Home
Reiseberichte und Reisefotografie
Travelogues and Travel Photography
Reiseberichte
Home Sitemap Links Contact 
Sign GuestbookGuestbook 
Home > Reiseberichte > Südamerika > Venezuela
Travel Photography
Reiseberichte
Reiseberichte
Venezuela Reisebericht und Reisefotografie

 



Reisebericht über Venezuelas grösste Attraktionen: Die Hauptstadt Caracas, Urwald Abenteuer zum Salto Angel dem höchsten Wasserfall der Welt, Hiking in den Anden und Karibik Plausch in Puerto Colombia.

 

Venezuela Reisebericht  | Caracas | Salto Angel | AndenKaribik |

  Anreise Caracas Venezuela

Wie eigentlich nicht anders zu erwarten war gegen die Weihnachtszeit, ergaben sich schon am Flughafen die ersten Nervenprüfer: Wegen dem so genannten Code-Sharing wurde man freundlich darauf aufmerksam gemacht, in die Warteschlange der Partner Fluggesellschaft zu wechseln. Deren Flugzeug aber erschien erst nach fast einer Stunde Verspätung. Zudem sassen da schon Leute vergnügt auf unseren Sitzen, die Maschine war überbucht. Irgendwie, irgendwann konnte man dann endlich abheben und das Reisefieber brach langsam aus.

Frühmorgens kamen wir in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela an. (Anmerkung zur Aussprache: Die Betonung liegt auf dem zweiten "a") Eigentlich hatten wir keinen fixen Reiseplan, und doch hatte ich mich ziemlich gut auf Venezuela vorbereitet. Der Schwerpunkt sollte auf dem Besuch des "Salto Angel" im Urwald von Canaima und Wanderungen in den Anden sein, mit einem möglichen Abschluss an einem Strand an der Karibik.

Gleich nach dem Immigrationsbeamten anerboten sich schon die ersten "freundlichen" Einheimischen uns weiter zu helfen. "Willkommen in Venezuela!" "Wie war die Reise?" "Braucht ihr ein Taxi?" "Wollt ihr Geld wechseln?" Letzteres sollte bei allen das Ziel der vorgetäuschten Freundlichkeit sein: Der Schwarzmarkt des Dollars und des Bolivars. Obwohl der Kurs verlockend besser ist, sollte man eher vorsichtig sein, da es alte und neue Geldscheine in verschiedenen verwirrenden Farben im Umlauf hat und mit den etlichen Nullen ist es auch immer so eine Sache. Ein offizieller Geldwechsel schien angebrachter, wobei es in Zukunft nur noch der Schwarzmarkt werden sollte.

Puerto Ordaz


Nun wohin also? Nach langem hin und her waren wir schlussendlich wieder in der Luft auf dem Weg nach Puerto Ordaz, einem der Ausgangspunkte in den Canaima Nationalpark. Schon im Flughafen wollte uns eine nette Dame von Rudy´s Jungle Tours, welche bald auf den Namen Jungle Helga getauft wurde, eine 500 Dollar teure Tour andrehen, was schon die Hälfte des Budgets aufgefressen hätte. Somit war die nächste Entscheidung auch schon gefällt, gemäss Reiseführer soll es in Ciudad Bolivar preiswertere Offerten geben. Damit wir aber nicht ganz vergebens hierher gekommen waren, besuchten wir noch den "Parque Llovizna". Auf kleinen Pfaden und auf in die Bäche gelegten Asphaltbrocken kreuzte man durch dschungelmässiges Territorium zur grossen Attraktion, einem mächtigen, wild sprühenden Wasserfall, zu dessen Ehren der Park getauft wurde.

Am späteren Nachmittag wollten wir eigentlich weiter ziehen, doch die Warteschlange beim Busbahnhof zog sich über das ganze Areal vor dem Gebäude und liess unser Vorhaben ziemlich hoffnungslos aussehen. Doch nun kommt der Trick für solche Situationen: Man muss 4 weitere Passagiere mit gleichem Ziel um sich scharen und kann sich dann zusammen ein "Por Puesto" (Taxi) leisten. Und los ging´s.

