Mit dem Fahrrad auf einer Rundreise durch den Westen Kubas

Auf einer Radreise durch Kuba bleibt ausreichend Zeit, Land und Leute intensiv auf sich wirken zu lassen. Tropische Palmenfelder, üppige Regenwälder, grosszügige Tabakplantagen und schneeweisse Sandstrände. Eine Rundreise mit dem Farrad garantiert Abenteuer und Überraschungen und herzliche Begegnungen mit den Kubanern. Prachtvolle Kolonialstädte und architektonische Schätze in Havanna entdecken, die surreale Landschaft bei Viñales besuchen, Fidel Castros legendären "socialismo tropical" kennen lernen, den Kult um den Revolutionshelden Ernesto "Che" Guevara verstehen, die lebenslustigen und herzlichen Kubaner erleben, Cuba Libres und Mojitos degustieren, das karibische Flair und Klima geniessen. Das Bike ist das ideale Transportmittel um Kuba authentisch zu erleben!

Kapitol Havanna

1960er Jahre Oldtimer vor dem Capitolio von Havanna.

Von Havanna in Richtung westliches Kuba

Wir starteten unsere Veloreise in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Entlang der Küstenstrasse genannt Malecón, mit seinen teils hübsch renovierten Kolonialbauten und teils sträflich verkommenen Häusern, kamen wir in die noblen Vororte Vedado und Miramar. Palmengesäumte Boulevards lösen die engen Strassen von Havanna Vieja, der Altstadt Havannas ab. Die Fahrt aus der Metropole zog sich in die Länge, die verbaute Fläche mit den Wohnbauten der rund 2.5 Millionen Einwohnern ist immens. Dafür ist der geringe Motorisierungsgrad verantwortlich, dass die Strassen häufig sehr schwach befahren sind, paradiesische Zustände für Radfahrer. Endlich öffnete sich auch die Landschaft und der Häuserdschungel blieb nun definitiv hinter uns.

Der erste Höhepunkt der Biketour war das Biosphärenreservat Sierra del Rosario, mit vielen endemischen Tier- und Pflanzenarten. Ein asphaltiertes Strässchen wand sich durch eine wildromantische Hügellandschaft mit dichten Wäldern und tropischer Vegetation. Mitten im Grünen, am Lago de San Juan, liegt die kleine Kommune von Las Terrazas. Die Ortschaft ist auch ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen zu Wasserfällen und Kaffeeplantagen.

In Soroa anerbietet sich der Besuch des Orquidareo, einem Botanischen Garten mit rund 6000 Pflanzenarten aus aller Welt, davon 700 Orchideen. Nicht selten kann man hier auch den Tocororo, den kubanischen Nationalvogel beobachten.

See bei Terrazas

Die reizende Umgebung beim Badesee von Terrazas im Biosphärenreservat Sierra del Rosario.

In der Sierra del Rosario

Auf kaum befahrenen Nebenstrassen radelten wir dem mächtigen Gebirgszug der Sierra del Rosario entlang. Der magere Verdienst im sozialistischen System Kubas verhindert weitgehend den Privatbesitz von Fahrzeugen, weshalb man auf den Strassen häufiger Ochsen- und Pferdefuhrwerken begegnet als Autos. Und wenn mal ein Auto kommt, scheint dieses aus einem Automuseum entwendet worden zu sein. Uralte Chevis und Fords der 50er und 60er Jahre schnaufen unwesentlich schneller an uns vorbei und überlassen unseren Lungen eine Dosis stinkende Abgase. Eine Reise nach Kuba ist gleichzeitig eine Zeitreise zurück in eine vergangen geglaubte Epoche.

Nach etwa 80 km erreichen wir das einstige Thermalbad San Diego de los Baños. Einstig, weil das Kurbad völlig zerfallen ist und das Geld für die dringend benötigte Renovation schlicht fehlt.

Radfahrer unterwegs im Westen Kubas

Radfahrer unterwegs im La Güira Nationalpark im Westen von Kuba.

La Güira Nationalpark mit der Che Guevara Höhle

Die heutige Radetappe führte uns auf hügeligen und anspruchsvollen Strassen durch die Wälder des Nationalparkes La Güira. Die typische ländliche Naturlandschaft im Westen von Kuba mit wunderschönen Ausblicken, liess uns die Anstrengung rasch vergessen.

