Fernwanderung von Chur nach Martigny


Hiking Tour durch die Schweizer Alpen, von Graubündens Hauptstadt Chur über die Urner Alpen bis Martigny im Wallis. Die erste Teiletappe über 100 km legten wir auf der Senda Sursilvana zurück, dem Fernwanderweg durch das Vorderrheintal bis zur Rheinquelle beim Oberalppas. Durch die Urner Alpen führte der zweite Teil des Trekkings von Andermatt bis zum Furkapass. Im Wallis war die Begehung des Rhonegletschers das erste Highlight. Auf einem Höhenweg durchwanderten wir das Goms, das Oberwallis und schlussendlich das französischsprachige Wallis bis Martigny. Auf dem 9-tägigen Trekking akkumulierten wir insgesamt 6100 Höhenmeter.

Graubünden: Senda Sursilvana

1. Chur - Rheinschlucht Ruinaulta - Ilanz

Wanderzeit: 8.5 h, Höhenmeter: 850 m

Wir legten also los mit unserem Unterfangen von Chur bis ins Unterwallis zu wandern. Als lockere Einstimmung folgten wir dem Rhein entlang dem Calanda-Massiv. Bei der Ortschaft Tamins vereinen sich der Hinterrhein und Vorderrhein. Letzterer wird unser treuer Begleiter sein für die nächsten drei Tage auf dem Fernwanderweg Senda Sursilvana (Webseite: Wanderland Schweiz), der Trekking Tour durch die Surselva bis zur Rheinquelle beim Oberalppass.

Wir meisterten die ersten Höhenmeter bis oberhalb der Rheinschlucht Ruinaulta, dem Grand Canyon der Schweiz (Webseite: www.rheinschlucht.ch). Der Rhein schlängelt sich hier durch eine wilde, alpine Schluchtenlandschaft mit bizarren Steinformationen - bestimmt das Highlight der heutigen Etappe. Unbedingt bei der Aussichtsplattform Conn einen Rast einlegen, der Ausblick über die Schlucht ist gigantisch. Unweit von Ilanz erstellten wir unser erstes Zeltcamp.

Rheinschlucht Ruinaulta

Die Rheinschlucht Ruinaulta wird auch der Grand Canyon der Schweiz genannt.

2. Ilanz - Waltensburg - Disentis

Wanderzeit: 9 h, Höhenmeter: 1100 m

Die Route der Senda Sursilvana führt noch ins Seitental bei Panix, bekannt wegen dem Durchmarsch des russischen Generals Suworow mit seiner Armee. Da wir jedoch heute unbedingt bis Diesentis gelangen wollten, liessen wir den Abstecher aus.

Dafür nahmen wir uns die Zeit und besuchten die auf einem exponierten Felsplateau gelegenen Burg Jörgenberg. Die sich unweit des Dörfchens Waltensburg befindende Burg, mit ihrem charakteristischen Campanile Glockenturm, ist von einer tiefen Schlucht umgeben.

Auf einem wunderbaren Höhenweg auf der Sonnenseite der Surselva, gelangten wir schlussendlich nach Sumvitg. Hier stiegen wir zum Rhein runter und wanderten für weitere zwei Stunden meist etwas oberhalb des Flusses bis Disentis.

Burg Jörgenberg

Die Burg Jörgenberg mit seinem Glockentur, unweit der Ortschaft Waltensburg im Bündner Oberland.

3. Disentis - Oberalppass

Wanderzeit: 6 h, Höhenmeter: 1150 m

Der Weitwanderweg Senda Sursilvana führte auf der linken Talseite weiter. Die an diesem strahlenden Frühsommertag wahrhaftig aufblühende Wiesen mit der unglaublich reichhaltigen Flora verliehen der Route ein magisches Ambiente. Unten im Tal zog der Alpenzug Glacier Express (Webseite: www.glacierexpress.ch) wie eine rote Schlange durch die herrliche, alpine Landschaft. Über den Pass Tiarms, mit 2'150 m der höchste Punkt der Senda Sursilvana, gelangten wir zum Oberalppass. Das letzte Tageslicht reichte noch knapp um unser Northface Zelt vor einer Alphütte aufzuschlagen.