Ciudad Bolivar

Nach etwa einer Stunde befanden wir uns in der Hauptstadt des Staates Guayana, in Ciudad Bolivar. Hier klappte es nun auch mit dem Buchen der "Salto Angel" Tour. Amorita verführte uns einerseits mit ihrem herzigen Lachen und Charme, andererseits mit einem Angebot zur Hälfte des Preises von Jungle Helga.

Alles schien in geregelten Bahnen zu verlaufen. Ein sehr ereignisreicher erster Tag konnte endlich etwas gemütlicher angegangen werden, mit einigen Bierchen an der Strandpromenade des Rio Orinoco.
 

Venezuela Reisebericht  | Caracas | Salto Angel | AndenKaribik |

 

Tepuis Felsformation im Amazonas Regenwald

Auf dem Weg zum Salto Angel im Amazonas Regenwald, vorbei an riesigen Felsformationen, welche "Tepuis" genannt werden in der Sprache des einheimischen Pemones Stammes.

In the Amazon Jungle on the way to Angel Falls, passing this huge rock formation called "Tepuis" in the language of the native Pemones.

 
 

Mit dem Kanu auf dem Rio Carrao unterwegs zum Salto Angel

Nach einem einstündigen Flug und nach vier Stunden in einem “curiare” (indianisches Kanu) die Flüsse Carrao und Churun hinauf, kommt man zum Salto Angel.

Only after an hour-long airplane flight and then about four hours in a "curiare" (indian canoe) up the Rio Carrao and Rio Churun, one can get to Angel Falls.

 

 
 
Salto Angel - höchster Wasserfall der Welt


Salto Angel, der höchste Wasserfall der Welt, fällt eindrückliche 979m vom riesigen Fels Auyantepuy runter in die Teufelsschlucht. Der Wasserfall wurde nach Jimmy Angel benannt, einem Amerikanischen Buschpiloten and Goldsucher, welcher ihn 1937 entdeckte.

Angel Falls, the highest waterfall in the world, drops an amazing 979m down from the gigantic rock Auyantepuy into Devil's Canyon. The waterfall is named after Jimmy Angel, an American bush pilot and gold-hunting adventurer, who discovered it in 1937.

 
 
Canaima Lagune

Die Canaima Lagune im gleichnamigen Nationalpark mit dem wunderschönen weissen Sandstrand und mehreren Wasserfällen.

Canaima lagoon in the National Park of the same name with its beautiful white sandy beach and several waterfalls.

 
 
El Hacha Wasserfall im Canaima Nationalpark

Der Wasserfall “El Hacha” an der Lagune von Canaima. Man kann sogar hinter den Wasserfall gehen, falls man sich nicht scheut nass zu werden.

El Hacha waterfall at Canaima Lagoon. You can even walk behind the fall if you don't mind getting wet.

 
  Canaima Nationalpark

Nach einem etwa stündigen Flug in einem 6-Plätzer, landeten wir auf einer Schotterpiste mitten im Dschungel, bei Canaima, einer Sieglung des Pemón Stammes. Der transporttechnische Anschluss wurde durch ein "Curare", ein längliches, einheimisches Einbaum-Kanu mit einem kräftigen Motor, gewährleistet. Obwohl in den grössten sicher 15 Personen reisen können, teilten wir nur mit einem französischen Pärchen, Roland und Diane. Die 17-jährige Maury sollte unsere Führerin sein, der kleine Luis war bei seiner Mutter ausgerissen, wie wir später erfuhren, um als "Junge für alles" bei diesem Abenteuer teilzunehmen. Der Maschinist, wie der Mann am Motor frei übersetzt genannt wird und der auf dem Bug sitzende Paddel- und Steuermann wechselten während den ganzen 3 Tagen kein Wort mit uns, weil sie gemäss Maury nur sehr schlecht spanisch können.

