, ohne richtig zu wissen, wo man genau war. Als ob die Natur meine Beschwerde gehört hätte, entfaltete sich eine Ebene vor mir und es folgte ein einiges attraktiverer Abschnitt mit Wiesen und Bächen. Noch in weiter Ferne erkannte ich das Dörfchen Juanacatlán. Als ich mich auf einem Pfad langsam näherte, war plötzlich die Dorfmusik zu vernehmen, welche mich netterweise bei meinem Durchmarsch begleitete. Schlussendlich gelangte ich nach Tapalpa, ein äusserst reizvolles Bergdorf, mit seinen typischen Holzarkaden und für Mexiko sehr seltenen roten Dachziegeln. Zur Abwechslung mal wieder ein warmes Nachtessen auf der Terrasse eines Restaurants und Übernachtung in einem Zimmer mit angenehm heisser Dusche.

 

 

Fernwandern in der Sierra Tapalpa

Sierra Tapalpa is part of the enormous Sierra Madre Mountain Range. There are impressive views of Colima Volcano and several small canyons. The village of Tapalpa is a very lovely and quite popular mountain retreat.

 

 

6. Fernwandertag:  Sierra Tapalpa

Proviant Planung für die Sierra Tapalpa
Die Route würde für schätzungsweise 1 1/2 Tage durch abgelegenes Niemandsland führen. Die weissen Punkte auf der Karte repräsentieren zwar gemäss Zeichenerklärung ein kleines Dorf, wo es normalerweise auch einen Laden mit minimalem Proviant geben sollte, doch erfahrungsgemäss ist es auch oft nur eine verlassene Ranch, eine Wegkreuzung oder eine Lichtung. Mit den eingezeichneten blauen Linien, also Flüssen/ Bächen ist es genau dasselbe, in der jetzigen Trockenzeit kann es gut sein, dass kein einziger Wasser führen wird. Somit kann einem die Proviant-Planung schon einiges Kopfzerbrechen bereiten, speziell wegen dem schwer auf dem Rücken drückenden Drinkvorrat. Aber als Devise gilt halt immer das spanische Sprichwort: "Más vale prevenir que lamentar". (Es ist besser vorzubeugen, als zu bedauern.) So schleppte ich auch diesmal einige Liter Flüssigkeit zuviel, weil 2-3 Mal die Möglichkeit bestanden hätte, Wasser zu purifizieren. Am Vorabend hatte ich zwar noch einige Leute über die Route ausgefragt, doch interessiert die oft überhaupt nicht was ausserhalb des eigenen Dorfes liegt und Distanz- und Zeitangaben ins Nachbardorf sind immer aus der Sichtweise eines Autofahrers und mit grösster Vorsicht zu geniessen. Die eigenen Schätzungen sind oft genauer.

Beim Colina Vulkan
Zuerst führte noch eine asphaltierte Strasse zu einem kleinen Stausee, dann gab's nur noch eine Staubpiste, welche auf eine Höhe von etwa 2'000 m stieg. Rechterhand schwang sich der Waldhang noch weiter hoch, linkerhand ergaben sich schöne Ausblicke runter in die Schlucht, über grosse Waldflächen, weitere Hügelzüge und in weiter Ferne die konische Form des über 4'000 m hohen und immer noch aktiven Vulkans von Colima. Obwohl es sicher schon zwei Monate nicht mehr geregnet hatte, war alles noch relativ Grün. Bei einem kleinen Wasserfall erfrischte ich die Füsse im kühlen Nass, genehmigte mir eine grosszügige Pause und demonstrierte den etlichen rumhängenden Geiern anhand meiner Schinkensandwiche, dass ich gut vorbereitet unterwegs war. Am Nachmittag schlängelte sich der Weg weiter dem gewellten Hang entlang und liess einem nur träumen, der Luftlinie folgen zu können. Da es gegen 6 Uhr schon eindunkelte, schaute ich mich rechtzeitig für einen geeigneten Lagerplatz um. Ich streifte sicher fast eine Stunde durchs dornige Dickicht und riss mir dabei so manche blutige Wunde, bis ich ein einigermassen flaches Fleckchen zum Zelten fand.


7. Trekking Tag:  San Gabriel - El Paso Real

360° Regenbogen am Weihnachtsabend
Als ich die Augen aufmachte, begrüsste mich ein wunderbares Morgenrot beim linken "Fenster". Sofort schlüpfte ich in die Wanderkluft, packte mein Zeugs zusammen und weiter ging's. Die Strasse kurvte gemächlich ins Tal runter und gegen Mittag wurde San Gabriel erreicht. Ein spätes Eier-Frühstück mit Orangensaft und Kaffee kräftigten den angeschlagenen Körper. Immerhin war der Rucksack heute um ein vielfaches leichter, da es angeblich an einer Strassenkreuzung, 4 caminos, einige Restaurants gebe. Tatsächlich fand ich einen Familienbetrieb, inklusive Fischteich und Fischzucht, wo die Señora mir einen ganzen Krug Limonenwasser und Gurken-, Jicama- und Orangenschnitze auftischte. Die Natur unterhielt mich mit einem einmaligen Spektakel: Um die Sonne hatte sich ein 360° Regenbogen gebildet! Der nächste Abschnitt wurde von riesigen Agave-Feldern dominiert. Nur ausgesuchte Regionen im Osten des Landes eignen sich dafür und dürfen zur Herstellung des Nationalgetränks Tequila benutzt werden. Na ja, und irgendwo dazwischen wird er wohl in seinem Zelt Weihnachten verschlafen haben.