Nach der ersten Passhöhe und der folgenden Abfahrt, erreichten wir in einem hübschen Tal, inmitten des üppigen Regenwaldes, die Höhle Cueva de los Portales. Die Höhle diente Che Guevara als Hauptquartier während der Kuba-Krise im Jahre 1962, als Kuba die militärische Invasion der USA befürchtete.

In der Region von Viñales wachsen spektakuläre Felsformationen (Mogotes) gegen den Himmel. Inmitten der rot gefärbten Talböden und Tabakplantagen thronen die mächtigen Karstkegel und formen eine fast surreale Landschaft, welche mit Bestimmtheit zu den schönsten in Kuba zählt. Zum Übernachten in Viñales anerbietet sich das Hotel Los Jazmines, welches einen besonders eindrücklichen Ausblick auf die Mogotes bietet.

Höhle Cueva de los Portales

Der Eingang zur Höhle Cueva de los Portales, wo Che die Kuba-Krise meisterte.

Viñales Nationalpark

Heute morgen ging es mal so richtig off-Road und wir waren froh, dass wir für unseren Radurlaub auf Mountainbikes gesetzt hatten. Ein abenteuerlicher Trail führte mitten durch die Tabakfelder und zwischen den für das Viñales-Tal charakteristischen Karstkegel durch. Bei einem der Mogotes haben Künstler ein monumentales Wandgemälde geschaffen, das Mural de la Prehistoria, welches die Evolutionsgeschichte der Menschheit darstellt.

Es folgte ein Teilstück auf der regulären Strasse bis Pons. Bei drückender Hitze kam uns der Stand einer Guarapera, welche Zuckerrohrsaft herstellt, genau richtig. Das Getränk ist ungemein erfrischend und eine willkommene Abwechslung zum lauwarmen Wasser der Trinkflasche. Eine Gruppe kubanischer Rennradfahrer hatte sich auch hier zur Verschnaufpause eingefunden. Die Fahrräder waren sogar in einem erstaunlich guten Zustand und die Fahrer sehr ambitioniert Sie erzählten von der grossen Kuba-Rundfahrt, bei der die ganze Insel durchfahren wird, jedoch mangels Finanzen dieses Jahr nicht stattfinden konnte.

Auf einer holprigen Naturstrasse drangen wir tiefer in den Viñales Nationalpark ein. Die Kinder hatten soeben die Schule beendet, kamen uns in ihren weissroten Schuluniformen entgegen und winken uns vergnügt zu. Pferde und Ochsen zogen Wagen mit Güter oder mit uns lautstark anfeuernden Kubanern. Palmen säumten den Weg, hie und da passierten wir die einfachen Behausungen der Bauern. Die Familie Chavez lud uns freundlicherweise zu sich ein und wir genossen ein feines Mahl mit dem traditionellen Reis und Bohnen, gerösteten Bananen und zur Feier des Tages gegrilltes Schweinefleisch.

Felsen in der Region Viñales

Die Region von Viñales mit seinen spektakulären Felsformationen ist eine der schönsten Gegenden in Kuba.

Kolonialstadt Remedios

Um in dem zeitlich leider limitierten Urlaub noch einen anderen Teil von Kuba befahren zu können, entschieden wir uns für einen Transfer bis zur Inselmitte. Hier verbrachten wir einen sehr angenehmen Abend in der lieblichen Kolonialstadt Remedios. Wir machten scheinbar Unmengen Bekanntschaften mit den Fahrern der Bici-Taxis, den Fahrrad-Taxis und trafen lauter nette Leute in den Bars rund um den Hauptplatz und genossen das eint oder andere Bucanero Bier und die bisher besten Mojitos von Kuba.

Kolonialstadt Remedios

Die Radreise durch Kuba führte uns in die Kolonialstadt Remedios.

