Reisebericht der Bahnfahrt von Yichang nach Xi'an

Reisen in China

Unsere vorherige Etappe der Rundreise durch China hatte uns auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Yangtze Fluss durch die Drei Yangtze Schluchten geführt, von der Millionenmetropole Chongqing in die Stadt Yichang. Da es hier eigentlich nicht viel zu tun und zu sehen gab, wollten wir baldmöglichst die Reise fortsetzen und den Zug nach Xi'an nehmen.

Ausgebuchte Bahnfahrt

Doch die Beschaffung von Bahntickets war gar nicht so einfach wie wir uns das vorgestellt hatten, es waren nämlich schlicht keine mehr zu haben, weder für heute, noch für die nächsten zwei Tage. Der Zug war ausgebucht. Auf der Taxifahrt zu einem Hotel klagte ich dem Fahrer, einem ausnahmsweise englisch sprechenden Studenten, die Situation vor. Zu meiner Überraschung meinte er, er werde schauen was er tun könne, er komme heute Abend im Hotel vorbei.

Heisses Yichang

Zwischenzeitlich spazierten wir durch die Neustadt von Yichang. Doch bei 40 schweisstreibenden Grad war das weder ein Vergnügen noch eine gute Idee. Wir flüchteten uns in ein klimatisiertes Restaurant und verbrachten die nächsten beiden Stunden mit chinesischen Spezialitäten und dem Schreiben des Reiseberichtes.

Schwarzmarkt der Bahntickets

Nun war ich ja wirklich gespannt, ob wir den Taxifahrer im Hotel wieder sehen würden. Tatsächlich erwartete er uns schon in der Rezeption, freudig strahlend überreichte er mir einen Umschlag mit den heiss begehrten Zugtickets für die chinesische Staatsbahn. Natürlich waren diese auf dem Schwarzmarkt einiges teurer, doch war uns die Möglichkeit der Fortsetzung der China-Reise jeden Renminbi wert.

Nachtzug von Yichang nach Xi'an

Bahnreise in China

Dank dem Freund eines Freundes des Taxifahrers sassen wir am nächsten Tag tatsächlich auf den uns zugewiesenen Pritschen eines 6er Abteils des Zuges von Yichang nach Xi'an. Die Luft war stickig an diesem frühen Nachmittag. Trotz des durch die offenen Fenster eindringenden Fahrtwindes und den fleissig ratternden Ventilatoren war es unerträglich heiss. Neben uns wurde Karten gespielt, drei Abteilmitbenützer gegen eine Auswahl des Nachbarabteils. Ein junger Chinese grüsste mich aus irgendwelchen Gründen auf französisch, schien aber zu erschrecken, als ich ihm in der selben Sprach antwortete. Also legte er lieber seine Reisetasche auf das Bett und verschwand wieder.

Die Abteile waren alle türlos, was selbstredend die Blicke aller vorbeigehenden Passagieren mit sich brachte. Und als Ausländer wird man gerne mal gründlich von Kopf bis Fuss gemustert. Doch musterte ich interessiert zurück. Kinderreiche Familien hatten sich häuslich eingerichtet und trotzdem hielten es die Bengel nicht lange aus und rannten vergnügt umher. Einige Reisende waren schon kurz nach Abfahrt im Schnarch-Modus. Ältere Herren entblössten gerne ihre Oberkörper, um den hohen Temperaturen zu trotzen. Einer stolzierte den ganzen Abend in diesem Wagon Nummer 11 hin und her, als ob er ihn beschützen müsste und ich zählte gar nicht mehr, wie oft er mir in dem engen Korridor auf die Füsse getrampelt war.

Hauptverkehrszeit

Überhaupt herrschte eine unglaubliche Geschäftigkeit unter den Chinesen. Keine Ahnung woher all die Leute kamen und wohin sie gingen. Konstant drängten sich Passagiere vorbei. Scheinbar brauchten sie einfach die Bewegung und durchliefen den ganzen Zug hin und zurück. Obendrauf passierten noch etliche fliegende Händler die Korridore, einige balancierten Melonen-Schnitze auf einem Tablett, andere schoben blecherne Karren mit eisgekühlten Getränken und Fertignudeln vor sich her. Auch bei den Bahnhöfen wurden durch die Fenster jeweils Fleischgerichte mit Gemüse und Reis angeboten, für das leibliche Wohl war also gut gesorgt, wie in so vielen Ländern in Asien.

Chinesischer Duftmix

China wäre nicht China, wenn das Duftorgan nicht auch etwas von dieser Reise gehabt hätte: Essen, Füsse, Schweiss, Toilette - ein wenig angenehmer Duftmix reiste mit. Und statt diese penetranten Gerüche zu vertreiben, schienen die Ventilatoren das ganze nur noch zu verschlimmern. Doch bei dem abwechslungsreichen Fensterkino, den vielen Models auf dem Korridor-Laufsteg und einem guten Buch war für genug Abwechslung gesorgt und die 16 Stunden im Zug vergingen wie im Fluge.

Und am darauf folgenden Morgen erwartete uns schon Xi'an mit der bekannten Terrakotta-Armee und anderen Attraktionen.