 

 

Hiking Route durch diesen abgelegenen Teil der Sierra Madre

With 3 ½ liters of water, 3 bananas, 2 nut cakes, 2 apples, 1 orange und some chocolate cookies I set off over the Sierra Manantlan, part of the huge Sierra Madre Mountain Range.

 

 

8. Tag auf Tour:  Sierra Manantlán ("El Puerto")

Mit Glückwünschen gesegnet
Weitere Agave-Felder begleiteten mich über eine lange Strecke, bis sich die Strasse durch eine Schlucht runter ins Dörfchen El Paso Real zwängte. Fragte mich bis zu einer Señora durch, welche mir in ihrem bescheidenen Haus das ländliche Standart -Morgenessen zubereitete: Rühreier, Bohnenmasse und Tortillas. Rund um die Plaza gab es sicher 5 Läden, welche aber alle das ungefähr gleiche minimale Sortiment führten. Unter den kritischen Blicken der neugierigen Dorfbewohner kaufte ich: 3 ½ Liter Wasser, 2 plastikverpackte Nussgebäcke, 3 Bananen, 2 Äpfel, 1 Orange und als Notreserve Schokoladenkekse. Einige Mutige fragten mich über meinen Besuch in ihrem völlig abgelegenen Dorf aus. Umso erstaunter waren sie, als ich ihnen meine Absicht die Sierra Manantlán zu Fuss zu überqueren bekannt gab. Aber den vielen Glückwünschen an konnte es ja nur gut gehen. Ein älterer Herr begleitete mich noch ein Stückchen und unterhielt mich mit einer Liste von Vorteilen, die El Paso Real gegenüber der Grossstadt Guadalajara habe.

Kuh Eskorte
Als der Weg kräftig zu steigen begann, war ich wieder auf mich alleine gestellt. Eine drückende Hitze machte das Vorwärtskommen zu einer echten Qual und folglich trank ich auch viel mehr als vorgesehen. Also war ich früher oder später auf eine Quelle oder fremde Hilfe angewiesen. An einer mickrigen Pfütze labten sich unzählige Bienen und bunte Schmetterlinge, aber für mich blieb da nicht viel übrig. Nach etlichen "aufgezwungenen" Pausen erreichte ich die Sattelhöhe, von den Einheimischen "El Puerto", der Hafen genannt. Mächtige Bullen mit drohenden Hörnern und Kühe mit Kälbern umzingelten mich, als ob sie mir andeuten wollten, wessen Territorium das hier sei. Mit einem Stock bewaffnet wollte ich vorsichtig zwischendurch schleichen. Aber wenn auch immer ich mich in Bewegung setzte, folgte mir die ganze Herde, und wenn ich einen Rast machte, blieben auch die Viecher um mich herum stehen. So ging das eine gute Weile. Erst als einige reitende Vaqueros (Cowboys) eine Herde in die entgegen gesetzte Richtung trieben, konnte ich die Verwirrung meiner Begleiter ausnutzen und marschierte zügig davon.

Campingplatz im Maisfeld
Nachdem ich die Grenze zwischen den Staaten Jalisco und Colima passiert hatte, führte der Weg ins Tal runter. Hatte gar nicht bemerkt wie lange ich schon unterwegs war und wie weit der Tag schon fortgeschritten war. Höchste Zeit einen Campingplatz zu finden. Durch ein Stacheldrahtgatter verschaffte ich mir Zutritt zu einer scheinbar verlassenen Wiese, meisterte ein sumpfiges Stück Wald, balancierte über einen Bach und fand am Rande eines Maisfeldes was ich suchte. In weniger als 10 Minuten stand mein heutiges zu Hause. Ein schwacher Sichelmond war zwischen den Bäumen zu erkennen, die Sterne besternten des Himmels Antlitz, die Frösche quakten, die Grillen zirpten wie wild, Leuchtkäferchen beleuchteten die Umgebung, ein unerkennbares Wesen schmiss Ästchen vom Baum runter, Kühe Brunft schreiten aus der Ferne und ich seufzte erschöpft, aber zufrieden und freute mich schon auf den morgigen Tag.

 

 

Durch die Sierra Manantlan

Seemingly never ending tracks in the Sierra Manantlan. At least I didn't have to carry to much water now as I always found friendly locals willing to offer me drinks.

