Reisebericht Drachenrücken-Reisterrassen von Longsheng


Die Reisterrassen von Longsheng oder Longji sind ein fotografisches Highlight einer Reise durch den Westen von China. Vom Tourismusmagnet Guilin ist das Städtchen Longsheng mit einem öffentlichen Bus erreichbar. Von dort gelangt man mit Kleinbussen in die abgelegenen Bauerndörfer, mitten im Anbaugebiet mit terrassierten Reisfeldern soweit das Auge reicht. Wegen ihrem Aussehen wie die in der Sonne schimmernden Schuppen eines Drachens, werden sie auch Drachenrücken-Reisterrassen genannt.

Wie man in China Brücken überbrückt

In der einsamen Grenzregion zwischen den beiden chinesischen Staaten Guangxi und Guizhou, war der Bus die einzige Möglichkeit zu reisen. In der Stadt Guilin war alles noch sehr nobel, all 20 Minuten fuhren die Busse gegen Nordwesten und es war kein Problem einen Platz zu erlangen. Doch die Fahrt sollte nicht lange dauern, eine Baustelle bei einer Brücke machte ein Weiterkommen unmöglich. Doch durch Zufall oder gut organisiert, stand auf der anderen Seite des Flusses ein anderer Bus bereit uns aufzunehmen. Also, schnell durch den Dreck stampfen und auf einem Beton Mäuerchen balancierend die Brücke überqueren und weiter ging die Reise.

Unterwegs mit dem Mitternachts-Express

Die Gegend von Longsheng/Longji ist bekannt für die auf steilen Berghängen angelegten Reisterrassen. Deshalb hatten wir vor, von Longsheng aus in ein Reisbauern-Dorf zu gelangen, um uns das genauer anzusehen. Sobald der Bus auf einem dreckigen Innenhof in Longsheng zu einem Halt kam, umringten uns schon einige wunderschön gekleidete junge Frauen und wollten uns ihre Unterkunft in ihren Dörfern schmackhaft machen. Wie so oft beschränkte sich die Konversation auf die paar Fotos die sie uns zeigten und auf die Zeichensprache. Somit wählten wir einfach mal die netteste der Damen aus und folgte ihr zu einem Minivan, der uns in ihr Dorf bringen sollte.

Reisebereit hockten wir nun zu zehnt mitsamt Gepäck in diesem 8-Plätzer. Doch der Fahrer war noch mit jemandem in ein heftiges Gespräch verwickelt. Bald darauf mischten sich die anderen chinesischen Fahrgäste auch einer nach dem anderen ein, jeder gab seinen Kommentar ab und die Stimmen wurden immer lauter. Ich schätzte mal, da wollte noch jemand unbedingt mitfahren und da es schon am Eindunkeln war, war dies vielleicht die letzte Möglichkeit. Also opferte halt ein Fahrgast seine Beine als zusätzlichen Sitz. Nun rumpelten wir endlich los. Nach einer guten halben Stunde merkte der Fahrer aber, dass er zu wenig Benzin haben würde um ans Ziel zu gelangen. Also fuhren wir diese halbe Stunde wieder zurück um zu tanken.

Reise zum Reis

Und nochmals ging es los. Meine Beine schmerzten mich jetzt schon wegen dem drückenden Rucksack auf den Knien und Null Beinfreiheit. Doch es sollte noch einiges schlimmer werden. Die fehlende Kommunikation rächte sich mächtig. Das angepriesene Dorf mit den Reisterrassen war alles andere als in der Nähe von Longsheng. Der VW-Bus stieg sicher noch zwei Stunden bei stockdunkler Nacht den Berg hoch und bei dieser immer gleichen Sitzposition kam ich effektiv an die Schmerzgrenze. So viel zu Verständigungsproblemen mit verführerisch hübsch gekleideten Einheimischen.

Reise zum Reis

Chinesisches Dorf mitten im Reisfeld

Endlich stoppte das Fahrzeug und wir wurden aufgefordert auszusteigen. Wir hatten einen Bärenhunger und waren todmüde, doch vorerst gab es weder Essen noch Schlaf. Es stellte sich heraus, dass unsere Gastgeber nicht unten im Dörfchen Dazhai lebten, sondern weit oben, mitten in den Drachenrücken-Reisterrassen. Eine echte Herausforderung, mit schwerem Backpacker-Rucksack auf einem nur mit der Stirnlampe angeleuchteten schmalen Pfad durch die Reisfelder hoch zu steigen. Es war ein Wechselbad der Gefühle, zwischen purer Verärgerung über die spätabendlichen Strapazen und grossem Staunen und Bewunderung der agrikulturellen Meisterleistung der Chinesen in der Reiskultur. Völlig verschwitzt erreichten wir nach über einer Stunden Nachtsport das eindrückliche Wohnhaus der Familie des Lockvogel-Mädchens, welche quickfidel voraus getänzelt war. Obwohl es schon gegen 23 Uhr nachts war, tischten uns die gastfreundlichen Familienmitglieder noch ein währschaftes Abendessen auf - unnötig zu erwähnen, dass Reis ein wichtiger Bestandteil war.

Guten Morgen China

Am nächsten Morgen konnten wir schon von unserem bescheidenen Zimmer aus die ganze Pracht der Reisterrassen bewundern. Auf allen Seiten glitzerte das Wasser der künstlerisch terrassierten Reisfelder im ersten Morgenlicht. Das Volk der Dong und Yao kultiviert auf den Hängen in der Bergwelt von Guanxi seit Jahrhunderten ihre Reisfelder. Reis ist natürlich das Hauptnahrungsmittel und wenig erstaunlich wurde uns zum Frühstück eine Schüssel Reis mit einigen Stückchen Gurke aufgetischt.

Reisterrassen beim Dorf Dazhei

Drachenrücken-Reisterrassen von Longsheng

Bei Tageslicht und ohne Rucksack war es dann ein wahres Vergnügen auf den steilen Fusswegen die smaragdgrün leuchtenden Reisterrassen zu erklimmen. Hie und da begegneten wir lokalen Bauern, welche wir mit dem bestmöglichen "Ni hao" begrüssten und uns gegenseitig freundlich zunickten. Auf den Feldern waren nur wenige Leute beim Arbeiten zu beobachten. Wir passierten das eint oder andere urige Bauerndorf. Die zwei- und dreistöckigen Holzhäuser stehen so eng zusammen, dass sich nur sehr schmale Gassen zwischen ihnen bahnen.

Abreise aus Dazhei

Am Nachmittag warteten wir mit vielen Einheimischen bei einem Unterstand ausserhalb von Dazhai auf ein Transportmittel. Wir schienen Glück zu haben, schon bald kurvte ein Minibus hupend heran. Andererseits hätten all die Leute sicher drei bis vier Busse füllen können. Ob wir wohl einen Platz ergattern könnten? Lustigerweise stellte sich heraus, dass die paar Holzbänke der Haltestelle als Treffpunkt der Bewohner von Dazhai zu einem gemütlichen Schwatz dienten und schlussendlich stiegen gerade mal fünf Chinesen in den Bus ein.

Die enge Schotterstrasse wand sich holprig zwischen den Bergflanken und einem stattlichen Bach das Tal hinaus. Eine Konzentrationsnachlässigkeit hätte fatale Folgen gehabt. Doch der geschickte Fahrer meisterte die Strecke zurück nach Longsheng problemlos.

Mein nächstes Reiseziel in China sollte die Stadt Chongqing sein, von wo ich die Kreuzfahrt auf dem Yangtze-Fluss unternehmen wollte.