Mit dem Fahrrad zum Inselparadies Cayo Santa Maria

Vor der nördlichen Küste unweit von Remedios, liegt das Inselarchipel Cayo Santa Maria mit seinen traumhaften Sandstränden. Die Inseln sind mit einem etwa 40 km langen Damm mit dem Festland verbunden. Doch so spannend sich diese Fahrt über das karibische Meer bei der Reiseplanung anhörte, machte uns das Wetter nun einen Strich durch die Rechnung. Ein tropischer Sturm brachte ergiebige Niederschläge, so dass es mehr ein Abspulen der Kilometer war, als ein Geniessen der Strecke. Doch so schnell das Gewitter aufzog, so schnell verschwand es auch wieder. Kaum hatten wir in unsere Unterkunft eingechecked, präsentierte sich uns ein strahlend blauer Himmel... perfekt für unseren kurzen Strandurlaub in der Karibik.

Strand Cayo Santa Maria

Strand an der karibischen Küste, auf dem Cayo Santa Maria, einer vorgelagerten Insel.

Vom Mittelpunkt Kubas bis Santa Clara

Ein erster Platten verzögerte die Abfahrt etwas. Doch dann ging es umso zügiger voran, in Richtung Südwesten. In den etlichen Dörfer welche wir passierten, wurde uns herzlich zugewinkt und aufmunternde Worte zugerufen. Die Herzlichkeit und Lebensfreude der Kubaner entzückte uns täglich von neuem.

In der kleinen Ortschaft Guaracabulla, dem geografischen Mittelpunkt von Kuba, machten wir im Schatten der Bäume des Hauptplatzes unseren Mittagshalt. Innert kürzester Zeit hatte sich der Besuch der Fahrradfahrer herumgesprochen und es gesellten sich einige Leute zu uns. Ebenso schnell tauchten Musiker auf und fingen an kubanische Lieder wie Guantanamera und Chan Chan zu singen. Ganz spontan entwickelte sich eine fröhliche Fiesta zu unseren Ehren.

Die Stadt Santa Clara ist bekannt für sein Mausoleum des Nationalhelden Ernesto "Che" Guevara. Die ewige Flamme symbolisiert das Lebenswerk des ursprünglich argentinischen Doktors für die Revolution und das kubanische Volk. Ein kleines Museum präsentiert persönliche Gegenstände und Fotografien.

Kubanischer Musiker und Fahrrad

Musik und Fiesta ist allgegenwärtig in Kuba - ein Kubaner mit Gitarre live.

Kubanisches Hinterland bei Hanabanilla

Von Santa Clara sehen wir in der Ferne schon bald das mächtige Gebirgsmassiv Topes de Collantes. In den kleinen Ortschaften unterwegs war der Kontakt zu den Kubanern jeweils schnell hergestellt, Begegnungen wie man sie nur als Biker machen kann. Cuba Autentica! Woher kommt ihr? Wohin geht ihr? Gefällt euch Kuba? Mal wurde man auf Englisch, aber meist auf Spanisch gefragt. Grundkenntnisse der Spanischen Sprache waren Gold wert. Die Kubaner lieben das Kommunizieren, reden viel und unterhalten sich äusserst gerne mit Besuchern. Sogar über gewisse als Tabu geglaubte Themen wie das politische System und deren Herrscher, die Gebrüder Fidel und Raul Castro. Immer wieder konnten wir Brocken an Informationen bekommen.

Unser heutiges Ziel war der Stausee von Hanabanilla. Der Schlussaufstieg hatte es in sich, doch es lohnte sich. Unser Hotel, ein sozialistischer Betonbunker, thronte an bester Lage über dem See und bot einen traumhaften Ausblick. Heftiger Regen vermieste uns am Nachmittag zwar die Bootsfahrt auf dem See, doch die Siesta war auch mehr als willkommen.

Hotel am Hanabanilla-See

Herrlicher Regenbogen über der Hotelanlage am Lago Hanabanilla.

Königsetappe über das Gebirge Topes de Collantes

Die Gebirgswelt der Sierra del Escambray ist eindrücklich. Die Region wird durchzogen von Regenwald, aber auch von Pinien- und Eukalyptusbäumen. Im Nationalpark Topes de Collantes sind viele endemische Tier- und Pflanzenarten anzutreffen. Ferner prägen Seen, Flüsse, Wasserfälle und Höhlensysteme das Landschaftsbild. Die Gegend eignet sich gut für Mountainbike Touren und wäre auch ein tolles Gebiet für Trekking Touren.

