Pura Vida in den Nationalparks von Costa Rica

Die Mountainbike Reise führte zuerst in den Norden von Costa Rica, zum Vulkan Arenal und dem Arenal-See. Der Monteverde Nebelwald bietet verschiedenste Outdoor Aktivitäten, wie den Sky Walk und zip-lining. Im Rincón de la Vieja Nationalpark begeistert ein Netzwerk von Singletrails, sowie die natürlichen Attraktionen wie blubbernde Schlammbecken und heisse Quellen. Nach einem Aufenthalt im Palo Verde Nationalpark radelten wir entlang der Pazifischen Küste auf der Nicoya Halbinsel, von Sámara über San Miguel und Malpais nach Montezuma. Die Downhills bei den Vulkanen Irazú und Turrialba waren die nächsten Highlights. Die attraktive Bikestrecke vom Orosi-Tal bis in den Nationalpark Manuel Antonio, mit seinen traumhaften Stränden und reichhaltigen Flora und Fauna, bildete einen wunderbaren Abschluss der Bikereise durch Costa Rica. Pura Vida, das volle Leben wie die Costa Ricaner so treffend sagen.

Vulkan Arenal und Arenal-See

Nein, er spuckt momentan keine Asche und keine Lavaflüsse ziehen die Flanken runter. Der Vulkan Arenal verzeichnete 1968 seinen letzten grossen Ausbruch. Seither ist er mal mehr, mal weniger aktiv. Was bleibt ist ein wohlgeformter konischer Berg wie er schöner nicht sein könnte. Um den 1670 m hohen Vulkan in seiner vollen Pracht zu bewundern ist jedoch auch Glücksache, der meist tief hängende Nebel kann ein Spielverderber sein. Das dachten wir frühmorgens auch, als wir uns auf die Bikesättel schwangen und von La Fortuna aus los pedalten. Nach der Hälfte der Umrundung verdrängte der Wind plötzlich die weisse Abdeckung und für einen kurzen Zeitraum präsentierte sich uns der Vulkan Arenal nackt.

Die Mountainbike Strecke entlang dem südlichen Ufer des Arenal Stausees ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn der Rio Caño Negro zu viel Wasser führt, wird aus dem Bach ein reissender Fluss. Brücke Fehlanzeige. Heute war der Wasserstand nur hüfttief, also in der Kategorie abenteuerlich, aber nicht gefährlich. Dafür vermieste ein anderes Naturphänomen beinahe den Tag. Die heftigen Regenfälle der letzten Tage hatten Landrutsche verursacht. Riesige Schlammmassen hatten die Naturpiste zerstört, ein Verbotsschild machte die Verhältnisse klar. Doch mit den Mountainbikes müsste das doch irgendwie gehen, oder? Der Bauarbeiter in seinem monströsen Bagger, der bereits bei den Aufräumarbeiten war, zuckte mit den Schultern. "Locos", verrückt nannte er uns und winkte uns vorbei. Knietief kämpften wir durch den rotbräunlichen Dreck und versuchten die Bikes so gut es ging zu schonen. Natürlich hinterliess diese Schlammschlacht ihr Spuren. Mit neuerdings einheitlichen Bikes und einheitlichen Biketrikots spulten wir noch die letzten Kilometer entlang dem See ab.

See und Vulkan Arenal

Die erste Bike-Etappe führte an den Fuss des Vulkans Arenal und dem Arenal-See entlang.

Monteverde Nationalpark

Der Monteverde Nebelwald ist wegen seiner reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt eines der Highlights einer Reise durch Costa Rica. Auch als Mountainbiker wollten wir uns diesen Spass nicht entgehen lassen. Als Top-Attraktion gilt der Sky Walk, ein hoch in den Baumkronen angelegtes Wegnetz mit Hängebrücken. Oder wie wäre es mit einer Canopy-Tour (zip-lining), bei der man am Drahtseil hoch über dem Regenwald von Plattform zu Plattform gleiten kann.

Zum Biken hatten wir uns eine Strecke westlich des Nationalparks ausgesucht, eine liebliche Hügellandschaft mit herrlichen Ausblicken über das ländliche Costa Rica. Die hier typischen Nebelschwaden, welche durch die Täler zogen, schenkten der Region einen mystischen Touch. Als wir die Panamericana erreichten, die Hauptverbindungsstrasse quer durch Mittelamerika, entschieden wir uns für das Verladen der Fahrräder und eine Transferfahrt in die Lodge unweit von Liberia. Morgen wollten wir wieder fit sein für die Erkundung des Rincón de la Vieja Nationalparks.

Mountainbike Tour bei Monteverde

Unterwegs vom Monteverde Nationalpark zur legendären Panamericana Fernstrasse.

