Reisebericht Ausflug in die namibische Wüste

Reiseplanung vor dem Zelt

Wir sassen auf Klappstühlen vor unserem Zelt, genossen den Blick zum Horizont und den Myriaden von funkelnden Sternen. Die Stille war absolut, sie wurde nur vom leichten Säuseln des Wüstenwindes unterbrochen, als ob die Nacht atmen würde. Insgeheim hofften wir vielleicht auf die Sichtung eines wilden Tieres, doch alles blieb ruhig. Mit Faserpelzjacken schützen wir uns vor der empfindlichen Kälte im namibischen Winter, das Wüstenklima ist alles andere als nur sengende Sonne. Bei einem Glas Amarula, einem beliebten Likör im südlichen Afrika, planten wir die morgige Tour zu einer der Top Attraktionen in Namibia, den Sanddünen von Sossusvlei in der Namib-Wüste.

 

Namib-Wüste

Die an der Westküste Afrikas gelegene Namib ist eine der ältesten Wüsten weltweit. Sie enthält ein Diamanten-Sperrgebiet, die Skelettküste, den Namib-Naukluft Nationalpark mit den Dünen von Sossusvlei, ebenso wie die Städte Lüderitz, Walvis Bay und Swakopmund an der namibischen Atlantikküste.

Das orange Wunder der Sanddünen von Sossusvlei

"Das Naturwunder der Namib-Wüste dürft ihr euch keinesfalls entgehen lassen", mahnte uns John vom Camp am Tsauchab Fluss, wo wir kürzlich übernachtet hatten. Auch in den diversen namibischen Reiseführern, welche wir zur Reisevorbereitung in der heimischen Bibliothek konsultiert hatten, wurde die Sehenswürdigkeit fett hervorgehoben und wir freuten uns riesig das Abenteuer erleben zu dürfen.

So fanden wir uns vor Sonnenaufgang fast in der Pole-Position der Warteschlange vor dem Tor zum Nationalpark beim Ort Sesriem wieder. Die Park-Beamten hielten sich strikt an die Öffnungszeit erst ab Sonnenaufgang. Sie schienen sogar ihre Macht auszukosten, die verrückten Touristen in ihren Jeeps und Reisebussen, Motorräder und sogar zwei Mountainbiker noch einige Minuten zappeln zu lassen. Nachdem das Tor endlich aufgeschoben wurde, rumorten die Motoren wie bei einem Rennen auf und die ersten Fahrzeuge glitten sofort auf die Überholspur, alle wollten frühzeitig die 65 Kilometer zu den Dünen zurücklegen, um bei bestmöglichen Lichtverhältnissen ihre Reisefotos zu schiessen.

Eine gut ausgebaute Asphaltstrasse führte uns durch diese faszinierende Wüstenlandschaft, mit beidseitig sich auftürmenden Sandhaufen. Die Sonne projizierte mit den ersten Strahlen bereits ein eindrückliches Farb- und Schattenspiel auf die Dünen.

Düne 45

Etwa 45 Kilometer vom Parkeingang befindet sich die sehr erfinderisch getaufte Düne 45. Ganz eilige Touristen haben diese etwa 170 m hohe Düne zur Besteigung auserkoren und von weitem konnte man wie Ameisen erkennen, welche auf den Grat langsam zur Spitze vorstiessen.

Big Daddy Düne

Big Daddy Düne in der namibischen Wüste

Unser Ziel war jedoch "Big Daddy", die bekannteste und mit rund 380 m die höchste Düne in der Namib-Wüste und wie behauptet wird, sogar eine der höchsten der ganzen Welt. Die letzten Kilometer bis zum Vlei können nur mit einem guten Allradfahrzeug zurückgelegt werden. Absichtlich haben wir das Adjektiv "gut" eingepflegt, bezeugten wir doch ein Fahrzeug, welches im Sand festsass und beobachteten wie die vier Besatzungsmitglieder mit allen Mitteln versuchten sich aus der misslichen Lage zu befreien. Vor kurzem waren sie noch mit übertriebener Geschwindigkeit auf der Überholspur, nun wurden sie ein (temporäres) Opfer der Wüste. Wir passierten die sandige Passage mit unserem Toyota ohne Zwischenfälle und freuten uns nun endlich zu Fuss die Besteigung des "Big Daddy" anzugehen. Wir hielten uns an die Fussspuren unserer Vorgänger auf dem messerscharfen Kamm. In den steilen Seitenflanken sinkt man in den weichen Sand ein und bleibt erschöpft stecken. Höher und höher kletterten wir. Die Anstrengung ist nicht zu unterschätzen, das Vorwärtskommen im losen Sand forderte uns stark, wahrlich kein leichtes Unterfangen. Über die Grate balancierend genossen wir die bezaubernden Farbnuancen, die orangen Dünen mit dem schwarzen Schattenwurf und dem tiefblauen Himmel.

Deadvlei - die tote Lehmsenke

Kameldornbäume im Deadvlei in der Namib-Wüste

Es herrschte ein besonderer Friede in der Wüste und dem roten Sanduniversum. Unsere Blicke schweiften über die endlose Dünenlandschaft und runter ins Deadvlei. Auf einem wie mit weiss-beigen Oktagon-förmigen Platten belegten Untergrund stehen vertrocknete Kameldornbäume, wie Skelette, deren Alter auf mehrere Hundert Jahre geschätzt wird. Um uns das Deadvlei genauer anzusehen und um ein paar tolle, surreale Reisefotos zu schiessen, entschlossen wir uns den steilen Sandberg hier hinunter zu stechen. Mit einigen gewaltigen Sprüngen waren wir unten, ein Kinderspiel im Vergleich zum Aufstieg. Die von den Sanddünen umgebenen Senken des Sossusvlei sind praktisch immer trocken, äusserst selten gelangt das Wasser des Tsauchab Rivers bei heftigen Niederschlägen hierher, im Schnitt alle 10 Jahre. Dann kann sich sogar für kurze Zeit ein See mitten in der Wüste bilden.

Wanderdünen

Die Dünen entstanden im Laufe von Millionen Jahren durch landeinwärts wehende Winde. Noch heute wandern diese vorwärts, wenn der Wind auf der einten Seite neuen Sand ablagert und auf der anderen Seite des Dünenkamms der Sand herunter rutscht. Die Wanderdünen können sich so bis 10 m jährlich verschieben.

Intergalaktischer Reisetipp

Auf der Rückkehr stoppten wir den Geländewagen in der Steppe neben eigenartigen, vegetationslosen Flecken. Über die Entstehung der hier weit verbreiteten "Feenkreise" zerbrechen sich Wissenschaftler bis heute den Kopf. Andere Theorien beteuern, es seien Landeplätze von Ausserirdischen, welche ebenfalls die namibische Attraktion des Sossusvlei besuchen. Man sieht, sogar im intergalaktischen Tourismus sind die Dünen in der Namib-Wüste ein wahrer Reisetipp.

Reisebericht-Autor: camino10.com-Team

Dieser Reisebericht wurde ermöglicht durch Namibia Individual Travel, einem auf Kleingruppen und Privatreisen in Namibia und im südlichen Afrika spezialisierten Reiseveranstalter.