Saftige Aufstiege erwarteten uns Biker heute. Der Topes de Collantes ist zwar nur etwa 800 m hoch, doch wegen dem ständigen Auf und Ab leisteten wir insgesamt über 1500 Höhenmeter. Die anfängliche Abfahrt vom Hanabanilla-See in die Ortschaft Manicaragua war zu schön um wahr zu sein. Die Strasse fing anschliessend sofort an zu steigen, zuerst sachte durch Landwirtschaftszonen, dann anspruchsvoller hoch in das Gebirge der Sierra del Excambray.

Die Passhöhe jedoch war eine grosse Enttäuschung: Ein überdimensionierter Betonbau der Höhenklinik und Kurhotel verschandelte die natürliche Schönheit des Nationalparks! Statt einer wohlverdienten Pause entschlossen wir uns somit gleich die Passabfahrt hinunter ans Meer nach Trinidad in Angriff zu nehmen.

Kolonialstadt Trinidad

Die hübsche Kolonialstadt Trinidad mit ihrer speziellen Architektur ist von der UNESCO geschützt.

Trinidad und das Valle de los Ingenios

Eingebettet zwischen karibischen Meer und der Sierra del Escambray als Hintergrundkulisse liegt Trinidad, die wahrscheinlich schönste Kolonialstadt in Kuba. Mit roten Ziegeldächern gedeckte Häuser säumen die engen Gassen. Prächtige Herrschaftshäuser der ehemaligen Zuckerbarone bilden einen gewaltigen Kontrast zu den teils baufälligen Häusern.

Eine lohnenswerte Radtour führt von Trinidad durch das Valle de los Ingenios, das Tal der Zuckermühlen, zum Torre Manaca Iznaga. Von der Turmspitze überwachten Aufseher die Zuckerrohr-Sklaven und meldeten Fluchtversuche per Glocke. Hier schlug einst das ökonomische Herz von Kuba, dank dem Zuckeranbau. Heute ist das Valle de los Ingenios eine geschützte und bei Touristen beliebte Kulturlandschaft.

Die Gegend hat auch für Mountainbiker durchaus ihre Reize. Auf flowigen Trails kurvten wir durch Zuckerrohr- und Schilffelder. Entlang einer (höchstwahrscheinlich) stillgelegten Eisenbahnstrecke verschafften wir uns durch ein scheinbar unzugängliches Gebiet eine Route zurück nach Trinidad.

Wir übernachteten in einem Hotel an der Playa Ancon. Die gleich bei Trinidad gelegene Playa Ancon gilt als schönster Strand an der Südküste. Etwas Strand und Karibik zum Erholen. Doch so schön das Herumlümmeln im Liegestuhl an einem karibischen Traumstrand auch sein mag, auf dem Bike auf Reisen sein übertrifft das um ein Vielfaches.

Bahnhof von Iznaga

Bahnhof beim Torre Iznaga im Valle de los Ingenios, dem Tal der Zuckermühlen unweit von Trinidad.

Von Trinidad nach Cienfuegos

Bei brütender Hitze radelten wir der Küstenstrasse entlang in Richtung Nordwesten. Als Reiseziel legten wir die Kolonialstadt Cienfuegos fest, die Stadt mit ihrem französischen Flair, den schmucken Bauten aus dem 19. Jahrhundert und grosszügigen Parkanlagen. Zur Feier des Tages gab es ein feines kubanisches Nachtessen und einen gemütlichen Abend mit Cerveza Bucanero und einigen Mojitos - viva Cuba!

Kolonialstadt Cienfuegos

Kolonialstadt Cienfuegos mit ihrem französischen Flair.

Wiedersehen in Havanna

Nach der erfolgreichen Bikereise nahmen wir uns noch ausgiebig Zeit Kubas Hauptstadt Havanna kennen zu lernen. Die Stadt hat unheimlich viel zu bieten und zwei bis drei Tage sind sicher angebracht für einen ausgiebigen Besuch. Alternativ kann man auch relativ einfach einen Transfer an die karibischen Strände von Varadero arrangieren, dem beliebten Ferienort an der Nordküste von Kuba, mit seinen traumhaften Sandstränden und türkisblauem Meer.

Altstadt Havanna

Farbenfrohe Architektur in Habana Vieja, der Altstadt von Havanna.