Salto Angel - Engelsfall

Wir deckten die Rucksäcke und den Proviant mit einem Plastik zu, somit wurden nur wir durch die zahlreichen Spritzern  nass. In rasanter Fahrt kurvten wir den "Rio Carrao" hoch, mitten durch schönsten Dschungel und vorbei an den für die Region typischen "Tepuis", den senkrecht aufsteigenden Sandsteinformationen mit einem flachen Deckel drüber. Das Wort kommt aus der Pemón Sprache und bedeuted nichts weiter als "Berg". Durch die totale Isolation gedeihen angeblich über 1000 sonst vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten auf den "Tepuis". Einer der mächtigsten ist der "Auyantepui" (Berg des Gottes des Bösen), von dessen Dach der "Salto Angel", mit 979 m der höchste Wasserfall der Welt, in die Tiefe stürzt. Der Wasserfall wurde gar nicht nach einer himmlischen Kreatur benannt, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern verdankt seinen Namen einem amerikanischen (andere sagen kanadischen) Buschpiloten, Jimmie Angel, welcher auf der Suche nach Gold auf der Oberfläche des Auyantepui landete, aber dummerweise nicht mehr abheben konnte. Nur durch viel Glück schaffte er nach einer 11-tägigen Odysee die Rückkehr in die Zivilisation wieder.

Der Kapitän bog nun in den deutlich weniger wasserreichen "Rio Churrún". Mit viel Geschick fand er immer die beste Stelle um die nun zahlreichen Stromschnellen anzusteuern, den Motor aus dem Wasser zu heben und sobald wir über die steinige Passage geglitten waren, senkte er ihn wieder und beschleunige sofort, um nicht von der Strömung heruntergerissen zu werden. In den trockenen Monaten November bis Mai ist es manchmal gar nicht möglich auf dem "Rio Churrún" zu navigieren.

Langsam aber sicher drangen wir tiefer in den "Cañón del Diablo" (Teufelsschlucht) ein und der gelblich-rote Fluss wurde immer enger. Schon bald konnte man den mächtigen Engelsfall erkennen. Das Wasser wird durch den Einfluss des Windes eher zu einem Sprühregen, sammelt sich aber am Fusse der Felswand wieder und meistert einen weiteren kleineren Höhenunterschied, um in einer kleinen Lagune zu landen. Genau dort waren wir hingewandert. Ein erfrischendes Bad im Engelswasser durfte natürlich nicht fehlen. So im Wasser auf dem Rücken liegend gegen oben schauend, kam die Grösse des Naturphänomens erst so richtig zur Geltung. Hijole!

Als wir uns auf den Weg ins Camp machten, war es schon am Eindunkeln. Nach einer guten Stunde kamen wir zurück an den Fluss, an dessen Ufer das "Campamento Kavac" lag. Über dem Feuer brutzelten schon drei Tierkörper, welche gemäss dem Feuermeister frisch von ihm gejagte Geier waren. Was zum Geier es auch immer gewesen sein mag, geschmeckt hat es ausgezeichnet. Als "Bettmümpfeli" zirkulierte noch ein Yoghurtbecher mit einer mit Wasser verdünnten, fermentierten Masse aus der Yucca Pflanze. Die wahrscheinlich auch ein wenig durch das leicht alkoholhaltige Wundergetränk beeinflusste Maury erzählte uns bei Kerzenschein noch die Anekdote vom Riesenhamster (Lapa), welchen sie als kleines Mädchen mit einem Stock erschlagen musste, um ihn nicht entwischen zu lassen weil ihr Vater das Tier mit seinem Schuss nur streifte. Oder die folgende Legende ihres Pemón Stammes:

Vom "Rabi Pelado" oder warum das Stinktier stinkt

Ein damals noch gar nicht stinkendes Tier wurde beim Überqueren eines Baches von einem Fisch verschlungen. Doch schaffte es der Fisch einfach nicht dieses Tier zu verdauen und es fing in seinem Magen an zu modern und stinken. Nach einigen Tagen wurde der Geruch so unerträglich, dass er es wieder ausspucken musste. Bis zum heutigen Tage leidet die neue Generation von "Rabi Pelados" an diesem Abenteuer ihres Vorfahren!