 

 

9. Tag wandern:  Sierra Manantlán

Vom Seitental des Seitentals ins Seitental des kleinen Haupttals
Nach etwa einer Stunde morgendlicher Aufwärmstrecke, sass ich bei einer Grossmutter im Hause und nippte dankbar an einer Tasse wässrigen Kaffees. Zuerst offerierte sie mir sogar ein Eier-Frühstück, doch dann wechselte sie plötzlich ihre Meinung, murmelte etwas von fehlenden Tortillas und verkaufte mir schlussendlich als Alternative eine Packung Kekse. Der heutige Tag führte durch herrlichste Hügellandschaft. Die kleinen Seitentäler mündeten in immer grössere Seitentäler, vom Seitental des Seitentals ins Seitental des kleinen Haupttals und weiter ins grosse Haupttal. Immer wieder passierte ich niedliche Dörfer mit lauter Musik aus den offenen Hausfenstern, diskutierenden Einwohnern, spielenden Kindern, auf dem Fussballacker grasenden Pferden und Kühen und davon stäubendem Federvieh. Manchmal liess ich mich auf einen Schwatz ein, manchmal konsumierte ich nur schnell etwas zu essen und trinken und zog sofort weiter. Im Etappenort Minantitlán wohnte ich auf dem Hauptplatz einer Hochzeit bei,  bei der das ganze Dorf eingeladen schien. Die Mariachi-Band trumpfte mit einem Klassiker nach dem anderen auf, während sich der mit Sombrero Hut gekleidete Bräutigam und die nur etwa 16-jährigen Braut vor der Kirche abknipsen liessen. Und somit neigte sich auch der neunte Tag zu ende!

 

 

Wanderweg entlang dem Rio Minatitlan

Rivers are a rarity in the dry season but very welcome to bathe, purify water and do the laundry.

 

 

10. Tag auf Mission:  Minatitlán - Camotlán

Auf direktem Weg an den Pazifik
Nun da ich die Sierra Manantlán und somit den schöneren Teil der Tour hinter mir hatte, standen noch zwei Tage auf der Hauptverbindungsstrasse bis an den Pazifik an. Das war bei weitem die direkteste Route, jegliche Alternativen hätten sicher doppelt so lange gedauert. Zudem kamen auch allmählich Strandgelüste auf und somit würde ich Manzanillo gerade noch für die Silvester-Feier erreichen. Die Gedanken an frische Meeresfrüchte und kühles Bier liessen mich voll motiviert los schreiten. Meist musste ich auf Asphalt gehen, doch wenn immer möglich wich ich auf Trampelpfade neben der Strasse aus. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, hatte eigentlich schlimmeres erwartet. Und trotzdem musste ich mich immer wieder mit einem Satz in die Gebüsche vor den entgegenkommenden Fahrzeugen retten. Die letzten hügligen Ausläufer zwangen der Strasse ein recht kurviges Dasein auf und linkerhand grub sich eine kleine Schlucht ins Massiv. Die Vegetation wurde immer dichter und es gab deutlich weniger Landwirtschaftsflächen und Weiden als noch in höheren Lagen. Dafür begleiteten mich Papageie und andere äussert bunte und akrobatische Vögel. Doch der Höhepunkt war eine sicher faustgrosse, haarige Spinne mit roten Flecken, welche mich kurz vor Nachtanbruch noch zu einem Endspurt ansetzen liess, um das Zelt nicht in ihrem Territorium aufstellen zu müssen.


11. und letzter Wandertag:  Camotlán - Manzanillo


Silvester am Strand von Manzanillo
Im Wissen es sei heute das letzte Mal, kaufte ich im nächsten Dorf erneut, und wie eigentlich täglich, Bananen und Butterkekse für das Frühstück und als Tagesproviant. Es ging in ähnlichem Stil weiter wie gestern. Nur der Verkehr intensivierte sich angesichts der Nähe von Manzanillo, eine der wichtigsten Hafenstädte des Landes und gleichzeitig ein beliebtes Urlaubsziel. Somit wanderte ich die heutige mehr Pflicht- als Genussetappe unter dem Moto: Augen zu und durch. Bei jeder leichten Steigung hätte es soweit sein können und ich meinte das Meer sehen zu müssen. Doch der letzte Tag zog sich in die Länge, und dauerte, und dauerte und ich marschierte, und eilte, und die Sonne brannte, und der Schweiss floss, und die Wasserflasche war eh schon leer, und die Füsse drückten, und ich hatte wirklich grosse Lust anzukommen, und .... bis ich schlussendlich nach 11 Tagen, 70 Stunden und 360 Kilometern tatsächlich vor dem Pazifischen Ozean stand! Ich hatte es geschafft! Ziel erreicht! Mission erfüllt! Das Hotel hatte zwar nur noch einige wenige Sterne im Vergleich der 1000-Stern Zeltplätze der vergangenen Tage, dafür bot es wie geträumt einen Strand, Meeresfrüchte und Bier!!

 

 

Wanderziel Manzanillo am Pazifik

Finally, Manzanillo Beach Resort, no more walking and no more camping. Only relaxing on the beach and wait for New Year's Eve.

 


 

Aber allzu viel Zeit verstrich auch nicht bis zum nächsten Fernwandern, dem Chacala Pacific Trek...

 


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