Reisebericht Radreise durch Namibia

Bike Safari im südlichen Afrika

Mountainbiking erfreut sich bei Touristen einer steigenden Beliebtheit in Namibia. Sich einer geführten Bikereise anzuschliessen hat einige Vorteile wie vorreservierte Unterkünfte und Camps, Gepäcktransport, Begleitfahrzeug für Transfers oder auch Notfälle und natürlich das Know-How eines erfahrenen, landeskundigen Guides. Auf einer Mountainbike Reise von rund zwei Wochen inklusive gewissen Transferfahrten, können die tollsten Sehenswürdigkeiten wie die Dünen von Sossusvlei in der Namib-Wüste, das Brandenberg-Massiv, die Skelettküste am Atlantischen Ozean, Damaraland, Gravuren von Twyfelfontein und das Highlight Etosha Nationalpark erlebt werden. Viel Spass beim Reisebericht aus Namibia.

 

Biketour auf den Spreetshoogte-Pass

Biketour auf den Spreetshoogte-Pass

Wir befinden uns rund drei Autostunden südlich von Namibias Hauptstadt Windhoek, in einer Hochebene bei Rehoboth. Unter den verwunderten Blicken einer kleinen Herde Springböcke bereiten wir unsere Mountainbikes für die erste Etappe vor. Eigentlich herrscht in Namibia Linksverkehr, doch auf der breiten Sandpiste muss man sich die bestmögliche Fahrspur suchen, der lose Sand kann sonst viel Energie verschwenden. Nach nicht mal einer Stunde schickt uns die namibische Tierwelt bereits einen weiteren Repräsentanten, eine hochgiftige Puffotter flüchtete sich seitlich in Sicherheit. Gegen Abend erreichten wir die Umgebung des Spreetshoogte-Passes, wo wir mitten einer gebirgigen Felslandschaft unser erstes Zeltcamp einrichteten. Von hier oben hatte man einen atemberaubenden Ausblick über die unendliche Weite der Wüstenlandschaft. Nur die heimische Horde Paviane hatte wohl nicht so Freude über uns Eindringlinge.

Sesriem Canyon in der Namib-Wüste

Sesriem Canyon in der Namib-Wüste

Es fehlte nicht mehr viel bis zur Passhöhe des Spreetshoogte-Passes, mit seiner herrlichen Aussicht auf die weite Ebene der Namib-Wüste. Auf einer für Namibia steilen Abfahrt erreichten wir die weite Wüstenlandschaft, mit ihrem wogenden Gras. Die Bikes rollten flott vorwärts, wenn auch unter einem nicht unerheblichen Kraftakt in der trockenen Hitze. In Solitaire, einer Art Wildwest-Tankstelle, stärkten wir uns mit frischem Apfelkuchen, dem besten in ganz Afrika wie die verschiedenen namibischen Reiseführer stolz ankündigten. Hier tummelten sich einige lustigen Erdmännchen und beobachteten unsere Weiterfahrt in ihrer typischen, aufgerichteten Haltung. Ein Highlight bildete der Besuch des Sesriem Canyons, wunderschön ausgeleuchtet mit den Strahlen der schon tief stehenden Sonne und dem magischen Erscheinen des Vollmondes über dem Schluchtenrand. Heute Abend errichteten wir unsere Zelte unter einem riesigen Kameldornbaum und genossen mit dem Sonnenuntergang einen Sundowner, im Namibia-Biker-Slang "Staub-Bier" genannt.

Sossusvlei - die grössten Sanddünen der Welt

Sossusvlei Dünen in der Namib-Wüste

Um 5 Uhr morgens huschten einige verschlafene Gestalten mit Stirnlampe schon durchs Camp. Wir wollten gleich nach Öffnung der Tore zu den Dünen von Sossusvlei in den Nationalpark einfahren. Dabei liessen wir die Fahrräder zurück, erstens wollten wir möglichst im frühen Morgenlicht zu den Sanddünen gelangen, zweitens war die sandige Piste nur mit einem 4x4 Fahrzeug befahrbar. Je weiter wir vordrangen, desto höher schienen die Sanddünen emporzuragen. Wind und Sand haben hier ein atemberaubendes Kunstwerk geschaffen, mit verschiedenen Farbnuancen, Schattenspielen und geschwungenen Konturen. Wir kletterten auf einem Grat auf eine der riesigen Dünen für einen unvergesslichen Panoramablick. Nachmittags schwangen wir uns wieder auf den Bikesattel und radelten bis ins nächste Camp am Ufer des ausgetrockneten Tsauchab Flusses. Auf dem Grill zauberte der namibische Guide ein Gourmet-Wildessen auf die Teller, die Krönung eines ereignisreichen Tages.