Nun aber ab in die Hängematte und unters Moskitonetz, die Mücken bestanden immer hartnäckiger auf ihr Abendessen und zudem fielen mir die Augen fast im Stehen zu!

Frosch und Fröschchen

Beim ersten Morgenlicht kletterte ich aus der Hängematte und erfrischte mich unten am Fluss. Nach einem raschen Frühstück mit "Arepas" (Maisküchlein), Rührei und Kaffee drängte uns die äusserst zeitbewusste Maury zum Aufbruch. Immerhin hatten wir eine fast 4-stündige Bootsfahrt flussabwärts vor uns. In der Nähe des Dörfchens Canaima kletterten wir auf einem glitschigen Pfad hinter die Kulissen des "Hacha" (Beil) Wasserfalls. Über ein Plateau gelangt man zu einer traumhaft schönen Lagune mit zwei weiteren Wasserfällen "Sapo y Sapito", wo man gar nicht anders konnte als die Hüllen fallen zu lassen, um eine Runde zu Plantschen.

Bis am späten Abend verharrten wir mit den beiden Franzosen am weissen Sandstrand der Lagune von Canaima, diskutierten mal auf Deutsch, Spanisch, Französisch oder Englisch, je nach dem wer gerade Wortführer war, über Gott und die Welt, liessen den Blick von den drei im Wasser stehenden (!) Palmen auf die Wasserfälle Golondrina/ Ucaima und zum Sternen überzogenen Himmel und wieder zurück gleiten und genossen mit einer Flasche Cacique Rum diese unbeschreibliche Atmosphäre dieses magischen Ortes!

Rettung aus dem Urwald

"Vamonoss, vamonos!" Durch kräftiges Rufen und Klopfen weckte uns Jesus, der Hüttenwärter, am folgenden Tag auf. Mir brummte kräftig der Schädel, war ich doch noch bis mindestens 4 Uhr mit den Bootsmännern und Führern vor dem Haus eines Typen namens Americo in Gespräche verwickelt. War sehr interessant mal die Sichtweise zum ganzen Touristen Rummel rund um den "Salto Angel" der Einheimischen zu vernehmen. Viele schätzten die somit geschaffenen Arbeitsmöglichkeiten, andere waren der vielen Besucher überdrüssig und gaben zu, ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft oft nur vorzutäuschen. Wieder andere drückten ihren hart erarbeiteten Lohn gleich America in die Hände, damit der ihnen wieder ein kühles Bier aus dem Kühlschrank fischte.

"Das Flugzeug fliegt in 10 Minuten ab!", rief Jesus nun zum zehnten mal.
"Das Flugzeug kann mir mal, ich bleibe liebend gern hier", schrie ich zurück. Trotzdem hüpfte ich unters kalte Wasser der Dusche und packte meine sieben Sachen in Rekordtempo zusammen. In einem Eilmarsch erreichten wir dreissig Minuten später den Flugplatz, nur um zu erfahren, unser Flieger sei mit zwei anderen abgeflogen. Als Trostpflaster diente die Information, in 4 Stunden fliege der nächste. Ganz so schlimm war es schlussendlich nicht, es klappte ein wenig früher, doch mit dem Handikap wieder in Puerto Ordaz landen zu müssen. Immerhin war die Flugroute heute viel attraktiver, über den riesigen Stausee "Guri". Ein weiteres Flugzeug brachte uns in die Hauptstadt Caracas. 
 

