Vom Vierwaldstättersee nach Chiasso


Trekking Tour durch die Schweizer Alpen. Vom Norden nach Süden, vom Vierwaldstättersee durch die Bündner Berge ins Tessin, auf der Via Cristallina und dem Trans Swiss Trail bis an den südlichsten Punkt der Schweiz in Chiasso.

Zentralschweiz

1. Vierwaldstättersee - Bristen

Wanderzeit: 5 h, Höhenmeter: 550 m

Vom Vierwaldstättersee bei Flüelen wanderten wir zuerst im Kanton Uri der Reuss entlang, über Erstfeld und Amsteg, dann steil hoch in das Bergdorf Bristen (770 m).

Vierwaldstättersee

Das Dampfschiff Uri unterwegs auf dem Vierwaldstättersee.

2. Bristen - Chrützlipass - Rueras

Wanderzeit: 7.5 h, Höhenmeter: 1600 m

Durch das Etzlital begleitete uns natürlich der Etzlibach... bis zur SAC-Hütte mit dem überraschenden Namen Etzlihütte. Ein rund 3.5 stündiger Marsch. Gegen Osten erfolgte der schweisstreibende Aufstieg auf den rund 2350 m hohen Chrützlipass, mit seinen charakteristischen Steinmannli auf der Passhöhe. Auf der anderen Seite beeindruckte das Val Strem durch seine schroffe Wildheit. Die grandiose Alpenlandschaft machte die Müdigkeit vergessen und am späteren Abend erreichten wir die Ortschaft Rueras, im Haupttal des Bündner Oberlandes.

Etzlital

Panoramablick über das Nebelmeer im Etzlital in den Urner Alpen.

Von Graubünden ins Tessin

3. Rueras - Val Maighels - Passo Bornengo - Cadlimo Hütte

Wanderzeit: 8.5 h, Höhenmeter: 1600 m

Hier auf der Strecke von Rueras (1400 m) nach Tschamut ist der Rhein noch jung, noch ein Bergbach, weit entfernt vom mächtigen Strom den er noch werden wird. Unweit des Oberalppasses liegt der kleine, mystische Tomasee, dessen Abfluss traditionell als Rheinquelle gilt.

Wir konnten die Lage des Tomasees nur abschätzen, zweigten wir doch ein Seitental vorher gegen Süden ab. Ein Stausee prägte das Landschaftsbild bis wir ins Val Maighels gelangten. Bei einer Portion frisch zubereiteter Fussili genossen wir den fantastischen Ausblick über die Bündner Bergwelt.

Wir nahmen den langen Aufstieg auf den Passo Bornengo (2631 m) in Angriff. Wir wurden langsamer und versuchen, mit unseren Kräften hauszuhalten. Eine mächtige Felswand galt es auf der anderen Seite zu traversieren. Plötzlich hielten wir Inne. Hatte sich dort nicht etwas bewegt? Tatsächlich widmeten sich drei Steinböcke in der Abendsonne den spärlichen Grasbüscheln. Ein unbeschreiblicher Augenblick. Eine gefühlte Ewigkeit genossen wir das Spektakel und waren einfach nur glücklich dies so erleben zu können.

Wir vergassen auch völlig die Zeit. Die Dunkelheit brach ein. Und zum Etappenziel der Cadlimo Hütte (2570 m, Webseite: www.cadlimohuette.ch) fehlten noch rund 250 Höhenmeter. Mit den letzten Reserven kletterten wir den Weg gegen oben und kamen erschöpft an. Gerne profitierten wir von den noch zur Verfügung stehenden Betten und einer warmen Mahlzeit.

Trekking Tessiner Alpen

Tessiner Alpen bei der Cadlimo Hütte.

4. Cadlimo Hütte - Lago Ritom - Airolo

Wanderzeit: 5.5 h, Downhill: 1500 m

Heute war wohl eine der spektakulärsten Etappen des ganzen Trekkings. Malerische, hübsch in die fantastische Bergwelt eingebettete Seen, gestreichelt von den ersten Sonnenstrahlen, machten einfach gute Stimmung. Am Lago Ritom vorbei suchten wir uns die direkteste Route runter in das Valle Leventina bis nach Airolo (1150 m).

Seen-Landschaft Ritom

Die Morgensonne beleuchtet die Seen-Landschaft Ritom oberhalb des Valle Leventina.