Radreise durch das Naukluft Gebirge

Radreise in Namibia

Nach einer anfänglichen Fahrt mit dem Jeep, wurden wir an der Kreuzung zweier Staubpisten ausgesetzt. Vor uns türmten sich bizarre Felsformationen der Naukluft Berge und liessen die Vorfreude auf eine spannende Radtour aufkommen. Erstaunlicherweise stand jedoch keine Bergetappe an, sondern unsere Bikeroute fand jeweils einen Weg zwischen den Bergen hindurch, Schluchten passierend und Hügelketten umrundend. Zur Abwechslung gönnten wir uns abends eine feine Wüsten-Lodge, wo wir den Sonnenuntergang im Swimming Pool erleben durften.

Canyons und Trails im Namib Naukluft Park

Mountainbiker bei der Blutkoppe in Namibia

Die Erosion mit Wind und Wasser hat in dieser Gegend des Namib Naukluft Parks die beiden Canyons Ghaub und Kuiseb geformt, welche wir heute Morgen passierten. Fast unvorstellbar, dass sich hier mitten in der Wüste Flüsse in den Schluchten bilden können. Anschliessend bikten wir auf kleinen, holprigen Staubpisten durch das Hochland. Herden von Bergzebras weideten in sicherer Distanz zu uns. Eine mutige Familie Strausse querte unseren Weg und schenkte uns einen Anblick aus nächster Nähe. Die nachmittägliche Bikestrecke wurde noch spannender, floowige Trails kurvten mal um Kameldornbäume, mal um skurrile Felsformationen. Das Highlight war dann die vor uns auftürmende Blutkoppe, welche im Sonnenlicht orange glänzte. Wer noch genügend Energie aufbringen konnte, bestieg den rund 300 m hohen Berg und genoss einen ungestörten Blick auf den Übergang vom Hochland in die sich dahinter erstreckende Wüste. Mit dem Begleitfahrzeug überbrückten wir schlussendlich die eintönige Fahrt an die Atlantikküste ins malerische Städtchen Swakopmund, wo wir einen Ruhetag unserer Radreise einschalteten.

Biken in der Mondlandschaft bei Swakopmund

Mountainbiking in der Mondlandschaft

Etwas ausserhalb von Swakopmund präsentierte sich uns ein Mountainbike Leckerbissen vom Feinsten. Wir schlängelten uns auf abenteuerlichen Trails durch die Mondlandschaft am Swakop River, mit bizarren Felsformationen und rundlichen Hängen aus verkrustetem Sand, welche mit dem entsprechenden technischen Know-How mit dem Bike erfahren werden konnten. Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts eine Oase auf, eine Farm umgeben von einem üppigen Grün, als ob wir nicht mitten in der Wüste wären. Perfekt also für einen stärkenden Lunch und eiskalten Eistee. Der zweite Teil der Radtour führte uns mit den letzten Sonnenstrahlen zur Spitzkoppe, einer dominanten, malerischen Gesteinsformation, welche im Abendlicht in einem kräftigen orange leuchtete. Die Staubbier-Bar im Camp hatte zum Glück bereits geöffnet.

Skelettküste am Atlantischen Ozean

Biketour an Namibias Westküste

Auf einer rauen Piste holperten wir durch die Gegend der Spitzkoppe. Weitere markante Felsbrocken lagen scheinbar völlig verloren auf dem sonst flachen Plateau, wie Inseln in der unendlichen Wüstenlandschaft. Unser Trail mündete auf einer Art Wüsten-Autobahn, eine überproportional breite Sandpiste, imaginär hätten effektiv je zwei Fahrspuren und Pannenstreifen Platz gehabt. Für uns Biker ergab sich so die Möglichkeit, die jeweils am wenigsten sandige Fahrrille zu finden, um ohne zusätzlichen Kraftaufwand vorwärts zu kommen. Unser Ziel war die Skelettküste am Atlantischen Ozean. Am Cape Cross können riesige Robben-Kolonien mit Tausenden von Tieren beobachtet werden. Unser Nachtlager wollten wir jedoch wieder im Hinterland errichten, im Save the Rhino Camp, geschaffen von Tierschützern als Geldquelle zum Schutz der faszinierenden Nashörner.