Venezuela Reisebericht  | Caracas | Salto Angel | AndenKaribik |

 
Laguna Negra im Nationalpark Sierra Nevada

Eine gemütliche Wanderung führt an die “Laguna Negra”, im Nationalpark Sierra Nevada.

It's a pleasant hike to "La Laguna Negra", in the "Parque Nacional Sierra Nevada". The lake itself has an abundance of trouts.

 
 
Anden Gebirge bei Merida

Die Seilbahn in Merida ist mit 12.5 km die längste und mit 4’765 m.ü.M. die höchst gelegene der Welt. Man sollte schon früh losgehen, sonst verdirbt der Nebel die wunderbare Aussicht.

The cable car in Merida is the longest (12.5 km) and highest (4'765 m above sea level) in the world. Try to go early, as fog can spoil everything.

 
  Weihnachten auf Achse

Der andere Schwerpunkt der Reise sollte ein Aufenthalt in Merida in den Anden werden. Nur an Heilig Abend war tatsächlich der ganze Busterminal geschlossen. Doch keine Bange, gewiefte Busfahrer haben auf eigene Initiative Fahrzeuge aufgetrieben und künden deren Fahrziele lautstark an. "Liegesessel, Merida.... Liegesessel, Merida!" Herz was willst du mehr. Im Kampf um Passagiere stiessen sich die Kundenfänger aggressiv an und verfluchten sich mit allem Erniedrigenden was die menschliche Fantasie so zulässt. Der einte lotste uns wortgewandt als seine Beute andeutend und mit Hilfe seiner Fäuste zu einem weissen Minibus. Das Gefährt offerierte zwar alles andere als herunter klappbare Liegesessel, vielmehr Knie aufreibende Enge. Da es jedoch keine Alternative zu geben schien, nahmen wir die praktisch letzten Plätze ein und tatsächlich ging es wenig später los. Über zwei Bildschirme flimmerten einfallslose Merengue Videos mit sicherlich in die Nähe des Maximums geschraubtem Volumen und die Nachbarin schien auch spätabends noch unzählige, lebenswichtige SMS verschicken zu müssen. "Stille Nacht, heilige Nacht!" Spätestens gegen Mitternacht hatte ich von beiden die Schnauze gestrichen voll. Ziemlich genau beim 16ten mal Pip Piiip des Handys und dem 16ten mal aufwachen, ging dem Bus zu allem Überfluss der Sprit aus, ironischerweise vor einer wegen Weihnachtsfeier geschlossenen Tankstelle. "Oh du Fröhliche!" Alle raus und warten. Hätte ich mir auch nie träumen lassen, vom Weihnachtsmann eines Tages einen Kanister Benzin unter den Baum wünschen zu müssen. "Oh Tannenbaum!" Irgendwie gelangten dann doch einige Tropfen schwarzes Gold in den Tank und auf gleichem Weg zurück wurde eine offene Zapfsäule gefunden. Die Reise konnte weitergehen und nichts hielt mich mehr vom Schlafen ab!

In den Anden bei El Vigia

Dichter Nebel und Nieselregen dominierten den tristen Morgen und vermiesten die Ankunft in der Bergwelt gründlich. Nichts von grün überzogenen Berghängen, schneebedeckten Gipfeln, glasklaren Quellbächen und einladende Seitentälern. Das soll die Anden Stadt Merida sein? Na ja, zuerst mal eine Unterkunft finden. "Zur Posada La Montaña, por favor." "Claro", meinte der Taxifahrer. Im Zentrum angekommen fragte er aber doch nochmals nach dem Namen des Hotels. Es folgte ein Schulterzucken mit entsprechender Grimasse. "No lo conozco, kenn ich nicht!" war die deutliche Antwort. Zur Gedächtnisauffrischung nach der gestrigen eventuell durchzechten Weihnachtsfeier gab ich ihm die Strassennamen gemäss Reiseführer an. "Diese Strassen gibt´s hier nicht!" Ich versuchte es noch mit einem anderen Hotel, aber nur um zu bestätigen, was ich nun irgendwie ahnte und mit meiner nächsten Frage bestätigte: "Wo sind wir hier überhaupt?" Nun war es an dem armen Fahrer mich mit einem "du-blöder-ignoranter-Touristen-Blick" anzuschauen. "El Vigia!" Hä? Karte her, wo sind wir gelandet. Tatsächlich hat uns der Bus statt in den Ort Merida, nur in die erst grössere Ortschaft im Bundesstaat Merida gebracht. Sofort zurück zum Busterminal und immerhin bekamen wir die dubiosen Bushalunken noch zu Gesichte und konnten unserem Ärger noch etwas freien Lauf verschaffen, obwohl das natürlich nichts nützte. Aber um das ging es auch nicht! Ein Bus nach Merida stand schon mit laufendem Motor bereit.

