Tourenbericht Trekking-Tour im Atlas Gebirge

Atlas-Gebirge und Djebel Toubkal

Das Atlas Gebirge durchzieht mehrere Länder im Norden Afrikas. Der Djebel Toubkal ist mit 4167 m der höchste Berg in Marokko und in ganz Nordafrika. Die Gipfelbesteigung ist relativ einfach, es ist ein reines Trekking, ohne Kletterpartien. Doch die Bergkette bietet weit mehr als "nur" die Besteigung des höchsten Berges. Auf einem mehrtägigen Trekking kann man durch die wüstenartigen Täler wandern, fordernde Pässe bezwingen und das Leben des Naturvolkes der Berber in ihren steil angelegten Dörfern kennen lernen. Wir entschlossen uns für eine Trekking-Tour über Ostern, als Auftakt für die heimische Alpen Trekking Saison.

 

1. Von Oukaimeden ins Tal von Gliz

Trekking durch das Atlas-Gebirge

Nachdem wir am Vortag noch das hektische Treiben und die Sehenswürdigkeiten von Marrakesch genossen hatten, fuhr unsere kleine Gruppe von Trekkern heute mit einem Jeep zu den ersten Ausläufern des Atlas Gebirges, in das marokkanische Bergdorf Oukaimeden. Hier erwartete uns bereits ein lokales Team mit einem Koch und vier Helfern, welche die Maultiere mit der ganzen Ausrüstung und Proviant führten und beim Auf- und Abbau der Zelt-Camps immer fleissig waren. Auf 2600 m Höhe lag immer noch etwas Schnee und unser Guide erwähnte schon mal beiläufig, dass dieser Winter einer der härteren gewesen sei und dass wir allenfalls die Wanderroute anpassen müssten. Von Oukaimeden schnauften wir schon mal einen kleinen Pass hoch als Einstieg und wanderten dann runter ins Tal von Gliz, mit seinen eindrücklichen Terrassenfeldern, wo wir gegen Abend das erste Camp errichteten.

2. Karge Gebirgswelt am Tizi Tamatert Pass

Berber-Dorf im Hohen Atlas

Nach einem gediegenen Frühstück auf einem Hochplateau, wanderten wir beim Berber-Dorf Gliz tief runter ins Tal von Imenane. Die grünen Felder setzten einen kontrastreichen Farbtupfer zu der sonst kargen Gebirgswelt des Atlas-Massifs. Bei der Berber-Ortschaft Amaskrou stärkten wir uns, bevor wir den Pass Tizi Tamatert in Angriff nahmen. Faszinierend waren unsere Maultiere, welche die doch beachtliche Last scheinbar ohne Mühe trugen. Wobei ist das bei Trekkern nicht das gleiche? Versuchen wir nicht auch scheinbar mühelos die Berge zu erklimmen, ohne uns die Anstrengung anmerken zu lassen? Am Nachmittag folgte dann der weitaus weniger anstrengende Abstieg ins Tal von Imlil, welches der Ausgangspunkt für viele Berggänger ist, welche nur die Besteigung des Djebel Toubkals als Ziel haben.

3. Trekking ins Imlil-Tal

Trekking-Tour im Atlas-Gebirge

Nun traf also die Befürchtung des Guides zu, wir konnten die Route nicht wie vorgesehen begehen. Es habe noch zu viel Schnee und gewisse Pässe weiter östlich seien deshalb nicht passierbar. Alternativ beschlossen wir vom Imlil Tal aus den Tizi Mzeken Pass zu besteigen und kehrten dann auf einer anderen Route wieder ins Tal zurück. Den Bergrücken querend gelangten wir in die Ortschaft Aremd, dem ersten Basislager für die anstehende Besteigung des Djebel Toubkal.

4. Tour zur Toubkal und Neltner Hütte

Unterkunft in der Toubkal-Hütte

Nun war das Trekking so richtig lanciert. Wir freuten uns alle, nun noch höher hinaus wandern zu können. Stetig bergauf führte ein Pfad weiter das Tal hoch. Ein Fluss begleitete uns. Dem kühlen Wasser an, musste es sich um Schmelzwasser handeln. Wir wussten somit, dass weiter oben mit Schnee zu rechnen war. Einigen von uns machte nun langsam aber sicher auch die Höhe zu schaffen, immerhin waren wir schon bei rund 3000 m Höhe. Nach etwa 5-6 Stunden erreichten wir die Toubkal-Hütte (auch Neltner-Hütte genannt) und bezogen in einem der Mehrbetten-Zimmer einen Schlafplatz. Es tummelten sich hier erstaunlich viele Bergfreunde. Den ganzen Nachmittag über gesellten sich immer mehr Wanderer dazu und die Schlafsäle füllten sich. Natürlich war es super spannend mit den anderen Reisenden Erfahrungen auszutauschen. Eines kristallisierte sich sehr schnell heraus, es gibt noch weitere tolle Trekking-Touren im Atlasgebirge und Marokko bietet neben der Region von Marrakesch noch zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten.