In den Tälern des Ugab River

Zelt-Camp in der namibischen Wüste

Die Bezeichnung als Fluss ist so eine Sache in Namibia. In der vorherrschenden Trockenheit führen diese höchst selten Wasser und sind daher nur Trockenflüsse. Auch bei einer Seitenschlucht des Ugab ist es schwer vorstellbar, dass hier eines Tages Wasser fliessen sollte. Für uns Mountainbiker jedoch präsentierte sich eine wahre Prachtsstrecke. Der mit Steinen bedeckte Talboden erhöhte den technischen Schwierigkeitsgrad und erforderte höchste Konzentration. Die ersten Sonnenstrahlen hüllte die sich auf beiden Seiten auftürmenden Steinberge in ein magisches Licht. Langsam flachte das Terrain ab und die typische, mit hellgrünen Gräsern bewachsene Wüstenlandschaft nahm wieder überhand. Versteinerte Baumstämme brachten uns in Erinnerung, welche klimatischen Veränderungen vor 280 Millionen Jahren in Afrika stattgefunden haben.

Mit dem Mountainbike im Damaraland

Giraffe im Damaraland

Der Schlaf kam bestimmt nicht zu kurz auf unserer Bikereise in Namibia. Da in den Wintermonaten Mai bis September im südlichen Afrika die Sonne bereits gegen 18 Uhr untergeht, gab es jeweils eine frühe Nachtruhe und erholsame 8-9 Stunden Schlaf. Fit und munter bestiegen wir also die Fahrräder und querten die Wildnis im Damaraland beim Doros Krater. Plötzlich bremsten die vordersten Biker abrupt und langten wie bei einem Duell in Wild-West Manier zu den Fotoapparaten. Vor uns grasten friedlich drei Giraffen. Neugierig reckten sie ihre Hälse und versuchten uns als Freund oder Feind einzuordnen. Diejenigen unter uns mit weniger zoomstarken Kameras, versuchten sich den Tieren etwas zu nähern. Doch scheinbar wurde somit der Sicherheitsabstand unterboten und die Giraffen stellten die angebrachte Distanz wieder her. Weitere Annäherungsversuche scheiterten ebenfalls, jedes Mal trabten die Langhälse wieder etwas weiter. Jedenfalls war es ein spektakuläres Abenteuer die Giraffen in freier Wildbahn vom Mountainbike aus beobachten zu können. Am frühen Nachmittag erreichten wir unsere komfortable Wüsten-Lodge bei Twyfelfontain. Atmosphärisch nicht vergleichbar mit den Zeltnächten unter dem immensen Sternenhimmel in der freien namibischen Natur und doch eine willkommene Abwechslung. Am späteren Nachmittag besichtigten wir das neben den Sanddünen von Sossusvlei zweite UNESCO-Weltkulturerbe in Namibia, die Felsgravuren von Tyfelfontein, mit denen die Buschleute unter anderem die Standorte der Wasserlöcher und das Tiervorkommen verewigten.

Namibisches Monument Valley

Mit dem Mountainbike durch Namibia

Unsere letzte Biketour führte uns durch einen ganz neuen Landschaftstyp, die Route war gesäumt von zahlreichen Mopane-Bäumen. Die leicht coupierte Strecke liess auch unseren Wettkampfinstinkt aufblühen, als wäre es nicht nur die letzte Etappe unserer Veloferien, sondern die letzte entscheidende Etappe eines grossen afrikanischen Bikerennens. Beinahe bauten wir in unserem Übermut noch einen Unfall, als eine Schlange die Rennstrecke querte und nur durch ein gewagtes Bremsmanöver diese auch heil über die Piste kam. Ein landschaftliches Highlight war das namibische Monument Valley, eine mit eindrücklichen Felspfeilern gespickte Gegend wie das Original in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ein grosses Teilstück bis in den Etosha Nationalpark legten wir schlussendlich im Jeep zurück, die Fahrräder fein säuberlich auf dem Anhänger verstaut. Obwohl eine gewisse Wehmut aufkam, den sportlichen Teil abgeschlossen zu haben, freuten wir uns alle ungemein auf die morgige Safari im Etosha Nationalpark.

Tierparadies im Etosha Nationalpark

Elefanten im Etosha Nationalpark

Als Unterkunft hatten wir die Bungalows von Okaukuejo ausgewählt, mit dem grossen Plus eines 24 Stunden zugänglichen, beleuchteten Wasserloches gleich am Rande des Camps, welches spannende Tierbeobachtungen garantierte. Der Etosha Nationalpark ist einer der interessantesten Wildparks in Afrika, vergleichbar mit denjenigen in Südafrika und bestimmt einer der Höhepunkte einer Rundreise in Namibia. Viele afrikanische Tierarten wie Elefanten, Giraffen, Zebras, Nashörner, Löwen und viele Antilopenarten kann man in ihrem natürlichen Lebensraum erleben.