Merida im Bundesstaat Merida

O.K. Zeitmaschine zurück gespult. "Erneute" Ankunft in Merida: Die Sonne strahlte uns entgegen, grün überzogene Berghänge, schneebedeckte Gipfel, glasklare Quellbäche und einladende Seitentäler begrüssten uns. Nur die Unterkunftssuche stellte sich als ein Geduldsspiel heraus in dieser Haupturlaubszeit in Venezuela.

Das Outdoor Angebot in Merida ist riesig: Paragliding, Rafting, Canyoning, Mountain Biking, Wandern und die nahe gelegene Gegend "Llanos" bietet Tiersafaris mit Piranha fischen und Anaconda streicheln. Leider, leider, wie schon so oft bedauert ist´s und bleibt´s ein Kurzurlaub und Prioritäten müssen gesetzt werden und Entscheidungen gefällt werden. Schlussendlich wollten wir uns mit einigen Tageswanderungen begnügen. Es ist halt auch nicht so einfach in Mexiko arbeitend und Pesos verdienend sich die nötigen Dollars zu erwirtschaften um die angebotenen Touren zu bezahlen, welche immerhin zwischen 40 und 50 Dollars pro Tag kosten. Da kam uns Rolando (heimlicher Übername: Rolandiño) genau richtig. Er quatschte uns auf der Strasse an und anerbot sich als Führer. Hand drauf, wir verabredeten uns für Morgen!

Rolandiño

Rolando war irgendwie ein schräger Vogel. Von kleiner Statur mit einem unpassenden Schnauz der gerade mal genug Haarchen hatte um als Schnauz zu gelten, eine kleine, runde Brille auf einer länglichen, spitzigen Nase, welche ihm einen Hauch eines Intellektuellen verlieh und eine vergammelte, ursprünglich wahrscheinlich mal grüne Mütze, welche er um nichts auf der Welt abnahm. Ebenso alt und wenig gewaschen waren sein graues T-Shirt und ein mexikanischer Poncho drüber. Auf der einten Seite wusste er erstaunlich viel über die Tier- und Pflanzenwelt, sowie Geschichte und Kultur des Landes, auf der anderen Seite war mir sein Maulwerk ein bisschen zu lose, mit vielen dubiosen Geschichten wo wahrscheinlich höchstens die Hälfte wahr war. 

Nachdem wir genügend Proviant eingekauft hatten, quetschten wir uns in einen Minibus, welcher uns höher hinauf in die Anden brachte. An dessen Endstation half nur noch der Daumen weiter, um das nächste Transportmittel anzuheuern. Auf der Ladefläche eines violetten Pick-ups überliessen wir unser Leben einem hirnkranken Strassen Rowdy. Trotz der engen und kurvenreichen Bergstrasse mit dichtem Feiertagsverkehr, überholte er an den unübersichtlichsten Stellen, zwängte sich in die sich langsam aufwärts schlängelnde Kolonne, schnitt die Kurven und näherte sich um haaresbreiten an den steil abfallenden Abgrund. Immerhin gelangten wir so schon nach einer Stunden auf den höchsten Punkt der venezolanischen Anden Passtrasse auf 3'500 m.ü.M., beim "Pico el Aguila".