Rincón de la Vieja Nationalpark

Die Gegend des Rincón de la Vieja Nationalparks wird uns immer in bester Erinnerung bleiben. Über 30 Kilometer Singletrails durchdringen den tropischen Wald an den Hängen des Vulkans – ein riesiger Tummelplatz für Fans von Dschungel-Trails. Die Routen mit den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sind farblich markiert. Trotzdem ist es empfehlenswert sich lokalen Bikern anzuschliessen oder zumindest GPS-Support zu haben. Wadenkraft und technisches Geschick sind Voraussetzungen für den uneingeschränkten Fahrspass. Nasse Füsse bei den Flussüberquerungen gehören zum Gesamtpaket. Die meist asphaltierte Zubringerstrasse in den Nationalpark wird immer wieder überquert, somit ergeben sich etliche Zustiege wie auch Ausstiege aus dem Trail-System.

Wir sind kurz nach der Ortschaft Curubande rechterhand in den Trail eingestiegen. Ein feucht fröhlicher Wurzel-Trail mit zusätzlich lose herumliegenden Ästen erforderte von Anfang an einiges an Bikeakrobatik. Die Route führte meist leicht aufwärts und zeigte sich von seiner wilden Seite. Die Bäche durchfuhren wir mal volle Pulle auf gut Glück oder schulterten das Fahrrad, um blamable Stürze zu vermeiden. Besonders spassig war die Durchquerung eines Maisfelds. Dieses war dermassen dicht bepflanzt, dass keine Route mehr ersichtlich war und nur mit viel Dusel, andere nannten es Instinkt, fanden wir den Pfad irgendwo wieder. Umzingelt von dichten Baumriesen, erhaschten wir nur selten einen Blick des in scheinbar weiter Ferne thronenden Gipfels des Rincón de la Vieja Vulkans. Erst als es langsam begann einzudunkeln und wir notgedrungen das Trail-Biking abbrechen mussten, konnten wir von unserer Lodge aus den eindrücklichen Bergriesen als Silhouette im Abendhimmel bewundern.

Biking im Nationalpark Rincón del la Vieja

Biking auf einem Singletrail im Rincón del la Vieja Nationalpark.

Vom Palo Verde Nationalpark an den Pazifik

Früh morgens mit den ersten Sonnenstrahlen fuhren wir mit den Mountainbikes auf einer Naturpiste durch den Palo Verde Nationalpark bis an den Rio Tempisque. An der Anlegestelle erwartete uns bereits ein Motorboot für den Transfer flussabwärts. Einer nach dem anderen hievte sein Bike auf das Boot und los gings. Der Nationalpark ist bekannt als Nahrungsgebiet für eine Vielzahl von Wasservögeln. Wir wurden nicht enttäuscht. Der Kapitän hatte ein gutes Auge für Flora und Fauna der Region. Er steuerte die Brutplätze der unterschiedlichsten Vogelarten an, zeigte uns sich sonnende Iguanas, Krokodile bei der Siesta und lautstarke Affenbanden schienen uns begrüssen zu wollen oder wünschten uns zum Kuckuck... wieder Interpretationssache.

Im Dörfchen Puerto Humo sattelten wir die Mountainbikes wieder. Es galt noch 65 Kilometer und fast 1000 Höhenmeter zurückzulegen, quer über die Nicoya Halbinsel bis an die Pazifikküste. Wir radelten durchs wildromantische Hinterland, welches meist durch die Bauern bebaut wird. Hie und da begegneten wir den fleissigen Campesinos, welche uns freundlich grüssten. Je näher wir der Küste kamen, desto hügeliger wurde die Landschaft. Mancher Schweisstropfen musste noch vergossen werden bis wir in Samara endlich das Meer erblickten.

Radtour am Pazifik

Radeln entlang dem Strand des Pazifischen Ozeans.

Biketour entlang dem pazifischen Ozean

Irgendwo führt eine Strasse für den motorisierten Verkehr zur Südspitze der Halbinsel. Diese versuchten wir tunlichst zu vermeiden. Auf einsamen Jeep-Tracks, verlassenen Naturpisten und unberührten Sandstränden bikten wir möglichst nahe der Küstenlinie entlang. Die kniffligste Passage war der Rio Bongo. Wir wurden vor reissendem, brusttiefem Wasser gewarnt. Unter uns verbreiteten wir das Gerücht von Krokodilen. Nichts traf zu! Trotzdem gab es eine nicht ungefährliche Strömung und das Wasser reichte bis zu den Hüften... den gross gewachsenen unter uns. Sich gegenseitig aushelfen war selbstverständlich. Die einen balancierten Rucksäcke auf den Köpfen, die anderen schulterten die Mountainbikes. Und so meisterten wir die nasse Querung des Flusses ohne Zwischenfälle und die Begegnung mit Krokodilen wollten wir uns für einen passenderen Moment aufheben.

Mountainbiker bei Flussquerung

Mountainbiker bei der Querung des Rio Bongo Flusses.

Jungle-Trail nach Montezuma

Die vermeintlich kurze und einfache Etappe entpuppte sich als herausforderndes Unterfangen. Die intensiven Regenfälle über Nacht hatten die Trails in eine rutschige und kraftintensive Tortur verwandelt. Fiese Rampen taten das ihre. Über 40° Steigung behauptete das GPS-Gerät. Und zu allem Übel regnete es immer noch. Doch sind solche abenteuerliche Etappen nicht genau der Reiz einer Mountainbike Reise? Dieser unvergessliche Jungle-Trail nach Montezuma war Bike Adventure pur im Pura Vida Land.