Unweit des Oberalppasses liegt der kleine, mystische Tomasee, dessen Abfluss traditionell als Rheinquelle gilt. Beim abendlichen Snack vor der Alphütte sitzend, konnten wir die Lage des Tomasees nur abschätzen. Aber es war schon eindrücklich, den hier noch so jungen Rhein als Bergbach wahrzunehmen, weit entfernt im wahrsten Sinne des Wortes, vom mächtigen Strom den er noch werden wird. Noch weiter südlich befand sich das bezaubernde Val Maighels und der Passo Bornengo, welchen wir auf unserem Trekking vom Norden bis in den Südern der Schweiz überquert hatten.

Camp beim Oberalppass

So schön kann wildes Zelten in den Alpen sein, hier unweit der Passhöhe des Oberalppasses.

Urner Alpen

4. Oberalppass - Andermatt - Realp

Wanderzeit: 7 h, Höhenmeter: 300 m

Beim Abstieg nach Andermatt galt es noch ziemlich grosse Schneefelder zu überqueren. Die zahlreichen Murmeltiere waren trotzdem schon sehr aktiv und verschwanden skandalös pfeifend, als wir durch ihr Territorium wanderten. In Andermatt endete der ausgeschilderte Fernwanderweg der Senda Sursilvana und wir kümmerten uns wieder selbst um die passende Routenwahl. In der Talschaft Ursern ging es rund 2.5 Stunden gemütlich dem Fluss entlang, bis wir uns bei Realp, am Fusse des Furkapasses, für die Nacht niederliessen.

Senda Sursilvana Oberalppass

Die Senda Sursilvana führt vorbei am Bergsee auf dem Operalppass.

5. Realp - Furkapass - Rhonegletscher - Gletsch

Wanderzeit: 8 h, Höhenmeter: 1000 m

Zuerst galt es eine ziemlich steile Passage zwischen den Haarnadelkurven der Passstrasse zu bewältigen. Als wir nahe daran waren die Geduld zu verlieren, so eingeklemmt und durch den störenden Lärm der Motorräder leidend, zeigte ein Wegweiser endlich in das viel ruhigere Seitental.

Nun ging es mehr oder weniger der Bergstrecke der Furka-Dampfbahn entlang, gemächlich den Berg hoch. Während die Bahn am Ende des Tals in einem Tunnel verschwindet, wand sich für die Wanderer ein Bergpfad zur Passhöhe auf 2430 m hoch. Hier herrschte trotz dem Sommermonat wiederum tiefer Winter. Die Landschaft ruhte noch unter einer beachtlichen Schneedecke. Nun befanden wir uns im Wallis, dem Schweizer Kanton mit den mächtigsten und höchsten Bergmassiven der ganzen Alpen.

Nach nur wenigen Kurven eröffnete sich uns der eindrucksvolle Blick auf den Rhonegletscher. Er ist knapp acht Kilometer lang, hat eine durchschnittliche Breite von ungefähr zwei Kilometer und weist eine Fläche von ungefähr 16 km² auf. Beim Hotel Belvedere (2300 m) befindet sich die bekannte Eisgrotte (offizielle Webseite), ein Touristenmagnet mit entsprechendem Andrang. Trotz dem Kulturschock mit dem ganzen Trubel nach so viel Einsamkeit auf den Wanderwegen, lassen wir uns den Besuch nicht entgehen. Ein etwa 100 m langer Eistunnel führt in den Gletscher rein. Die Eishöhle muss jede Saison vollständig neu ins Eis gehauen werden, da der Gletscher sich jährlich 30-40 m bewegt.

Nach der Besichtigung fing es heftig an zu regnen. Deshalb erhöhten wir das Marschtempo, um noch möglichst ins Tal hinunter zu gelangen, wo es etwas wärmer zum Zelten sein würde.

Eisgrotte Rhonegletscher

Der Rhonegletscher beim Furkapass, mit dem Eingang zur Eisgrotte.

Trans Wallis Trekking

6. Gletsch - Obergoms - Fiesch

Wanderzeit: 7.30 h, Höhenmeter: 700 m

Die ersten Sonnenstrahlen drangen gegen 7:30 Uhr über den Bergkamm ins Tal. Somit konnte das über Nacht verregnete Zelt noch einigermassen trocknen, bevor es im Trekking-Rucksack verstaut wurde. Ohnehin wollten wir den heutigen Tag etwas gemütlicher angehen.