Laguna Mucubaji y Laguna Negra

Ich war echt froh, konnte ich die Verantwortung meines Lebens nun auf meine Beine übertragen. Nach einer kurzen Wander-Aufwärmstrecke erreichten wir bei strahlend blauem Wetter die Lagune Mucubaji. Ein Pfad führte weiter dem Berghang entlang durch den Wald, vorbei an grossen Feldern von dieser fantastischen Pflanze "Fray Leon", mit den bestechend gelben Blüten und geschmeidig weichen Blättern, mit welchen man Tee zubereiten kann, die als Isolationsmaterial zum Zelten dienen und sogar als Notfall Toilettenpapier missbraucht werden können. Na ja, Rolando muss es ja wissen. Unser Tagesziel war die etwas kleinere Laguna Negra, schön in ein Seitental eingenistet und mit einem erstaunlichen Forellenbestand. Danny hatte sich in den Kopf gesetzt unser Abendessen mit blosser Hand fangen zu können, noch nicht wissend, dass er später höchstpersönlich eine Büchse Thunfisch werde öffnen müssen.

Bei Tia Maria

Leider zogen bald dicke Nebelschwaden ins Tal und liess es empfindlich kühler werden, höchste Zeit sich zur Unterkunft zu begeben. Der Plan war, in einem kleinen Dörfchen bei Tia Maria, wo auch Rolandiñho wohnte zu nächtigen. Das Haus war zwar äusserst bescheiden, eine Mischung aus Stall und Wohnhaus, jedoch hübsch am Berghang gelegen, mit einer zwar vernebelten aber doch eindrücklichen Sicht auf die Bergwelt der Anden. Mit einem Bärenhunger machten wir uns sofort ans Kochen. Aus Dankbarkeit wollten wir Tia Maria zu feinen Spaghetti an Thunfischsauce einladen, aber sie traute unserer italienischen Kochkunst wohl nicht so recht und bevorzugte ihr eigenes Nachtessen. Beim Auftischen der mitgebrachten Tequila Flasche leuchteten ihre Augen schon eher auf und sie hielt ihre sonst eher an Kaffee gewohnte Tasse neugierig hin. Ich hatte irgendwie erwartet, die sicher 70-Jährige würde jetzt vorsichtig an der Tasse nippen. Doch weit gefehlt, in einem Schluck war der kostbare Agavesaft Vergangenheit. Sie habe auch ein Wunderwasser, meinte sie, als sie zu einem Holzschrank humpelte. "Miche, Miche", krächzte sie, uns je einen oben am Rand angebissenen Plastikbecher mit dem anishaltigen Likör hinhaltend. Mit gutem Beispiel voran kippte sie ihren Anteil runter und lächelte die jüngere Generation erwartungsvoll an. "Bien, bien", sagte sie wieder in ihrer typischen Manier alles doppelt zu erwähnen. So sassen wir noch eine ganze Weile an diesem Holztischchen, unter einer im Abendwind baumelnden Glühbirne in der Küche und tranken abwechselnd aus den verschiedenen Flaschen und liessen uns von der Grossmutter von den schwierigen und rauen Zeiten als Andenbewohner erzählen.

Gegen Mitternacht schien sie die Bar schliessen zu wollen und führte uns zu unserem Schlafraum. Den Umständen entsprechend konnte nicht viel erwartet werden, aber leere Dosen und sonstiger Abfall auf dem Boden, sowie ein vergammelter Pullover in einer Ecke wirkten ziemlich ausladend. Die Matratze hatte wahrscheinlich schon etlichen Generationen gedient und präsentierte sich jetzt in einer unebenen, wellenartigen Form. Als Bettersatz wurden einige unter der Matratze verteilte Harasse missbraucht. Auch die Fauna war recht eindrücklich: Spinnen, Ameisen, Fliegen, Mücken, Kakerlaken und am Morgen weckten uns einige Kücken, welche von hier aus ihre Mutter beobachteten, wie sie mutig zwei Schweinchen den Eintritt zu verwehren versuchte. Von gut geschlafen konnte wohl kauf die Rede sein!