Durch den costa-ricanischen Dschungel

Mountainbiker unterwegs im tropischen Wald auf einer Naturpiste nach Montezuma.

Zwischen den Vulkanen Irazú und Turrialba

Der Irazú ist mit 3432 m der höchste Vulkan in Costa Rica. Die grosse Frage ist nur immer, ob man den Vulkankrater je zu Gesicht bekommt. Meist hüllt sich der mächtige Berg in einen dicken Nebel- und Wolkenschleier. Schon beim Frühstück fieberten wir mit. Jede neue Konstellation der Wolken wurde kommentiert und gedeutet. Werden die Sonne und ein blauer Himmel siegen?

Der Aufstieg war nie steil aber schien nicht aufhören zu wollen. Kurve um Kurve schraubte die Strasse sich nach oben. Die fruchtbaren Hänge des Vulkans werden intensiv für die Landwirtschaft genutzt. Der Anbau von Gemüse und Kaffee scheint besonders lukrativ zu sein für die hier ansässigen Bauernfamilien.

Wir hatten Wetterglück. Oben angekommen eröffnete sich uns ein fantastisches Bild auf den Krater. Was für eine Naturmacht war hier am Werk, um dieses riesige Loch auszuheben! Nach einem Spaziergang auf dem Lavafeld entlang dem Vulkankrater rüsteten wir uns für das Downhill. Das erste Mal in Costa Rica musste eine winddichte Outdoor-Jacke aushelfen. Einige Hundert Höhenmeter später waren wir jedoch bereits overdressed und das Kurzarmtrikot kam wieder zum Einsatz. Wir traversierten die Bergflanke und bekamen bald darauf den Vulkan Turrialba mit seiner perfekten, sinnlichen Prägung zu Gesicht. Filigrane Kurventechnik war angesagt für die Fortsetzung der Abfahrt. Der zivile Fortschritt bescherte uns alsbald eine asphaltierte Strasse, was die Geschwindigkeit zusätzlich erhöhte. Der Downhill-Fun entschädigte für die Plackerei bergauf. In einer gemütlichen Lodge im Orosi-Tal liesen wir bei einer wohlverdienten Cerveza Imperial die Etappe Revue passieren und freuten uns auf das morgige Schlussbouquet.

Krater Vulkan Irazú

Der Krater auf dem Vulkan Irazú war der höchste Punkt der Bikereise.

Über die Cordillera Central in den Manuel Antonio Nationalpark

Wir standen oben auf dem Bergzug auf 2300 m Höhe. Irgendwo, unendliche Hügelkuppen weiter vorne, musste der Pazifische Ozean sein, unser grosses Ziel. Der Blick schweifte der kurvenreichen Route folgend runter ins Tal. Eine Strecke für Geniesser ohne technische Schwierigkeiten, ein fast and furious Downhill. Los geht’s! Gebremst wurde nur wo zwingend notwendig, wir verliessen uns auf den mitfahrenden Schutzengel.

Nach der Mittagsrast folgte die logische Konsequenz einer langen Abfahrt... eine saftige Steigung, um wieder Höhenmeter zu gewinnen. Ehrlich gesagt war dieser Teil sogar relaxter. Sobald wir mal eine passable Trittfrequenz intus hatten, konnten wir die wild-romantische Landschaft so richtig wahrnehmen. Wir drangen immer tiefer in den dichten Urwald und ins Niemandsland ein. Mit einem Schwenk nach links war der höchste Punkt erreicht.

Dies schien auch einen Einfluss aufs Wetter zu haben. Es fing mit einem feinen Sprühregen an und steigerte sich dann in einen heftigen Tropenschauer. Auf einer steilen, steinigen Piste liessen wir die Federung unserer Mountainbikes wieder so richtig schwer arbeiten. Die arg strapazierten Bremsbelägen begannen zu dampfen und stinken. Der Regen schien immer noch intensiver zu wüten. Gräben und Schlaglöcher mit Regenwasser mussten geschickt umfahren oder übersprungen werden. Wir mussten höllisch aufpassen, nicht ein Opfer der klimatischen Kapriolen zu werden. Als es endlich aufhörte zu stürmen, wurden wir paradoxerweise noch nässer! Als grosse Finalissima durchwateten wir den stark angeschwollenen Rio Paquita. Dann war es geschafft, wir befanden uns wieder auf Meereshöhe an der pazifischen Küste beim Manuel Antonio Nationalpark, dem Endpunkt unserer Radreise durch Costa Rica.

Im Manuel Antonio Nationalpark und an seinen traumhaften Stränden liessen wir unsere Bikeferien gemütlich ausklingen und schwelgten in den Erinnerungen und Erlebnissen der letzten beiden Wochen mit dem Pura Vida Feeling in Costa Rica!

Manuel Antonio Nationalpark

Ein Brüllaffe im Manuel Antonio Nationalpark, ausnahmsweise mal ohne zu brüllen.

Video: Costa Rica Mountainbike Reise