Sentiero Cristallina von Airolo nach Bignasco


Der Sentiero Cristallina verbindet Airolo im Val Bedretto mit Bignasco im Valle Maggia. Je nach sportlicher Fitness kann die Route in zwei oder drei Tagesetappen erwandert werden. Ein lohnenswertes Abenteuer auch für kurze Wanderferien. Webseite: Wanderland Schweiz

5. Airolo - Passo di Cristallina - Robiei

Wanderzeit: 8 h, Höhenmeter: 1900 m

Wir starteten die Trekking-Route des Sentiero Cristallina von Airolo aus mit dem Aufstieg in das Dörfchen Nante und dann weiter bis zur Seilbahn-Station Pesciüm. Der Höhenweg auf der Sonnseite des Val Bedretto verlief durch Hochmoorlandschaften und bot schöne Ausblicke ins Gotthardmassiv. Wir tauchten ein in diese ursprüngliche Natur bestehend aus herrlichen Farben und erholsamer Stille. Mit fortschreitender Höhe verdrängten steinige Bergflanken die lieblichen Alpen und Wälder.

Auf die Mittagszeit erreichten wir die Passhöhe des Passo die Cristallina (2568 m). Die scheinbar überproportionale Cristallina-Hütte (Webseite: www.capannacristallina.ch) würde sich als Etappenort anbieten. Wir machten uns jedoch an den Abstieg, auf den von Geröllhalden durchzogenen Serpentinen. Etliche natürlichen und gestauten Seen beleben dieses alpine Gebiet und liefern einen gewichten Anteil des Stroms im Kanton Tessin. Der Lago Sfundau besticht durch seinen aus der Felswand heraus preschenden Wasserfall. Beim einten dieser Seen, beim Lago Robiei (1940 m, Webseite: www.robiei.ch), verbrachten wir die Nacht.

Sentiero Cristallina

Wunderbare Abendstimmung beim Lago Robiei auf der Route des Sentiero Cristallina.

6. Robiei - Bignasco - Bosco Gurin

Wanderzeit: 9.5 h, Höhenmeter: 1200 m

Nach einem bescheidenen Brot-Konfitüre-Frühstück machten wir uns an den weiteren Abstieg. Das alpine Ambiente in der morgendlichen Sonne war unschlagbar, wir waren tief beeindruckt von der uns umgebenen Schönheit der Schweizer Bergwelt.

Ab San Carlo verlor die Route den alpinen Charakter, das Tal wurde flacher. Wir wanderten durch das Val Bavona, mit seinen hübschen Bergdörfern, mit den für das Tessin so typischen, mit Blumen verzierten Steinhäusern.

In Bignasco endete der ausgeschilderte Wanderweg des Sentiero Cristallina und wir kümmerten uns wieder selbst um die passende Routenwahl. Wir zogen weiter das Tal hinaus bis Cevio auf nur noch 420 m gelegen.

Gewisse Verschleisserscheinungen durch die starke Belastung auf der Trekking Tour machten sich heute bemerkbar. Der rechte Knöchel schmerzte sehr störend. Wir kauften ein Sportgel und Verband in einer Apotheke. Und weiter ging es.

Wir entschieden uns trotzdem gegen die direkte Route in Richtung Süden, da wir noch die abgelegene Region bei Bosco Gurin (Webseite: www.bosco-gurin.ch) erkunden wollten. Das Seitental reicht bis an die italienische Grenze und sah auf der Landkarte sehr verlockend aus. Rund 1200 Höhenmeter sollten es heute noch werden bis in die Walsersiedlung hoch. Übrigens ist das die einzige Tessiner Gemeinde, in der Deutsch gesprochen wird und das höchst gelegene Dorf im Kanton.

Steinböcke

Keine Schweizer Alpen ohne Steinböcke.

Im wilden Westen des Tessins


Ganz im Westen des Tessins, gleich an der Grenze zu Italien, abseits des bekannten und viel besuchten Valle Maggia, liegt die wunderbare Region von Bosco Gurin und das Valle di Vergeletto.

7. Bosco Gurin – Passo Quadrella – Vergeletto

Wanderzeit: 8 h, Höhenmeter: 1400 m

Bereits um 6 Uhr wurden wir überraschend geweckt, weil ein Gesangschor in der gleichen Herberge die Gunst des Morgens ausnützen wollte. So waren auch wir früher als geplant wieder auf den Beinen. Die Morgensonne bestrahlte die hübschen Steinhäuser von Bosco Gurin, während wir durch eine kleine Ebene zum Fusse des Berges gelangten. Etwas weiter westlich ist bereits italienisches Staatsgebiet.

Wir überquerten die zwei Pässe Passo Quadrella (2137 m) und Passo de la Cavegna (1977 m). Durch das Valle di Vergeletto erreichten wir das heutige Tagesziel in der gleichnamigen Ortschaft.

Bosco Gurin

Das malerische Bosco Gurin wurde von Walser Siedlern aus dem Wallis gegründet.