Aguas Calientes - Heisse Quellen

Unsere heutige Wanderung führte uns auf einem schmalen, zickzackenden Pfad von Tabay die Westflanke der Sierra La Culata hoch, zu einem kleinen Balneario mit heissen Quellen. Die versprochene Sauna war zwar enttäuschend schmuddelig, mit nur einem vergammelten Brett über dampfendem Wasser, welches einem nur halb zum Schwitzen brachte. Umso gediegener liess es sich im heissen Planschbecken sitzen.

Teleferico de Merida - Sierra Nevada


Davon kann ein schweizerisches Bergbahnunternehmen nur träumen: Um die Seilbahn in die Bergwelt des Nationalparks Sierra Nevada zu nehmen, muss man in der Hochsaison tatsächlich mindestens einen Tag im Voraus reservieren, weil sie täglich ausgebucht ist. Die 1958 durch die Franzosen konstruierte Bahn gilt mit 12 ½ km als die längste der Welt und hat zugleich die welthöchste Gipfelstation,  Pico Espejo auf 4'765 M.ü.M. Natürlich gäbe es auch wieder einige lohnenswerte Wanderungen von hier aus, zum Beispiel auf höchsten Berg des Landes, Pico Bolivar, oder ins Andendörfchen Los Nevados. Unsere Helden jedoch befanden sich einmal mehr etwas unter Zeitdruck und begnügten sich mit einer Runde um die Lagunas del Espejo mit anschliessendem Kaffee und Kuchen.

Am Abend hiess es Abschied nehmen von Merida und den Anden, ein Nachtbus sollte uns nach Maracay bringen.
 

Venezuela Reisebericht  | Caracas | Salto Angel | AndenKaribik |

 
Strand an der Karibik in Puerto Colombia

Der herrliche Strand von Puerto Colombia liegt im Nationalpark “Henri Pittier” an der Karibik.

Laid-back Puerto Colombia and its marvelous beaches are beautifully situated in the National Park "Henri Pittier" on the Caribbean Coast.

 
  Henri Pittier Nationalpark

Schnell einige Empanadas frühstücken und gleich weiter. Mit einem uralten amerikanischen Schulbus holperten auf einer attraktiven Passstrasse durch den Henri Pittier Nationalpark. Angeblich soll es hier über 500 verschiedene Vogelarten und sogar Pumas geben.

Puerto Colombia - Karibik

Bei strömendem Regen erreichten wir schlussendlich den kleinen karibischen Küstenort Puerto Colombia. Nach einer etwas mühsamen Hotelsuche übernahm aber wieder die strahlende Sonne das Zepter und lud zum verdienten Strandurlaub im Aktivurlaub ein. Bei der "Chueca" (einer horizontal gewachsenen Palme) sollte unsere Handtuch-Basis sein. Ein gutes Buch zur Hand, herrlichste Aussicht aufs karibische Wellenspiel und in regelmässigen Abständen brachte ein Bierverkäufer den willkommenen Nachschub vorbei.... Herz was willst du mehr?! Abends luden etliche kleine Restaurant und Bars zum Verweilen und Verweilen und Verweilen bis zum Sonnenaufgang. Umso schwieriger ist es halt sich davon loszureissen, nach Caracas zurück zu reisen und den Rückflug anzutreten...
 

 

Mehr Reiseberichte aus Südamerika? Wie wäre es mit Bolivien...

 

Reiseberichte
Home > Reiseberichte > Südamerika > Venezuela
| Sitemap | Links | Guestbook | Contact |  
 
Copyright © www.camino10.com. All rights reserved.
last update Juni 2009