5. Gipfeltag und Besteigung des Djebel Toubkal

Besteigung des Djebel Toubkal in Marokko

Gipfeltag! Heute sollte die Besteigung des höchsten Berges in Marokko und von ganz Nordafrika erfolgen. Bereits um 5:30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Wegen den immer noch sehr winterlichen Verhältnissen und beträchtlichen Schneemassen, waren wir froh in der Toubkal-Hütte noch Steigeisen zur Miete bekommen zu haben. Diese mussten wir ziemlich bald nach unserem Aufbruch aufziehen. Von Februar bis April, manchmal bis in den Mai und Juni hinein, muss man mit Schnee rechnen. Der Aufstieg ist jedoch nicht schwierig, weder mit Steigeisen noch in den Sommermonaten. Höhenmeter galt es trotzdem noch einige zurückzulegen, von der Toubkal-Hütte bis zum Gipfel waren es noch rund 1100 m, wofür wir 2-3 Stunden benötigten. Auf dem Gipfel auf 4167 m angekommen, genossen wir die atemberaubende Aussicht auf die Bergwelt des Hohen Atlas und die Landschaften Marokkos. Der Abstieg erfolgte über die gleiche Route, zurück zur Neltner-Hütte und nach Aremd runter.

6. Berberdörfer Aremd und Imlil

Zelt-Camp auf dem Atlas-Trekking

Nach dem gestrigen Höhepunkt liessen wir es heute sehr gemächlich angehen. Etwas ausschlafen im Zelt, bis die Crew mit einem kräftigen "gong" auf die Teekanne das Frühstück ankündigte. Mit dem ersten Sonnenstrahlen, welche zwischen den verschneiten Berggipfeln ins Tal drangen, nahmen wir auf den Schlafmatten sitzend die Mahlzeit ein. Das Ambiente war perfekt und wir waren froh, hatten wir die Nacht noch hier in der relativen Wildnis verbracht und nicht unten in der Ortschaft. Nun hatten wir noch gut Zeit nach Aremd zu wandern und durch die engen Gassen des Berberdorfes zu streifen. In rund einer Stunde gelangten wir schlussendlich nach Imlil, dem Endpunkt des Trekkings. Wir verabschiedeten uns herzlich vom lokalen Team, welches uns super unterstützt hatte und trotz der sprachlichen Schwierigkeiten immer unsere Wünsche ablesen konnte. Der englischsprachige Guide fuhr mit uns zurück nach Marrakesch, wo wir noch einen Tag zur Verfügung hatten, bevor das Abenteuer in Marokko definitiv abgeschlossen wurde.

Trekking Information

Klima und beste Reisezeit

Maultiere mit Trekking-Ausrüstung

Die ideale Reisezeit für ein Trekking im Atlas Gebirge ist wohl zwischen April und Oktober, wobei es im Juli und August in den Tälern über 30°, also sehr heiss werden kann. In der Nacht kühlt es jedoch ab. Im Frühjahr und Herbst kann die Temperatur auf gegen Null Grad fallen. Mit kurzen, heftigen Regenschauern und Wind muss immer gerechnet werden. Dementsprechend sollte man die Outdoor-Kleidung und Ausrüstung packen.

Anforderungen/Schwierigkeit

Das beschriebene Trekking im Hohen Atlas kann als mittelstrenge Bergwanderung klassiert werden. Die Marschzeiten liegen bei 5 bis 6 Stunden und am Gipfeltag bei 8 Stunden, wobei wir zwischen 500 bis 1000 Höhenmeter überwanden. Dank den Maultieren waren wir nur mit einem (leichten) Tagesrucksack unterwegs. Eine gute Kondition und Trittsicherheit ist Voraussetzung, Erfahrung auf Bergtouren oder mehrtägigen Trekkings empfehlenswert.

Die Besteigung des Djebel Toubkal stellt technisch keinerlei Anforderung. In den Wintermonaten ist Erfahrung mit Steigeisen empfehlenswert, doch auch ein "learning by doing" vor Ort ist denkbar. Wer nur den Djebel Toubkal besteigen möchte, kann dies von Imlil aus an einem einzigen, sehr fordernden Tag machen. Besser ist für die Tour mindestens zwei Tage einzuplanen, mit einer Übernachtung in der Toubkal-Hütte. Webseite: www.refugedutoubkal.com

Individuelle Besteigung

Die Route auf den Djebel Toubkal ist sehr einfach zu finden, man kann die Besteigung also auch individuell angehen. Wie überall in den Bergen üblich, sollte man aus Sicherheitsgründen mindestens zu zweit unterwegs sein. Es hat jedoch meist andere Gruppen unterwegs, bei denen man sich vielleicht auch (heimlich) anschliessen kann.

Geführte Touren in der Gruppe

Verschiedene spezialisierte Veranstalter bieten Trekking-Touren in Marokko und auf den Djebel Toubkal an, z.B. Wikinger Reisen und Frosch Sportreisen aus Deutschland, Alpin Travel aus der Schweiz und Clearskies aus Österreich. Je nachdem ist ein ausgebildeter, europäischer Bergführer dabei oder die Tour wird von einem einheimischen Guide geleitet.

Alternativ bucht man in Marrakesch bei einem zuverlässigen Veranstalter eine Bergtour oder man kann in Imlil im offiziellen Büro der Vereinigung der Bergführer einen Guide anheuern. Eine Reservation ist eigentlich nicht notwendig, es gibt angeblich immer genügend Bergführer. Wenn man mehrere Tage im Gebirge unterwegs sein will, ist es lohnenswert und empfehlenswert sich einer geführten Tour anzuschliessen.