8. Vergeletto – Mosogno – Locarno

Wanderzeit: 6 h, Höhenmeter: 1000 m

Die engen Verhältnisse zwischen dem Felsmassiv linkerhand und dem scheinbar bodenlosen Abgrund rechterhand lassen knapp Platz für die enge Bergstrasse, wo uns einige Mountainbiker entgegen kamen. Diese windet sich mit dem natürlichen Verlauf des Gebirges das Tal hinaus.

Bei Mosogno zweigte ein Pfad runter in die Schlucht des glasklaren Flusses Isorno (560 m). Wo ein Abstieg ist, ist der nächste Aufstieg nie weit. Wir kletterten den dicht bewaldeten Abhang hoch zum Monte di Comino (1215 m). Ein mit Steinbrocken hübsch gestalteter Wanderweg kurvte ins Centovalli Tal runter. Auf einer Hängebrücke überquerten wir den Fluss Melezza, wo auf der anderen Seite ein attraktiver Pfad hoch über der Schlucht weiter in Richtung Locarno führte.

Hängebrücke

Das Trekking führte über eine Hängebrücke weiter gegen Süden.

Trans Swiss Trail


Der Trans Swiss Trail ist eine durchgehend ausgeschilderte Wanderroute vom Kanton Jura bis nach Bern und vom Vierwaldstättersee über den Gotthard ins Tessin. Ab Tesserete schlossen wir uns dem Trail für das letzte Teilstück des Trekkings an. Webseite: Wanderland Schweiz

9. Locarno – Monte Ceneri – Tesserete – Lugano

Wanderzeit: 9.5 h, Höhenmeter: 1050 m

Falls es zeitlich passt, könnte man mit dem Schiff über den Lago Maggiore fahren. Sonst führt die Route auf einem Uferweg bis Tenero und weiter auf die andere Seite des Sees. Die Besteigung des Monte Ceneri (550 m) ist unspektakulär: verkehrsreiche Passstrasse, lärmige Autobahn und eine militärische Anlage verunstalten den Pass.

Um in das ruhigere Val Capriasca zu gelangen, galt es den 910 m hohen Monti di Brena zu begehen. Auch diese Besteigung, wie so viele im südlichen Tessin, führte durch einen dichten Wald steil hoch. Wenig interessant bis langweilig für eine Tageswanderung, als Teilstrecke eines längeren Trekkings aber verschmerzbar.

Die Ostseite des Gebirgszuges war schon wesentlich freundlicher, mit hübschen Steinbauten für Ruhe suchende Wochenendaufenthalter. Kurz vor Tesserete schmückten Kunstwerke mit religiösen Motiven die langgezogene Treppe hoch ins Kloster Convento Santa Maria.

Am späten Nachmittag wurde das Wandern ein wahrer Genuss. Auf einem wild kurvenden Trail mal hoch, mal runter und über kleine Holzbrücken über meist trockene Bachbette, näherten wir uns auf einer Hochebene der Tessiner Metropole Lugano. Nach über neun Stunden auf den Beinen fanden wir unweit des Lago di Lugano ein passendes Nachtquartier.

Luganersee

Die Tessiner Metropole Lugano liegt malerisch am Luganersee, umgeben von einer eindrücklichen Bergwelt.

10. Lugano – Morcote – Chiasso

Wanderzeit: 7.5 h, Höhenmeter: 900 m

Ein wunderschöner Morgen machte das Wandern entlang des Lago di Lugano zu einem wahren Vergnügen. Der Trans Swiss Trail führte auf einem Höhenweg weiter südlich bis Morcote.

Der äusserst malerische Ort Morcote besticht durch seine hoch oben am Fels thronende Kirche und die Arkaden mit seinen Verkaufsgeschäften entlang der hübschen Seepromenade. Mit dem Schiff setzten wir über den Luganersee und machten uns bei Brusino Arsizio an den Aufstieg auf den von der UNESCO geschützten Monte San Giorgio.

Der Monte San Giorgio (Webseite: www.montesangiorgio.org) ist eine der weltweit wichtigsten Fossillagerstätten der geologischen Periode vor einigen Millionen Jahren. Die Fossilien dieses Berges sind wegen ihrer Vielfalt und ihrer einmaligen Erhaltungsweise weltberühmt. Die internationale Anerkennung dieses Fossilvorkommens wurde durch den Eintrag als UNESCO-Welterbe bestätigt.

Schlussendlich erreichten wir Mendrisio und dann Chiasso, die südlichste Stadt der Schweiz und somit das Ziel dieser Nord-Süd Trekking Tour durch die Schweizer Alpen.

Morcote

Nach Morcote folgte der Schlussspurt der Nord-Süd Trekking Tour bis Chiasso.