Zuoberst im Wallis liegt das Hochtal Goms. Ein Tal von einzigartiger Authentizität, in welchem Natur und Kultur in Einklang stehen. Unter einem herrlich blauen Himmel nahmen wir voller Tatendrang die Wanderung auf dem Gomser, respektive Gommer Höhenweg in Angriff. Dieser führte von Oberwald bis nach Bellwald, durch eine faszinierende Landschaft mit vielen schmalen Wald- und Wiesenpfaden. Belohnt wurden wir immer wieder durch das imposante Panorama der Walliser Alpen. Der Abstieg bis in den von uns auserkorenen Etappenort Fiesch (1050 m) war nur noch ein Kinderspiel.

Trekking Furkapass

Das Trekking führte durch die Urner Alpen und über den Furkapass ins Wallis.

7. Fiesch - Brig - Visp

Wanderzeit: 9 h, Höhenmeter: 400 m

Noch nie von einem Gogwärgi gehört? Ein Zwerg auf Wallisertitsch, dem lokalen Dialekt. Sie sollen einst überall im Oberwallis in Felshöhlen gelebt haben. Ab Fiesch war der Gogwärgiwäg unsere neue Wanderroute. Entlang des Weges fanden sich nicht nur kunstvolle, handgeschnitzte Holzzwerge sondern auch überlieferte Gogwärgi-Geschichten. Was wohl eigentlich als Motivationsschub für den Wander-Nachwuchs gedacht ist, machte auch uns Spass und sorgte für eine willkommene Abwechslung.

Ein steiler, Kräfte raubender Weg führte zur kleinen Siedlung Martisberg (1350 m) hoch. Begleitet von atemberaubenden Aussichten bis nach Brig, konnten wir auf einem Höhenweg weiter gegen Westen wandern. Eigentlich wollten wir hier oben in der wunderbaren Abgeschiedenheit wild campieren. Doch mussten wir für die dringende Beschaffung von Proviant wieder ins Tal absteigen, um in Brig einzukaufen. Bis zum Eindunkeln gelangten wir schlussendlich noch auf einen Zeltplatz kurz nach Visp.

Walliser Alpen

Eindrücklicher Panorama-Blick über die Walliser Alpen, mit Brig weit unten im Tal.

8. Visp - Sierre - Sion

Wanderzeit: 9 h, Höhenmeter: 400 m

Während der ersten Morgenstunden führte die Hiking Route dem Uferweg der Rhone entlang. Das Ziel war der Naturpark Pfyn (Webseite: www.pfyn-finges.ch), wo bei der Ortschaft Pletschen eine riesige Hängebrücke eine Schlucht überquert. Die so genannte Bhutanbrücke wurde mit der Beihilfe von Ingenieuren aus dem Himalaya-Königreich Bhutan errichtet. Die Hängebrücke ist 133,71 m lang und etwa 1 m breit.

Bis Sierre wanderten wir durch den hübschen Wald im Naturschutzgebiet von Pfyn. Dann hatte uns der Uferweg der Rhone wieder. Unser Nachtlager schlugen wir am Ende des Tages kurz vor Sion auf. Das Wahrzeichen von Sitten, der Hauptstadt des Wallis, sind zwei Felshügel, der Tourbillon und der Valeria. Welch magische Kulisse boten die beiden von der Abendsonne rötlich beleuchteten Burgen und die mit Schnee bedeckten Walliser Alpen im Hintergrund.

Burgen Tourbillon und Valeria

Das Wahrzeichen von Sion sind die zwei Felshügel Tourbillon und Valeria, mit den beiden Burgen.

9. Sion - Martigny

Wanderzeit: 8 h, Höhenmeter: 200 m

Den grössten Teil des Tages marschierten wir der zwischenzeitlich zu einer stattlichen Grösse angewachsenen Rhone entlang. Rebberge, Weinanbaugebiete dominierten die Landschaft im unteren Teil des Wallis. Nach gut acht Stunden erreichten wir schlussendlich müde aber sehr glücklich Martigny, das vorläufige Ziel dieser Weitwanderung durch die Alpen.

Nächstes Trekking Projekt

Vorläufiges Ziel? Hmm ja... das nächste Projekt war in den letzten Tagen auch schon geboren. Wir wollten von Martigny aus das Trekking fortsetzen und in das Val de Chamonix in Frankreich wandern, zum höchsten Berg der Alpen, dem mächtigen Mont Blanc. Aber nicht eine Besteigung sollte das Ziel sein, sondern der legendäre GR5 Weitwanderweg, die Überquerung der französischen Alpen bis zum Mittelmeer.

Weinberg Wallis

Weinberge an den Hängen der Walliser Alpen, der Kanton ist bekannt für seine ausgezeichneten Weine.